Veröffentlicht am 2. Dezember 2017 In Leben im Bündnis

Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Ehe

DEUTSCHLAND, P. Elmar Busse •

Seit fünf Jahren gibt es das Projekt „Ehepaar-Newsletter“, initiiert und gestaltet von zwei Ehepaaren und einem Schönstatt-Pater, getragen von der Schönstatt-Familienbewegung in Deutschland. „Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Ehe“ will der Newsletter sein und „mithelfen, die Freude aneinander wachzuhalten und die gemeinsame Weiterentwicklung anzuregen“. Ende November sprach die Redaktion von schoenstatt.org in Dernbach mit Pater Elmar Busse über das Projekt.

Im Dezember erscheint der 60. Ehe-Newsletter. Er feiert damit seinen 5.  Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch! Aber mit fünf Jahren ist man ja den Kinderschuhen noch nicht entwachsen

P.Busse:

Ja, das stimmt. Mit ca. 850 Abonnenten sind wir noch ein Kindergartenkind unter den Newslettern. Andererseits bin ich auch stolz, denn wir sind ja ein ganz kleines Redaktionsteam: Zwei Ehepaare, Claudia & Heinrich Brehm sowie Gisela & Klaus Glas, die ehrenamtlich mitarbeiten, und ich als Priester, wo man zwischen hauptamtlicher und ehrenamtlicher Tätigkeit nicht so genau unterscheiden kann. Bei mir sind die Grenzen fließend.

Wie kam es zu der Idee mit dem Ehe-Newsletter?

P.Busse:

Wir fünf arbeiten ja seit Jahren in der Familienbewegung, Klaus Glas hauptberuflich als Therapeut mit eigener Praxis. Immer wieder mussten wir feststellen, dass Ehepaare ganz viel Energie in die Aufrechterhaltung der Fassade investieren: „, Wenn wir schon kein gutes Ehepaar sind, dann wollen wir wenigstens nach außen so tun.“ Dann spielt Stolz sicher eine große Rolle: „Ehe ist doch das Natürlichste auf der Welt. Wer soll uns denn da helfen können? Ein ehelos lebender Priester schon gar nicht!“ Und wenn es dann überhaupt nicht mehr weitergeht und einer der beiden verzweifelt Hilfe von außen sucht, dann ist das Hoffnungskonto schon längst abgebucht und im Minus. Manche suchen sogar nur noch ein faires und möglichst schmerzarmes Ausstiegsszenario.

Wenn die Paare drei bis vier Jahre früher gekommen wären, dann wäre noch mehr Hoffnungspotential vorhanden, und es gäbe nicht so viele Verletzungen. Dann könnte man sich auf das Vermitteln und Erlernen neuer Strategien beschränken. So muss oft beiden ganz viel Hoffnungsmedizin eingeflößt werden. Diese Beobachtung floss immer wieder bei unseren Treffen und Kongressen in die Gespräche ein. Irgendwann war der Punkt erreicht, wo wir sagten: „Jetzt machen wir Nägel mit Köpfen!“ Und los ging’s.

Wie finden Sie Ihre Themen?

Pater Kentenich, der ja selber in seiner Zeit in Milwaukee (1952 bis 1965) mit Familien gearbeitet hat, ließ sich in seinen Themen von den Fragen leiten, die die Ehepaare mitbrachten. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland sagte er einmal einem sehr begabten Seelsorger, dem Mainzer Priester Werner Krim, er solle mehr in den Seelen studieren als in den Büchern. Daran hielt sich dieser Priester. Bei seiner Beerdigung war der Mainzer Dom voll mit Gläubigen. Auch wir lassen uns von den Themen leiten, die die Ratsuchenden mitbringen.

Ja, aber gibt es da nicht inhaltliche Wiederholungen? Wird das nicht langweilig mit der Zeit?

P.Busse:

Es ist ähnlich wie in der Musik. Antonio Salieri schrieb 28 Variationen für Orchester (1815), Johann Sebastian Bach komponierte seine Goldberg-Variationen (1741), Johannes Brahms schrieb Variationen über ein Thema von Haydn (1874). Der geübte Hörer stellt fest: Aha, jetzt kommt das Thema, das ursprünglich in Dur war, in Moll; jetzt ist bei gleicher Melodie aus einem Walzer ein Marsch geworden; jetzt werden die Töne der Grundmelodie spielerisch ummalt, wie man eine Perlenkette und einen Tannenzweig dekoriert.
Es gibt die typischen „Unfallschwerpunkte“ des Ehelebens: mangelnde Kommunikation untereinander, mangelnde Feinjustierung in den Erziehungsstilen, die jeder von zu Hause mitbringt; ungeschicktes Zeitmanagement; mangelnde Vergebungsbereitschaft; unterschiedliche Wohlfühlunordnung; Frust in der Gestaltung der Sexualität; Selbstmitleid, Suchtproblematik, fehlende Aufmerksamkeit – um nur die wichtigsten zu nennen. Da gibt es neun über Sexualität und Zärtlichkeit, sieben über Kommunikation (wobei dieses Zentralthema fast alle Newsletter durchzieht), vier über Konfliktmanagement, fünf über Vergebung. Und von diesen thematisch zentrierten Newslettern gleicht keiner dem anderen. Mir gefallen technische Vergleiche, Klaus und Gisela zitieren auch gerne die neuesten Ehebücher, Brehms bestechen durch präzise Detailbeobachtungen. Das ist vor allem wichtig, weil es oft die kleinen Dinge sind, die nerven – so wie ein kleiner Stein im Schuh die ganze Aufmerksamkeit der 5 Sinne auf sich zieht.

Geht das Angebot denn nicht unter bei den vielen Angeboten für Ehepaare – gerade auch von kirchlicher Seite?

P.Busse:

So viele Angebote gibt es gar nicht. Das Flaggschiff sind sicherlich die EPL, KEK und KESS-Seminare, die in den meisten deutschen Diözesen angeboten werden. EPL= ein partnerschaftliches Lernprogramm für Paare bis 5 Ehejahre, KEK = Konstruktive Ehe-Kommunikation für Paare über 5 Jahre des Zusammenseins; KESS = kooperativ, ermutigend, sozial, situationsorientiert / Kess-erziehen ist im Rahmen eines Projektes der AKF – Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung – in Zusammenarbeit mit dem Familienreferat im Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg entstanden.
Dann leisten die vielen Anlaufstellen der EFL [= Ehe-, Familien- und Lebensberatung] einen wertvollen Dienst – allerdings häufig mit dem oben beschriebenen Handicap des „zu spät“.

Da mein Horizont auf die konkreten Kontakte beschränkt ist, möchte ich den Münchner Pastoraltheologen Wollbold zitieren, der von Berufs wegen einen größeren Horizont hat. 2015 hatte er sich mit seinem Buch „Pastoral mit wiederverheirateten Geschiedenen – gordischer Knoten oder ungeahnte Möglichkeiten“ in die Diskussion eingebracht.

Er zitiert darin auch Papst Benedikt XVI. auf einer Priesterkonferenz 2007: „Was ist zu tun? Ich meine, ein erster Punkt wäre natürlich soweit wie möglich die Prävention… Der erste Teil meiner Antwort schaut auf das Vorbeugen, nicht nur im Sinne der Vorbereitung, sondern auch der Begleitung, des Bestehens eines Netzes von Familien…“ (Papst Benedikt XVI. am 24.7.207, hier zit.n.Wollbold, S.210)

Wollbold führt dann weiter aus: „Man muss leider gestehen: Nichts davon ist in deutschen Diözesen Standard. Vielfach fehlt überhaupt ein Familienpastoralplan, der die vielfältigen Probleme und Herausforderungen angeht und sich nicht nur auf punktuelle Angebote beschränkt.“
So mancher Priester hat mir auch schon gestanden: „Wir haben das Falsche studiert. Nach den Irrlehrern des dritten Jahrhunderts hat mich noch keiner gefragt, aber wie wir als Paar wieder miteinander glücklich werden können – das wollen die Menschen wissen, und dann kann ich die nicht mit ein paar allgemeinen Prinzipien und guten Wünschen abspeisen. Dann kommen die beiden nicht wieder zu mir. Familienpastoral ist zu unterbelichtet in der Ausbildung.“

 

Angesichts der Scheidungszahlen – ist das nicht wie ein Tropfen auf den heißen Stein? Wenn das Bundesamt für Statistik die aktuellen Zahlen veröffentlicht und man als Schlagzeile lesen kann, jede dritte Ehe wird geschieden, in den Großstädten jede zweite, entmutigt euch das nicht?

P. Busse:

Eine solche Schlagzeile ist eine bewusste Fälschung der Tatsachen, denn es werden nur die Eheschließungszahlen mit den Scheidungszahlen ins Verhältnis gesetzt. Das sagt nichts über die Ehestabilität und Ehedauer generell aus. Ein Rechen-Beispiel: In einem Dorf gibt es 396 Ehepaare. In diesem Dorf heiraten im Jahr 2017 4 Paare und 2 lassen sich scheiden. Dann würde in mancher Zeitung stehen: Jede zweite Ehe wird geschieden. In Wirklichkeit sind es 0,5% der existierenden Ehen in dem Dorf. Die Ehe ist besser als ihr Ruf.

Ein Blick in die Zukunft?

P.Busse:

Ich wünsche mir, dass wir – wie bei natürlichen Wachstumsprozessen – eine exponentielle Wachstumskurve an Abonnenten erreichen. Das Schöne an Newslettern ist ja die Tatsache, dass mehr Abonnenten nicht mehr Arbeit bedeuten, und auch keine Print-Exemplare als totes Kapital in Regalen verstauben. Dann rechne ich natürlich auch mit dem Segen von oben. Gott selber hat Interesse daran, dass Ehen gelingen und durch die zwischenmenschliche Erfahrung von der Lebensqualität Treue eine Ahnung von der Bundestreue Gottes vermitteln.

Schließlich hoffe ich darauf, dass der Präventionsgedanke auch in der Familienpolitik Raum gewinnt. Kinder von Alleinerziehenden sind einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Wenn nur ein Bruchteil dessen, was als Sozialausgaben für Familien von Alleinerziehern ausgegeben wird, in die Prävention, also in die Stabilität von Ehen investiert würde, dann gäbe es viel mehr glückliche Paare auf Dauer. Denn es mangelt den Hochzeitspaaren ja nicht an der Motivation. Die Sehnsucht, die Liebe möge ewig dauern, bringen die Paare mit. Woran es mangelt, sind häufig die fehlenden Sozialkompetenzen. Und die lassen sich vermitteln. Sie sind kein Geheimnis.

Der Ehepaar-Newsletter kann kostenlos bestellt werden unter der Mailadresse: [email protected]

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