Veröffentlicht am 17. März 2019 In Leben im Bündnis, Schönstätter

Wenn Sie die Gottesmutter gernhaben, sind wir Freunde

SCHÖNSTATT, Maria Fischer •

Es ist einer der stürmischsten Tage dieses stürmischen Monats März, der Tag der Beisetzung von Pater Dr. Michael Joh. Marmann. Es wird viel gesagt in diesen zwei Stunden, in denen der Sturm um die Türme der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt weht, von seinen Mitbrüdern und Nachfolgern als Generaloberer der Schönstatt-Patres, von Freunden aus dem Miteinander für Europa, von Schönstättern, mit denen er den Anfang gesetzt hat in Regensburg, und am Ende klingt vor allem sein eigenes Wort nach, das der Prediger P. Heinrich Walter zitiert, das Wort von seinem Schlüsselerlebnis der Begegnung mit Maria und Jesus.—

10.03.2019, Requiem für P. Miachel Joh. Marmann. Foto: [email protected]

„Wieder beim Gang auf den Friedhof (in Milwaukee) – wir setzten uns auf einer leichten Anhöhe auf eine Bank – gab es ein Gespräch, das für mich zum Schlüsselerlebnis wurde: Es ging um Maria, speziell um meine Beziehung zur Gottesmutter. Ziemlich ausführlich erzählte ich, wie wenig ich früher mit Maria anfangen konnte – gerade auch als Theologiestudent -, aber dann nicht lang vor meiner Priesterweihe ein nächtliches Erlebnis hatte mit der Frage, die für meine damalige Situation eben typisch war: ob man zu Maria „Du“ sagen könnte. Und im selben Augenblick erfuhr ich eine  bis dahin unbekannte persönliche Beziehung zu Christus – zumal in dieser Nacht in der Seminarkapelle in der Hinwendung zu Jesus im Tabernakel. Nach meiner Erinnerung ließ unser Vater das sichtlich und länger auf sich wirken; dann wandte er sich ein bisschen zu mir hin und sagte: ‚Wenn Sie die Gottesmutter gernhaben, sind wir Freunde.‘ Dieses Wort hat eine dauernde Wirkung in meinem Leben – nicht zuletzt deswegen, weil mir schien, als sagte der Vater als Priester mir von Christus her dieses Wort; es erinnert mich allezeit an dessen Wort an seine Jünger: ‚Ich habe euch Freunde genannt, weil ich euch alles offenbart habe, was mir der Vater gesagt hat‘.“[1]

Eine Erfahrung, die Pater Michael Marmann ausführlich in einem Artikel für die Textsammlung „Zuneigung. Christliche Perspektiven für Europa“[2] widergibt und die P. Walter am Schluss seiner Predigt zitiert.

Eine Türspalte, recht weit geöffnet, hinein in das Leben eines Menschen, den viele auf vielerlei Weisen gekannt haben; ein Leben, das auf einer Beisetzung gewürdigt, aber nie ganz gegriffen und gedeutet werden kann – das hat uns der Gott jeden Lebens für den Himmel reserviert und vielleicht auch einfach für sich selbst.

Eine heilige Leichtfertigkeit und ein vertrauensvoller Wagemut

Schönstatt-Patres aus verschiedenen Ländern und Diözesanpriester sind in großer Zahl um den Altar versammelt; Hauptzelebrant ist P. Juan Pablo Catoggio, Generaloberer der Schönstatt-Patres, mit am Altar stehen Dr. Peter Wolf, langjähriger Generaloberer des Instituts der Schönstatt-Diözesanpriester, P. Theo Breitinger, Provinzial der Sions-Provinz, P. Heinrich Walter (Internationale Koordinierungsstelle), sein Neffe, Diakon Felix Geyer…

Mitglieder der jüngsten Kurse der Schönstatt-Patres gestalten den Gottesdienst musikalisch, das Liedheft ist mit der Zeichnung geschmückt, die im Vaterhaus auf Berg Sion in der Galerie der Generaloberen zu finden ist und mit der auch das Buch „Streiflichter auf Spuren des Lebens“  gestaltet ist, das die Mitbrüder von Pater Marmann in München zu seinem 80. Geburtstag mit Texten aus seinem Leben und einer Reihe von Glückwünschen gestaltet haben, deren Linien Pater Juan Pablo Catoggio und Pater Heinrich Walter in ihren Worten aufgreifen.[3]

Zuneigung ist der zentrale Begriff, unter dem Pater Heinrich Walter den Verstorbenen zeichnet; Zuneigung und Wertschätzung als zentrale Vorgänge, aus denen Einheit entstehen kann, ein Vorgang, der gemeinschaftsintern in der Zuneigung zwischen den Kulturen und im Miteinander für Europa zum Tragen gekommen sei.

Pater Juan Pablo Catoggio dankt Pater Marmann im Namen der Gemeinschaft und Schönstatts. Er habe viele apostolische Wege geöffnet. „Der liebe Gott hat dir eine  – wie Papst Franziskus von sich sagt – ‚santa inconsiencia‘, eine ‚heilige Leichtfertigkeit‘ geschenkt, aber auch einen vertrauensvollen Wagemut. So hast du wichtige und zukunftsträchtige Entscheidungen getroffen.“ Da nennt er exemplarisch die Dezentralisierung der Gemeinschaft, die Gründung in Nigeria und Italien.

Severin Schmid ist zusammen mit zwei weiteren Vertretern der Fokolar-Bewegung aus Rom gekommen. „Mit Pater Marmann verliert die … apostolische Schönstatt-Bewegung eine zentrale Figur – und die Fokolar-Bewegung einen kostbaren Freund und Weggefährten“, heißt es auf der Webseite der Fokolar-Bewegung in Deutschland.  Schmid zitiert das Kondolenzschreiben von Maria Voce, der Präsidentin der Fokolar-Bewegung, die an die wichtigen Etappen des Weges des ökumenischen „Miteinander“ der geistlichen Bewegung erinnert, die sie „kirchengeschichtliche Ereignisse“ nennt. „Das Bündnis der gegenseitigen Liebe geht über den Tod  hinaus“, so Severin Schmid.

Brücke, Pionier, Einheit: drei Begriffe, mit denen Gerhard Pross (CVJM) Pater Michael Marmann beschreibt, mit dem er „in Freundschaft verbunden und durch den er Bündniskultur erlebt habe“.

Für die Familien in Österreich, die Pater Marmann eine Zeitlang begleitet hat, dankt Ehepaar Mucha, und Pater Otto Amberger spricht über die Zeit, als P. Marmann Anfang der siebziger Jahre die Regensburger Schönstätter anregte, Initiative zu ergreifen und eine Bewegung zu gründen.

Die beiden vom Team schoenstatt.org, die an der Beisetzung teilnehmen, fügen hier das Wort an, das P. Marmann einem von ihnen als Widmung in das nun schon häufig zitierte Buch geschrieben hat: „Im Bemühen um die Öffnung Schönstatts für die Welt von heute vereint.“

Stürmische Zeiten

Auf Berg Sion angekommen, denkt man dann unwillkürlich an die Zeile aus der Schönstatt-Hymne: „Du bleibst in den Stürmen stehn…“, als der immer heftiger werdende Sturm die Trauergemeinde fast von den Füßen bläst  und die Worte von Diakon Felix Geyer ebenso wie Lesungen und Gesänge verweht.

Das Schönstatt, das Pater Michael Marmann lange Zeit und in verschiedenen Aufgaben begleitet und geleitet hat, ist durch manche Stürme hindurchgegangen und geht es auch jetzt, und nicht nur, weil Amts-, Gewissens- und sexueller Missbrauch vor den Toren Schönstatts nicht Halt gemacht haben. Im Sturm da oben auf Berg Sion kommt in den Sinn, was eine mutige Jugend aus Chile in ihrem Brief aufgezeigt hat; wie die Sorge um den Erhalt von Häusern am Ort Schönstatt so viele Kräfte bindet, die für Innovation und Weltgestaltung gebraucht würden; wie immer wieder  Profilierung des Eigenen nur durch Hinterfragung von dem, was andere bauen, zu gehen scheint.

Und da gehen ein paar Gebete mit, während der Sarg zum Grab getragen wird und ein Hauch von Ostern durch den Sturm weht, weil wir  „die Gottesmutter gernhaben“.

Mit Maria zu Jesus gelangen (Zeugnis von P. Michael Joh. Marmann, PDF)

[1] Zitiert in „Streiflichter auf Spuren des Lebens“, Festschrift zum 80. Geburtstag von P. Michael Joh. Marmann, München 2017, S. 39
[2] Was mir Maria bedeutet – Mit Maria zu Jesus gelangen, veröffentlicht in:  Friedrich Aschoff, Franziskus Joest, Michael Marmann (Hg.), Zuneigung. Christliche Perspektiven für Europa, Präsenz Kunst und Buch, 2007, zitiert in „Streiflichter auf Spuren des Lebens“, Festschrift zum 80. Geburtstag von P. Michael Joh. Marmann, München 2017, S. 18-21
[3] „Streiflichter auf Spuren des Lebens“, Festschrift zum 80. Geburtstag von P. Michael Joh. Marmann, München 2017, S. 12 – 14.

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