Veröffentlicht am 14. Januar 2018 In Leben im Bündnis

„Diakonisch gesinnt leben“

DEUTSCHLAND,  Maria Fischer mit Material der Pressestelle des Bistums Würzburg •

Wenn man im weltweiten Schönstatt von „Diakon“ spricht, denken viele zunächst an junge Männer, die demnächst als Schönstatt-Patres zu Priestern geweiht werden und während ihres Diakonates in Pfarreien mitarbeiten. Und manche denken an einen verheirateten ständigen Diakon: Diakon Joao Luiz Pozzobon aus Santa Maria, Brasilien, den Initiator der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter, dem missionarischen Gesicht Schönstatts, der von Pater Kentenich so lange erhofften großen Volksbewegung um die Heiligtümer Schönstatts und von diesen aus an die Ränder von Kirche und Gesellschaft – oder, wie es Pozzobon schlicht sagte: Vom Heiligtum zu den Armen. Im Dezember 1972 ist er zum Diakon geweiht worden. Im gleichen Jahr 1972 begann auf der anderen Seite des Atlantik, in Deutschland, ein Suchen: das Ständige Diakonat ist eine noch recht neue kirchliche Realität, einige Schönstätter haben sich dafür entschieden – und nun? Nun gibt es die Schönstätter Diakonengemeinschaft schon seit 40 Jahren als eigene Gliederung in der Schönstatt-Bewegung. Am eigentlichen Gründungstag, dem 29. Dezember, wurde dieses Ereignis im kleinen Kreis begangen, am 4. Januar 2018 dann am Gründungsort, dem Schönstattzentrum in Würzburg, mit etwa 30 Teilnehmern und Gästen.

Wie war das mit der Gründung?

„Es ging um eine diakonische Grundhaltung, den anderen so anzunehmen, wie er oder sie ist.“
„Es ging um eine diakonische Grundhaltung, den anderen so anzunehmen, wie er oder sie ist.“ So hat Diakon Bernhard Brantzen, Sprecher der Schönstätter Diakonen-Gemeinschaft (SDG), in seinem Festvortrag zum 40. Jubiläum der SDG in Würzburg die Gründungsmentalität beschrieben.

Pater Rudolf Ammann, der erster Geistlicher Begleiter der SDG war, brachte in einem Grußwort seine Freude zum Ausdruck, die ersten Schritte der SDG miterlebt zu haben: „Gemeinsam haben wir nach Möglichkeiten gefahndet, den durch Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils neu zum Leben erweckten Diakonat biblisch, theologisch und schönstättisch zu verorten.“ Auch Weihbischof Michael Gerber, Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für den Ständigen Diakonat, sowie Diakon Achim Jaskulski, Vorsitzender der AG Ständiger Diakonat, übermittelten im Voraus Grußworte an die Gemeinschaft.

Pater Josef Kentenich, Gründer der Schönstattbewegung, hatte schon 1967 gesagt: „Wenn es den Ständigen Diakonat in der Kirche gibt, gibt es ihn auch in Schönstatt.“ Dieses Vermächtnis Pater Kentenichs hätten die Gründungsmitglieder der SDG erfüllt, so Diakon Michael Ickstadt (Mainz) und Diakon Bernhard Lippold (Erfurt).

Der soziale Heilige

Diakon Brantzen ordnete kirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen als Aufgabe und Herausforderung ein, erläuterte die spirituelle Prägung der Gemeinschaft und gab einen Ausblick: Projekte wie die Kampagne der Pilgernden Gottesmutter, „Miteinander für Europa“ oder die Nutzung digitaler Möglichkeiten entsprächen dem offenen und weiten Lebensgefühl der Menschen heute. Da liegt ein Kernanliegen von Bernhard Brantzen. Anfangs war die Gemeinschaft noch mehr auf den innerkirchlichen Dienst der Diakone konzentriert, sagt er. Erst in den letzten Jahren habe sich der Blick geweitet auf die diakonische Aufgabe für die Menschen, für die Bedürftigen an Leib und Seele. Ein Meilenstein ist da die Elisabethwallfahrt im Jahr 2007, von der Schönstätter Diakonengemeinschaft aus Anlass des 800. Geburtstags der heiligen Elisabeth initiiert. Unter dem Motto „…die Liebe drängt uns – mit Elisabeth auf dem Weg zu den Ausgegrenzten“ pilgerten über 300 Personen teils unter strömendem Regen von der Creuzburg zur Wartburg in Eisenach. Schirmherr war der Erfurter Bischof Joachim Wanke. Die Schönstätter Diakone sehen sich besonders der caritativ-diakonischen Aufgabe für die Armen und Ausgegrenzten in unserer Gesellschaft, aber auch in der Kirche verpflichtet. Elisabeth, die sich als Landesfürstin aus ihrem Reichtum auf den Weg zu den Armen gemacht hat, ist ihnen dabei besonderes Vorbild. In ihrer Sendung unterstützt werden sie auch durch ein Wort des Gründers des internationalen Schönstattwerkes, Pater Josef Kentenich: Gerade als katholische Christen sollen sie sich den Arbeitern und Armen zuwenden und ihnen einen Weg zur Erfahrung der Liebe Gottes ermöglichen. Pater Kentenichs Botschaft der industriepädagogischen Tagung aus dem Jahr 1930 brennt Bernhard Brantzen im Herzen.

„Wussten Sie, dass Carlos Ferré in Argentinien vor Jahren ein Buch veröffentlicht hat unter dem Titel ‚Der soziale Heilige‘, wo er diese Tagung und viele andere Aussagen Pater Kentenichs im Zusammenhang der Christlichen Gesellschaftslehre verarbeitet?“, frage ich ihn im Telefoninterview. In der Schule eines Pater Horacio Sosa arbeitet Carlos Barrio y Lipperheide aus der Perspektive einer neuen Kultur der Arbeit und des Unternehmertums am gleichen Thema. Bernhard Brantzen ist hoch interessiert.

Vierzig Jahre auf dem Weg und in Bewegung

Im Nachmittagsprogramm erzählten Zeitzeugen in Talkrunden von der Geschichte und Entwicklung der Schönstätter Diakonen-Gemeinschaft. Diakon Eugen Ennemoser erinnerte sich in der ersten Talkrunde an die Gründungsjahre in den 1970ern zurück. „Der neue Name für ‚Seelsorge‘ und ‚Apostolat‘ ist: Ins‑Gespräch‑kommen über Persönliches und Religiöses“, beschrieb Pater Dr. Herbert King, Geistlicher Begleiter der SDG, den Schwerpunkt aktueller Projekte. In der letzten Talkrunde fasste Bewegungsleiter Pater Ludwig Güthlein zusammen, warum Ehe- und Diakonatsleben sich gut ergänzten: „Ehepaare als Träger von apostolischer Bewegung und Glaubensleben sind ganz wichtig. Wir sind eine Gemeinschaft von Gemeinschaften und zeigen so das Miteinander der verschiedenen Berufungswege.“

Bei der anschließenden Eucharistiefeier betonte Diakon Bernhard Schuler in seiner Predigt den Grundgedanken der SDG: „Vor 40 Jahren haben sich Diakone mit ihren Ehefrauen und Kindern auf den Weg gemacht, um in Gemeinschaft der Schönstatt-Bewegung, miteinander und füreinander diakonisch gesinnt zu leben und dem Leben zu dienen.“

Und nun?

Vierzig Jahre Schönstätter Diakonengemeinschaft ist ein Wegpunkt – aber keine Ruhestätte. Die Öffnung in die Gesellschaft, die soziale Frage, die diakonische Haltung und Handlung: Man hat den Eindruck, es geht eigentlich gerade erst richtig los. Bernhard Brantzen möchte Kontakte knüpfen, auch über Deutschland und Europa hinweg. In Südamerika gibt es ein anfanghaftes Suchen von Ständigen Diakonen nach ihrem Ort in der Bewegung. Und es gibt einen Schönstätter Ständigen Diakon auf dem Weg zur Seligsprechung – auch wenn er nicht zur Diakonengemeinschaft gehört hat, sondern zum Schönstatt-Männerbund. Doch den Weg heraus zu den Menschen, den ist er gegangen, in diakonischer Gesinnung.

 

Internetseite der Schönstätter Diakonengemeinschaft

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