La verdad nos hace libres

Veröffentlicht am 2020-11-23 In Kentenich, Themen - Meinungen

Die Wahrheit wird uns frei machen

Paz Leiva, España •

Nietzsche sagt einmal: „Verschwiegene Wahrheiten werden giftig.“ Will heißen: Dinge, die in der Luft liegen, oder Wahrheiten, die früher oder später doch in die Öffentlichkeit hineindringen, die man allenthalben ahnt, wenn man sie auch nicht recht glauben kann, werden früher oder später zu giftigen Pfeilen, die verwunden und töten können. Es ist darum ratsam, sie rechtzeitig auszudrücken und zur Diskussion zu stellen.—

Das sage nicht ich, das sagt Pater Kentenich in der Apologia pro vita mea im Jahr 1960. Vor einiger Zeit las ich ein Werk von Henrik Ibsen mit dem Titel „Ein Volksfeind“. Am Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben, erzählt es die Geschichte von Thomas Stockmann, der entdeckt, dass das Wasser des Kurortes verunreinigt ist und die Wahrheit sagen will, auch wenn die Wahrheit dem Geschäft schadet. Er stößt auf Schwierigkeiten und Widerstand und wird schließlich zum „Volksfeind“ erklärt.

Seit Wochen denke ich an dieses Werk, das lange in irgendeinem Winkel meines Gehirns vergessen war.

Denn seit Wochen werden mein Mann und ich angegriffen, weil wir unsere Meinung zu der von Frau von Teuffenbach in diesem Sommer aufgeworfenen Angelegenheit geäußert haben. Wir erhielten alle Arten von Kritik, direkte und indirekte, und einige Aufforderungen, den Mund zu halten. Wir fühlen uns also als „Volksfeinde“, nur weil wir die Wahrheit wissen wollen.

Das Letzte, was heute passiert ist, ist, dass ein Artikel, um den ich Tage zuvor ausdrücklich gebeten wurde, zensiert und abgelehnt wurde. Die Zeitschrift Tiempos+ Nuevos (spanische Schönstatt-Bewegung) kontaktierte mich, um mir mitzuteilen, dass der Artikel nicht veröffentlicht wird, weil er zu Spaltungen führen würde.

Ich belasse die Kritik an dem Artikel in der Meinung des Lesers, eine Meinung, die nach 50 Jahren in Schönstatt nichts anderes ist und auch nicht vorgabzu sein, als eine Meinung aus meiner persönlichen Erfahrung heraus.

Einige betrachten uns bereits als „Volksfeinde“.

Ich hoffe nur, dass wir nicht enden wie Stockmann in dem Werk von Ibsen.

La verdad nos hace libres

„Die Kultur der Begegnung ermöglicht es vielen Stimmen, an einem Tisch zu sitzen, um aus einer facettenreichen Perspektive heraus die verschiedenen Dimensionen und Antworten auf globale Probleme, die unsere Völker und Demokratien betreffen, zu erörtern, nachzudenken, zu diskutieren und zu gestalten“ Papst Franziskus, 21.11.2020.

 

<strong>DIE WAHRHEIT WIRD UNS FREI MACHEN</strong>

Es kommen Dinge ans Licht, die 70 Jahre lang verborgen waren und verborgen geblieben wären, wenn Frau Dr. von Teuffenbach nicht in den Archiven des Vatikans recherchiert hätte.

Was veröffentlicht worden ist, einschließlich des Buches, das ich gerade gelesen habe, ist nicht angenehm. Es verursacht mir immense Schmerzen, die ich als Teil des Lebens annehme. Im Betrug zu leben macht uns zu Sklaven der Lüge.

Wir müssen unseren Gründer so akzeptieren, wie er war, und nicht, wie man uns manchmal gesagt hat, wie er war. Nachdem man ihn „zu Lebzeiten heiliggesprochen“ hat, musaste und wollte man sein Image bewahren, auch wenn man dabei die Realität verbergen musste. Jetzt sehen wir, wie der Heiligsprechungsprozess gestoppt, verzögert oder endgültig annulliert werden kann.

Es dauerte eine Weile, bis ich meine persönliche Verbundenheit mit Pater Kentenich fand, denn das Bild, das „verkauft“ wurde, erschien mir unwirklich. Er ist der Gründer einer Bewegung, die der Motor meines Lebens gewesen ist. Ich habe ihn mit einer reifen Liebe lieben gelernt, einer Liebe, die den Vater so akzeptiert, wie er ist. Es ist weder eine kindische Liebe, die ihn von Geburt an heiligspricht, noch eine pubertäre Liebe der Rebellion um der Rebellion willen.

Deshalb bin ich traurig über das, was veröffentlicht wurde und noch veröffentlicht werden wird. Doch ich will es wissen, ich will Transparenz. Wenn das, was in  Dr. von Teuffenbachs Buch ausgedrückt wird, wahr ist, wie war es dann nicht möglich, missbrauchte Frauen zu unterstützen? Wie begann ein Heiligsprechungsprozess für einen zu solchen Taten fähigen Mann? Aber wenn die Aussagen, die in dem Buch erscheinen, falsch projeziert oder das Ergebnis einer Verschwörung sind, wie wurde dann das Schweigen aufrechterhalten? Warum durfte ein Unschuldiger ins Exil geschickt werden?

Nichts kann einem Mann, dem ich heute so viele Fragen stellen müsste, das Gute nehmen. „Lasst die zukünftigen Generationen über uns urteilen.“ Wir sind die zukünftigen Generationen. Um gerecht zu urteilen, müssen wir die Wahrheit entdecken und im Liebesbündnis annehmen.

 

 

Wir wollen lernen, uns unter dem Schutze Mariens selbst zu erziehen zu festen, freien, priesterlichen Persönlichkeiten.“

P. Josef Kentenich, Vorgründungsurkunde, 1912

 

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2 Responses

  1. Ludwig Egbert sagt:

    sehr geehrte frau paz leiva,sie haben meine volle unterstützung,lassen sie sich bitte nicht bremsen in ihrem anliegen der suche nach wahrheit. schönstatt wird sich fragen müssen, warum es solange mitgestrickt hat an einem mythos „kentenich“, warum so viele ihn derart „hochgeschrieben“, „hochgelobt“haben ; ich höre aus kreisen schönstatts, dass man jetzt alles auf den tisch legen wolle , hoffentlich bestätigt sich das; alle interssierten mitmenschen sei die lektüre der auch von ihnen genannten kentenichschen originalquelle „apologia pro vita mea“ dringend empfohlen ( an den damaligen bischof von trier gerichtet; kleines zitat:“ .. ihr hohes alter und verdienstreiches leben gibt ihnen das recht, sich bald die tore der ewigkeit öffnen zu lassen …“ s.d. s.17); auch in „himmelwärts“ gibt es interpretationsbedürftige formulierungen wie : so sind wir über alle welt/ins göttliche hineingestellt/sind mehr in deinen augen wert/als ohne uns die ganze erd` — die werke jeglicher kultur/sind wie ein kleines stäubchen nur/ gemessen an der herrlichkeit/ die deine liebe uns verleiht s.d. werkzeugsmesse, zum credo; hoffentlich findet sich irgendwann eine ausgewiesene fachperson mit hoher psychonanalytischer kompetenz, die posthum eine neuerliche befundung dieser besonderen person peter josef kentenich zur verfügung stellen kann . l.egbert

    • Nur ein kleiner Hinweis, die von Ihnen zitierten Himmelwärtstexte beziehen sich natürlich in keiner Weise auf Kentenich oder auf irgendwelche Schönstätter, nicht mal inklusiv, sondern auf alle Getauften (also auch auf Sie!). In diesen Versen geht es um eine Meditation der Berufung jedes Christen und seine Würde, die wir Christus verdanken (wem sonst?), und – wichtig – jedes Menschen als Ebenbild Gottes. Ist ja auch klar gesagt: Es geht um die Herrlichkeit, die Gottes Liebe uns schenkt (und die wir nicht verdienen oder uns erstrampeln können).
      Manchmal muss man schon etwas genauer hinschauen, bevor man überall Hybris vermutet.
      Tipp: Gebetsschule Himmelwärts von Dr. Peter Wolf.

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