Veröffentlicht am 20. Dezember 2009 In Leben im Bündnis

Lernen helfen

DequeniPARAGUAY, Clarisa Galeano. Seit Anfang Oktober bereits läuft die Schultütenaktion 2010 von Dequeni in Paraguay. Letztes Jahr konnten durch die Hilfe von Wohltätern aus Paraguay und dem Ausland 2461 „Schultüten“ – Stipendien für je ein Schuljahr – an Kinder aus ärmsten Familien ausgegeben werden. Die Anfang des Schuljahres (März) ausgegebenen Schultüten sind eine entscheidende Hilfe dafür, das jedes Kind einen guten Start ins Schuljahr hat; die damit verbundenen außerschulische Begleitung sichert bei über 98% der Kinder die Versetzung in die nächste Klasse. Aus dem deutschsprachigen Raum kamen bisher 3000 Euro zusammen, davon allein von der Schweizer Krankenliga 1850 €. Das sind fast 70 Kinder… Kinder wie Ángel Antonio, María Magdalena und Ángel Arturo, drei Geschwister, die das Schuljahr 2009 durch „Schultüten“ von Dequeni erfolgreich abgeschlossen haben.


Für viele in Paraguay ist es selbstverständlich, dass ein Kind Ende Februar nach den langen Sommerferien zur Schule geht. Aber für die Familien aus den vielen bitterarmen Gemeinden bedeutet der Schuljahresbeginn eine riesige Herausforderung – einmal, weil die Eltern selbst meist keinen Schulabschluss haben und es fast unausweichlich erscheint, dass sich ihre Geschichte bei ihren Kindern wiederholt. Sie haben die Schule abgebrochen, weil sie von frühester Kindheit an, oft schon mit fünf oder sechs Jahren, arbeiten mussten.

Deine Hilfe - mehr als du dir vorstellen kannst

Der Schuljahresbeginn bedeutet auch eine Herausforderung, da – auch wenn die kostenfreie Schulbildung zwar verfassungsrechtlich verankert ist – der Kauf von Schulsachen, Schuluniform und Schuhen ihre finanziellen Möglichkeiten sprengt, zumal das Schuljahr zu einer Jahreszeit beginnt, in der die lokale Wirtschaft ihre schwächsten Monate hat. Die meisten Eltern, deren Kinder von den Programmen von Dequeni unterstützt werden, leben, da sie keinen Schulabschluss und keine Berufsausbildung haben, vom Straßenverkauf selbstangebauten Gemüses, von Reinigungsjobs und Hilfsarbeiten auf dem Bau, was nicht nur ein sehr geringes, sondern auch ungesichertes Einkommen bedeutet.

Osvaldo und Mabel EsquivelOsvaldo und Mabel Esquivale, die Eltern der drei Geschwister, bauen Gemüse an; sie leben in einer Hütte umgeben von Gemüsefeldern in einer ländlichen Gegend im Bezirk J. Augusto Saldívar.

Ángel Antonio, der Älsteste, ist 11 Jahre alt und geht wie seine kleinen Geschwister in die San Rafael-Schule (Kilometer 26 an der R1), etwa zwei Kilometer von seinem Zuhause entfernt. Er geht ins fünfte Schuljahr; sein Lehrer, Victor Silva, hat 27 Schüler; er ist sein 15 Jahren im Beruf. Für ihn bedeuten die Stipendien eine große Hilfe für seine Schüler. „Ich weiß ja, wer von den Kindern durch Dequeni gefördert wird, da ich regelmäßig die Berichte für die Stiftung machen muss. Ich kann sagen, dass diese Kinder sich im Unterricht mehr anstrengen und vor allem besser auf ihre Schulsachen achten. Diese Hilfe ist unheimlich wichtig für sie. Ángel ist ein sehr ruhiges Kind, sehr freundlich und er hat ein großes Zeichentalent.“

Wer von Dequeni unterstützt wird, bricht nicht so leicht die Schule ab

Magdalena mit MitschülerinnenAntolina Franco ist die Lehrerin der kleinen María Magdalena oder „Chapi“, wie sie gerufen wird; sie geht ins dritte Schuljahr zusammen mit 35 quicklebendigen Kindern ihres Alters. „Chapi ist etwas schwach in Lesen, Diktat und Rechnen, ich habe die Leute von Dequeni gebeten, sie mit Nachhilfe gut zu unterstützen. Ihre Mutter arbeitet den ganzen Tag und in der Schule ist sie nur vier Stunden. Es sind viele Kinder in der Klasse und da ist es leider schwer, jedes einzelne ganz intensiv zu betreuen.“ Chapi geht jetzt jeden Dienstag und Donnerstag nachmittags ins Gemeindezentrum von Dequeni.

Ángel Antonio mit seiner LehrerinVor vier Jahren hat dieses Gemeindezentrum in Barrio 3 de Febrero, einem Stadtteil von J.A. Saldívar, seine Arbeit aufgenommen. Hier werden zur Zeit 219 Kinder durch Dequeni gefördert. Nidia Estigarribia ist die Vorsitzende des Teams von 12 Müttern, die sich hier ehrenamtlich für die Familien der Gegend einsetzen. „Hier leben bitterarme Familien mit vielen Kindern; früher kamen sie, wenn überhaupt, mit zwei oder drei Heften, barfuß und mit verwaschenen Sachen zur Schule… Sie haben sich geschämt. Heute sind sie froher, sie haben eine schöne Schuluniform, ordentliche Schulsachen, Unterstützung bei den Hausaufgaben – und da schwänzt man nicht so leicht die Schule oder bricht sie ganz ab!“

Der JüngsteDie Eltern der Kinder werden angeleitet, die Schule der Kinder hin und wieder zu besuchen und sich über ihre schulischen Leistungen informieren. „Das machen die Eltern auch ganz gerne, und so sind wir im Kontakt mit ihnen und wissen, wie es zu Hause geht“, sagt Nidia. Die Eltern sorgen auch für das Mittagessen im Zentrum; drei Mütter und Väter teilen sich die Aufgabe, im Zentrum das Essen zuzubereiten.

Atempause für die Eltern

Während die Kinder in der Schule sind, arbeiten Osvaldo und Mabel Esquivel hart auf dem Feld: Salat, Zwiebeln, Petersilie, Mangold und alle möglichen Kräuter werden an die Supermärkte in der Hauptstadt verkauft. Sie stehen auf, wenn es gerade hell wird, und kommen spätabends erst nach Hause. Es reicht trotzdem kaum für den Lebensunterhalt. Für sie bedeutet es sehr viel, dass Dequeni den Schulbesuch der Kinder finanziert: „Ich glaube, ohne diese Unterstützung könnten wir sie nicht auf der Schule lassen.“ Mabel kommt regelmäßig zu den Treffen im Zentrum. Ein Jahr lang ist sie jedes Mal gekommen, in der Erwartung, dass ihre Kinder dabei sein würden, wenn die Stipendien zugeteilt würden.

Die Monate Februar und März, wenn das Schuljahr wieder anfängt, sind die härtesten für Familie Esquivel: „Unsere Produkte werden zu niedrigsten Preisen verkauft, wir müssen Kredite aufnehmen, um Saatgut und Dünger zu kaufen. Dann reicht es kaum noch für die Zinsen und das Essen.“ Die Stipendien geben den Eltern eine Atempause im ständigen Kampf um das tägliche Brot. „Unser Ältester kommt jetzt in die siebte Klasse, und wir machen uns jetzt Gedanken, wie wir es schaffen könnten, dass er danach noch weiter lernen kann…“

Mabel hat nach der sechsten Klasse die Schule abgebrochen, Osvaldo kam bis zum dritten Schuljahr; beide haben keinen Schulabschluss. Von klein auf haben sie den Eltern auf dem Feld geholfen. „Seit ich acht war, habe ich jeden Tag gearbeitet“, sagt Mabel. Beide kommen aus dieser Gegend und ihre Familien leben schon immer vom Gemüseanbau.

„Unsere Kinder wollen das nicht. Unser Ältester sagt: Wir wollen jetzt nicht arbeiten, wir wollen lernen, damit wir und unsere Kinder nicht so leiden müssen wie ihr. Er ist noch ein Kind, er ist erst 11, aber er weiß, wenn er zur Schule geht, hat er später ganz andere Chancen.“

Dequení: Eine Geschichte der Hoffnung

Dankbriefe an WohltäterDie Stipendien machen es möglich, dass ein Kind zur Schule geht, das anders vielleicht die Schule abbrechen oder gar nicht beginnen würde. Dequeni bedeutet: Jahr um Jahr wird eine Familiengeschichte von Not, Mangel und fehlenden Chancen umgeschrieben in eine Geschichte der Hoffnung für die nächsten Generationen. Und das alles für 45 Euro im Jahr.

Dequeni entstand am 4. Mai 1985 in einer Gruppe Jugendlicher der Schönstatt-Bewegung in Paraguay; am Anfang ging es darum, Kindern, die auf der sogenannten „Letzten Straße“ in Fernando de la Mora auf der Straße Bonbons, Zeitungen und Kräuter verkauften, zu helfen. Die Jugendlichen organsierten Katechismusstunden und Nachmittagskaffee in den Räumen der Kapelle der Mutter Gottes von der Wundertätigen Medaille. Beim ersten Mal erschienen 33 kleine Starßenverkäufer. Aus Liebe zu Maria, aus jugendlicher Solidarität und Einsatzfreude entstand ein Dienst an den Ärmsten und Schwächsten, der heute zu den bedeutendsten Sozialwerken Paraguays gehört. Und wie am Anfang steht im Mittelpunkt das einzelne Kind.

{cms_selflink page=“dequeni“ text=“Mehr über Dequeni und Spendenmöglichkeiten„}

www.dequeni.org.py