Veröffentlicht am 13. Februar 2018 In Kirche - Franziskus - Bewegungen

Sant’Egidio: 50 Jahre ein Volk der Freunde der Armen und des Evangeliums

ITALIEN, www.santegidio.org •

Die fünf weiten Schiffe der Lateranbasilika, der Kathedrale Roms, füllten sich am 10. Februar mit Tausenden von Mitgliedern der Gemeinschaft Sant’Egidio, mit den Armen, die ihr Leben immer begleiten, mit vielen Freunden und Gästen.

Grund dafür war die liturgische Dankfeier für die 50 Jahre der Gemeinschaft, die am 7. Februar 1968 in Rom auf Initiative von Andrea Riccardi und einer Gruppe von Studenten entstanden ist und sich mittlerweile auf der ganzen Welt ausgebreitet hat.

Ein halbes Jahrhundert des „täglichen Hörens auf das Wort„, so Kardinal Parolin in seiner Predigt, war das Rückgrat der Geschichte der Gemeinschaft. Ein halbes Jahrhundert, in dem Sant’Egidio viele aus der Ausgeschlossenheit der Einsamkeit befreit hat, wie der Herr es mit dem Aussätzigen getan hat, von dem in der Tageslesung die Rede ist (Mk 1, 40-45). Mehr noch, die Ausgeschlossenen selbst seien zu einzigartigen Protagonisten der Erlösung anderer geworden. An den Peripherien der Welt hätten die Mitglieder der Gemeinschaft dafür gearbeitet, den „Aussatz“ von Armut, Krankheit und Krieg auszumerzen. „Der Weg des Mitleids, den Jesus verkündet hat, war und muss immer euer Weg sein“, so der Staatssekretär. So würde das Unmögliche möglich; so geschehe das Wunder einer grenzenlosen Begegnung, fähig, das zerrissene soziale Gefüge der Menschheitsfamilie zu flicken.

Ein Bild des christlichen Europa

Nach der Feier richtete Bischof  Angelo De Donatis, Stellvertreter des Papstes für die Diözese Rom, einige Worte an die Anwesenden: „Andrea und seine Freunde spürten, dass der Herr sie bat, vor den Fragen der Letzten, der Armen, innezuhalten und mit Freundschaft als einem prophetischen Zeichen zu antworten.“ Für Antonio Tajani,den Präsidenten des Europäischen Parlamentes, „ist Sant’Egidio ein Protagonist der Subsidiarität, ein Bild des christlichen Europa.“ Paolo Gentiloni,der italienische Premierminister, sagte: „Danke für die Kohärenz, mit der ihr den Glauben gelebt habt, ihr immer an der Seite der Schwächsten, Dank für eure Präsenz, die sowohl alarmieren wie Lösungen anzubieten weiß.“

Freundschaft macht aus uns ein Volk

Zum Schluss betonte Marco Impagliazzo, der Vorsitzende der Gemeinschaft Sant’Egidio, den Wert der Freundschaft, die „aus uns ein Volk macht und keine Masse.“Ein Volk, das sich den Traum des Evangeliums, den Traum des Konzils zu eigen gemacht hat, das verstanden hat, dass die Umgestaltung der Welt im Herzen beginnen muss. „Eine religiöse Leidenschaft leben, die zur bürgerlichen Leidenschaft wird“, so Impagliazzo, und betonte kraftvoll, dass niemand ausgeschlossen, niemand Ausländer ist, „weil für uns das Wort ‚alle‘ wichtig ist.“  – „Darum muss diese Geschichte weitergehen, denn in der Welt gibt es viele Nöte und es gibt eine Mission, die auch in der Zukunft weitergetragen werden muss.“

Marco Impagliazzo

Predigt von Kardenal Pietro Parolin (italienisch)

Grußwort von Marco Impagliazzo  (italianisch)

Ein erneuertes Logo und eine neugestaltete internationale Webseite

Für ihr Jubiläum hat die Gemeinschaft Sant’Egidio ihr Logo erneuert (auch wenn dessen Inhalt, die Taube mit Ölzweig und Regenbogen, bleibt) und einen Relaunch ihrer rundum erneuerten offiziellen Webseite www.santegidio.org vorgenommen. In seinem Grußwort dazu sagt Andrea Riccardi:

„Die Inhalte der Homepage sind jetzt besser zugänglich, alles ist mehr mit den sozialen Netzwerken verbunden: Twitter, Facebook, Instagram. Die erneuerten Texte über das Leben der Gemeinschaft in seinen verschiedenen Aspekten und über ihre Freundschaft mit den Armen wurden im Hinblick auf das heutige Leben von Sant’Egidio überarbeitet und aktualisiert. Ich möchte auf eine der wichtigsten Neuigkeiten hinweisen: die Verbindung mit dem Abendgebet der Gemeinschaft in der Basilika Santa Maria in Trastevere. Ab heute kann man sozusagen physisch in die Basilika eintreten und am Gebet teilnehmen. Es gibt nicht nur eine Audioverbindung sondern auch mit Bild, sodass man besser und direkter einen der wichtigsten Augenblicke aus dem Leben der Gemeinschaft mitverfolgen kann.

Diese Homepage wurde derart gestaltet, dass das Leben der Gemeinschaft in seinen vielfältigen Aspekten und Ausdrucksformen auf mittlerweile allen Kontinenten zur Sprache kommt. Auf schöne Weise wird die Welt mit einer Lebensweise verbunden, die eine universale, alle umfassende und alle Formen von Mauern überwindende Geschwisterlichkeit möglich macht. Sie ist auch ein ganz besonderes kulturelles Werkzeug, denn hier finden sich Informationen, Nachrichten, Gedanken und Ideen aus allen Teilen der Welt. Diese Kultur vereint und spaltet nicht, sie schenkt den Peripherien und den Menschen der Peripherie Gehör, sie lenkt den Blick auf unbekannte Lebenswelten und wird zum Interesse und Dialog, zur Solidarität und Freundschaft.

Die neue Homepage halte ich schließlich auch für ein Werkzeug der Freundschaft mit all denen, die in je origineller und auf verschiedene Weise dadurch in Berührung kommen mit dem Leben, den Träumen und Hoffnungen einer Gemeinschaft, die – wie der Hl. Johannes Paul II. sagte – „sich keine anderen Grenzen setzt, als die Grenzen der Nächstenliebe“.

Auf der neugestalteten Homepage kann man seit dem 7. Februar auch virtuell am täglichen Abendgebet der Gemeinschaft teilnehmen – einer der spirituellen Säulen allen Tuns.

Quelle: www.santegidio.org

Original: Spanisch. Übersetzung des Grußwortes von Andrea Riccardi aus der deutschen Fassung von www.santegidio.org, Bericht vom Gottesdienst: Maria Fischer, schoenstatt.org

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