Veröffentlicht am 2014-11-19 In Leben im Bündnis

Das Tschechien-Zimmer in Rom oder: Wenn eine ganze Schönstatt-Bewegung für Belmonte glüht …

ROM, mda. Australien, Schweiz, Deutschland, Tschechien: wenn es die Fußball-WM wäre, wären diese vier im Halbfinale. Oder bei Olympia auf dem Treppchen, mit Medaille und „Siegerehrung“. Dicht gefolgt von den Philippinen, Burundi und Mexiko, das restliche Feld weit abgeschlagen… Australien, Schweiz, Deutschland und Tschechien: diese vier Länder haben ihr Zimmer im Internationalen Schönstattzentrum in Rom, Belmonte, bereits voll finanziert. Australien und Tschechien sind bereits dabei, die Gestaltung mit landestypischem Kreuz, Bild der Gottesmutter von Schönstatt und einem weiteren Symbol zu überlegen. Für die Pilger aus Tschechien, die am Samstag nach den Jubiläums-Audienz bei Papst Franziskus nach Belmonte kamen, gab es nur einen einzigen Wermutstropfen: dass sie „ihr“ Zimmer nicht besuchen konnten. Und wer ihre Geschichte hört, versteht auch, warum.

Das Gäste- und Begegnungszentrum DOMUS PATER KENTENICH verfügt über 31 Gästezimmer. Diese Zimmer tragen den Namen der Länder, in denen es im Jubiläumsjahr 2014 ein Heiligtum gibt. Bei der Einweihung von „unser aller Heiligtum“ im September 2004 wurde der Reichtum der Völker in unzähligen originellen Krügen zum Heiligtum getragen. Zehn Jahre später sind jetzt die Länder eingeladen, in „ihrem“ Zimmer im Haus des Vaters etwas von ihrem Reichtum sichtbar werden zu lassen. Wer einmal in einem dieser Zimmer wohnt, „wohnt“ auch im Herzen und im Leben eines Landes mit seiner ganz originellen Mission und Kultur. Belmonte soll das Geschenk aller Länder sein, ein Haus aller Völker und Kulturen im Liebesbündnis. Wo jeder sein darf, wie er ist, und alle unter einem Dach wohnen und miteinander, beieinander, ineinander zu Hause sind. „Bei unserem Einsatz für die Pilger auf Belmonte im Oktober haben wir etwas davon erlebt und können uns jetzt vorstellen, wie Belmonte einmal sein soll“, so Norbert Jehle, Deutschland, am letzten Sonntag. Wer im Zimmer Paraguays wohnt, soll einmal etwas spüren und erfahren von der Freude, Nation Gottes im Herzen Amerikas zu bauen und die Vision der Jesuiten-Missionen heute umzusetzen. Darum haben Jugendliche aus Paraguay die ersten 150 Euro für ihr Zimmer gespendet. Wer im Burundi-Zimmer wohnt, wird hineingenommen in die Gnade einer jungen, wachsenden Bewegung, die ihren Beitrag zum Friedensprozess im Land leistet. Und wer im Tschechischen Zimmer Gast sein darf, berührt die Geschichte eines Landes, in dem die Saaten Schönstatts schon sehr früh ausgestreut wurden und eine der härtesten Christenverfolgungen der Neuesten Zeit überlebt haben … und erfährt etwas von einem Geschenk an Pater Kentenich, das er nicht mehr weiterverschenken konnte.

Das ist unser Zimmer

An einem ruhigen Tag in der Woche nach den Jubiläumsfeiern geht Pfarrer Frantisek Jirazek aus Tschechien, der für einige Monate in Belmonte wirkt, mit der Autorin in den vorher für die Pilger gesperrten Bereich des Hauses und zeigt ihr das Tschechische Zimmer. Direkt daneben sind die Säulen 202 und 203, der tschechischen Diözesanpriester und der Schönstatt-Bewegung in Tschechien. Im Zimmer selbst haben es sich die Bauarbeiter gemütlich gemacht mit einem Tisch, Stühlen und Getränkeflaschen. „Hier werden sich alle wohlfühlen“, so Pfr. Frantisek. Er zeigt auf den Türsturz, auf dem man noch die vielen Unterschriften und die Bilder sehen kann, die Kinder gemalt haben. Das Tschechische Zimmer auf Belmonte, längst bezahlt, ist nicht nur die Idee von ein paar Diözesanpriestern, ist überhaupt keine Idee, sondern Leben. Da glüht eine ganze Bewegung für unser aller Heiligtum in Rom und für das internationale Schönstattzentrum im Herzen der Kirche, und da entsteht dann wie von selbst Kreativität und Engagement. Und Begeisterung, die ansteckt, während Pfarrer Frantisek in diesem Zimmer die Geschichte Schönstatts in Tschechien, die Geschichte der Verbundenheit mit Rom und Belmonte erzählt und warum das „Prager Jesulein“ irgendwie in diesem Zimmer sein muss.

Eine Geschichte voller Dramatik

Die Geschichte Schönstatts in Tschechien geht weit zurück bis in die Gründungszeit. Im Herbst 1921 entstand die erste Gruppe des Aposto­lischen Bundes außerhalb Deutschlands in Prag; an Allerheiligen 1921 gründete A. Groß, der für ein Jahr in Prag studierte,  dort unter den Priesteramtskandidaten eine Gruppe, wie es in der Zeitschrift MTA heißt (Jg. 1922, S. 28-29). Anfang der dreißiger Jahre war es dann P. Ferdinand Kastner SAC, der von Schlesien aus Kontakte mit Studenten in Königgrätz (Hradec Králové) knüpfte. Petr Stepanek schloss 1934 in Schönstatt das Liebesbündnis. Die Studenten und jungen Priester trafen sich regelmäßig und begannen im Jahr 1939 nach einem Ort zu suchen, einem Heiligtum, wo die Gottesmutter ebenso wirken würde wie in Schönstatt. Weil einer von ihnen in der Nähe als Kaplan wirkte, entschieden sie sich für eine kleine Kapelle in Rokole, ihrem heimlichen Heiligtum, das durch Krieg und kommunistische Verfolgung hindurch Gnadenmitte der tschechischen Schönstatt-Bewegung war. „Es ist kein originalgetreues Heiligtum und hat auch keinen Originalaltar, diese Strömung kam ja erst später; aber für uns ist es unser Urheiligtum in Tschechien“, so Pfr. Frantisek. Generationen von Schönstättern sind im Schatten dieses Heiligtums gewachsen, in dem das traditionelle Wallfahrtsbild blieb und ein kleines verstecktes MTA-Bild die sichtbare Verbindung zum Urheiligtum darstellte. Kurz nachdem die ersten Marienschwestern, die in der Schweiz ausgebildet wurden, 1947 von Pater Kentenich nach Tschechien gesandt wurden, erfolgte die kommunistische Machtübernahme und für Schönstatt eine schwere Zeit der Verfolgung, in der so gut wie keine Kontakte nach außen möglich waren. Erst nach der „sanften Revolution“ im Jahr 1989 ergaben sich festere Verbindungen. Im Jahr 1997 wurde dann das erste originalgetreue Heiligtum in Tschechien eingeweiht. Doch noch vor der Revolution fuhr eine Gruppe von Schönstättern nach Rom …

„Das ist das Grundstück, wo einmal ein Heiligtum stehen wird, und wir wollen Teil dieser Geschichte sein“

Es war am 12. November 1989, wenige Tage vor dem Ausbruch der Samtenen Revolution. Papst Johannes Paul II. sprach Agnes von Böhmen in feierlicher Zeremonie und unter Anwesenheit von tausenden tschechischen und slowakischen Pilgern heilig. Das Unfassbare der Möglichkeit, zu dieser Heiligsprechung nach Rom zu fahren, klingt noch immer in den Berichten der tschechischen Schönstätter mit. Und diese kleine Gruppe pilgerte in diesen Tagen auch nach Belmonte. Ein Grundstück am Rande von Rom, ein Bildstock und Wildnis. Aber: „Das ist das Grundstück, wo einmal ein Heiligtum stehen wird, und wir wollen Teil dieser Geschichte sein“. Dieser Besuch ist Anfang einer Verbundenheit, die bleibt. „Es ist unser Geschenk an Pater und an die Kirche, und es ist nicht bezahlt“, erklärt Pfarrer Frantisek, wie er immer neu zum Einsatz motiviert. „Mein Herz brennt dafür!“. Und nicht nur seines. Viele kamen zur Einweihung, und fast jedes Jahr sind Pilger aus Tschechien in Belmonte. Als der Bau des Domus Pater Kentenich begann und man wusste, welches das tschechische Zimmer werden würde, begann der Einsatz für die finanzielle Erarbeitung – und dafür, dass die Menschen, die in diesem Zimmer wohnen, hineintauchen können in den Strom der originellen tschechischen Bündnis- und Gnadengeschichte. Und dazu gehört das Prager Jesulein.

Das Prager Jesulein

Das Prager Jesulein oder Prager Jesuskind ist weltweit eines der bekanntesten wundertätigen Gnadenbilder Jesu. Es befindet sich in der Kirche Maria vom Siege (Kostel Panny Marie Vítězné) im Karmelitenkloster in Prag. Die Statue ist eine etwa 45 cm große Wachsfigur aus der Renaissance und stellt das Jesuskind im Alter von etwa drei Jahren dar. Sie ist das Werk eines unbekannten Künstlers aus dem 16. Jahrhundert und stammt aus Spanien, und bildet einen zentralen Teil der tschechischen nationalen und katholischen Identität. Die Verbindung mit Rom kommt aus der Geschichte, die Verbindung mit Schönstatt ahnt vielleicht nur der, der schon einmal im Zimmer Pater Kentenichs im Schulungsheim in Schönstatt die Statue des Prager Jesulein gesehen hat. Es ist eines der letzten Geschenke, die Pater Kentenich erhalten hat – am 21. August 1968, von Marienschwestern aus Tschechien. „Er hatte keine Chance mehr, es zu verschenken“, sagt Pfarrer Frantisek. Immer wieder einmal haben tschechische Pilger ein „Prager Jesulein“ nach Rom gebracht. Jetzt soll es – „in irgendeiner Weise an der Wand angebracht, da fällt mir schon etwas ein“ – ins „tschechische Zimmer“ auf Belmonte kommen. Weil Pater Kentenich „sein“ Jesulein nicht mehr verschenken konnte, schenkt es die tschechische Schönstattfamilie ihm und seiner Familie und allen, die einmal auf Belmonte sein werden, noch einmal und für immer.

Und es wird ein wenig schwer, sich zu entscheiden, ob man in Zukunft im Australien-Zimmer mit dem wunderschönen Aborigine-Kreuz oder im Tschechischen Zimmer mit dieser Geschichte und dem Prager Jesulein wohnen möchte …

Und vielleicht wird es in Zukunft noch schwieriger, wenn die anderen Länder kommen… und es wird gut tun, sich einfach überraschen zu lassen, weil der Heilige Geist wohl weiß, welche Gnaden aus welchem Land man gerade braucht.

Informationen zu den „Länderzimmern“ hier.

Infobroschüre bestellen: [email protected]

Webseite von Belmonte: www.roma-belmonte.info

1 Responses

  1. Bozetech Hurt sagt:

    Als wir damals bei diesem Besuch fuer das Centrum Belmonte gebetet haben, habe ich nicht geahnt, dass ich einmal hier nach 21 Jahren mit meiner Familie als Kustodenfamilie dienen werde … Doch, fuer Gott ist nichts unmöglich.

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