Veröffentlicht am 2015-08-29 In Leben im Bündnis

P. Juan Pablo Catoggio im Interview mit ACIprensa: Die Herausforderungen nach 100 Jahren Schönstatt

Interview von ACIprensa, veröffentlicht am 25. 8. 2015, von Martha Calderón und Walter Sánchez Silva •

Im ersten Interview, das er nach seiner Wahl zum Generalobern der Schönstatt-Patres gab, spricht der 61jährige argentinische Priester Juan Pablo Catoggio über die Herausforderungen dieser geistlichen Familie, die von einer tiefen Liebe zu Maria geprägt und in mehr als 90 Ländern verbreitet ist.

Der argentinische Priester, der zweite Lateinamerikaner in dieser Aufgabe, folgt auf Pater Heinrich Walter, der zwölf Jahre lang die Geschicke dieser Institution leitete.

Im Gespräch mit ACIPrensa in Schönstatt, Deutschland, erklärte er, seine Wahl habe ihn überrascht, er habe „das nicht erwartet, nicht gesucht. Und zweitens auch ein wenig ein Schrecken angesichts der Aufgabe und zugleich voll Vertrauen, dass Gott die notwendige Kraft und Gnade für die Aufgaben gibt, die er uns anvertraut.“

Uber die im Jahre 2014 begangene Hundertjahrfeier der geistlichen Familie sagte P. Catoggio, es sei dies eine Zeit der „Erneuerung im Geist des Gründers, in seinem Charisma, seiner Mission. Es war eine Erfahrung der Internationalität. Niemals zuvor hatte sich die Bewegung so vielfältig und bunt versammelt, mit Vertretern so vieler Länder, so vieler Kulturen, so vieler neuer Orte“ wie Indien oder einige Länder Afrikas. „Nach 100 Jahren hat Schönstatt ein neues Gesicht, eine neue Geographie.“

Der Generalobere erinnert daran, dass „Schönstatt nicht als ein Ereignis entstanden ist, es war keine Entscheidung oder ein Projekt am grünen Tisch von Pater Kentenich, dem Gründer, sondern das Ergebnis eines Lebensvorgangs, eines Einbrechen des Heiligen Geistes, eines Gnadengeschehens, das wir ‚Liebesbündnis mit Maria‘ nennen. Pater Kentenich, der Gründer, war ein Mann, der andauernd den Willen Gottes suchte. Für ihn war der Wille Gottes nicht so sehr eine Wahrheit, die man meditieren sollte, sondern ein Plan, den es zu entdecken und zu verwirklichen galt.“

Für den Gründer, so der Priester weiter, „war die Liebe zu Maria nicht einfach ein sich von der Mutter Gottes verwöhnen lassen, sondern für ihn hatte sie immer den Aspekt oder Charakter einer gegenseitigen Verpflichtung. Darum sprechen wir in Schönstatt, darum nennen wir die Weihe an Maria Liebesbündnis. Ein Bündnis, gegenseitig, wechselseitig. ‚Nichts ohne dich, nichts ohne uns‘ sagen wir in Schönstatt sehr oft.“

Das, so führt er weiter aus, „ist ein Austausch mit gegenseitiger Verpflichtung, Liebe um Liebe, Verpflichtung um Verpflichtung, und wo darum diese Liebe zu Maria nicht einfach affektiv und andachtsmäßig ist, sondern echte Konsequenzen im Leben mit sich bringt.“

„Sie hat pädagogische Konsequenzen, wir können das so sagen, weil sie unser Leben verändert, und wir uns von Maria erziehen lassen, die immer Christus in uns gestalten will und möchte, dass das Evangelium in uns lebendig wird.“

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Das Schönstatt-Heiligtum

Schönstatt wurde am 18. Oktober 1914 von P. Kentenich und einer kleinen Gruppe von Schülern des früheren Kollegs der Pallottinerpatres als Weg einer geistlichen Erneuerung in der katholischen Kirche gegründet. Der Name der Bewegung kommt von einer kleinen Siedlung, die Teil des Ortes Vallendar ist, in der Nähe von Koblenz in Deutschland, wo das Urheiligtum Schönstatt steht, das zu einem Weltwallfahrtsort geworden ist.

P. Catoggio erklärte gegenüber ACIPrensa, dass „das Heiligtum keine strategische Entscheidung oder eine geniale Marketing-Idee von P. Kentenich war. Es hilft in der Tat sehr, Schönstatt überall zu identifizieren, aber es ist tiefer als das.“

„Das Heiligtum ist unser Geheimnis, wenn man so sagen will, das Heiligtum ist die Gnadenquelle, weil Maria sich dort ’niedergelassen‘ hat, wo sie uns ruft und von wo aus sie unsere Spiritualität nährt und uns die Kraft gibt für die Mission und das Apostolat.“

Darum, so sagt er weiter, „entstand das Netz der Heiligtümer, das es am Anfang auch noch nicht gab, weil sich das Leben so ausgedrückt hat und sich neue Wege gezeigt haben. In Südamerika, konkret in Uruguay, entstand bei den Marienschwestern die Idee, eine genaue Nachbildung des Urheiligtums zu bauen.“

„Als der Gründer im Konzentrationslager Dachau davon erfuhr, unterstützte er das sofort. Darüber hinaus entdeckte er, dass das nicht nur eine gute Strategie war, sondern eine Strategie Gottes, dass Gott dieses Geschenk wirklich ausdehnen wollte, dieses Charisma Schönstatts für die ganze Welt und das durch die Heiligtümer, denn ohne Heiligtümer versteht man Schönstatt nicht.“

DESpäter ergänzte Pater Catoggio, dass „diese Kirche, für die P. Kentenich gelebt hat, gestorben ist, gearbeitet, gelitten, geträumt hat, ist die Kirche, die Papst Franziskus uns aufzeigt, die er im Herzen trägt, die er überall verkündet, und darum glaube ich, dass die Begegnung mit ihm (am 26. Oktober in der Aula Paul VI. im Vatikan) eine verpflichtende Begegnung war, eine Verpflichtung ihm und der Kirche gegenüber; es war eine Begegnung der Aussendung. Eine Sendung.“

Ich glaube, die größte Frucht aus diesen Feiern, aus der Begegnung mit ihm ist, dass wir aus unseren Ursprüngen, aus unserem Charisma, aus unseren Quellen im Herausgehen sein müssen.“

Zum Schluss sagte der neue Generalobere der Schönstatt-Patres ACI Prensa, wir müssen, „um die Worte des Papstes zu benutzen, herausgehen zu Begegnung mit allen. Schönstatt im Herausgehen, das ist so ein wenig das Wort, das wir jetzt als unser Programm sehen.“

Alle Fotos: Facebookauftritt des Generalkapitels der Schönstatt-Patres

Quelle: ACIprensa

Übersetzung ins Deutsche: Maria Fischer/schoenstatt.org

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