Veröffentlicht am 2020-11-25 In Leben im Bündnis, Schönstätter

Im Gedenken an P. António Ribeiro Lobo

PORTUGAL, MANUEL BARATA •

Die Nachricht vom Heimruf von P. Antônio Lobo zum Ewigen Vater macht mich traurig. Wie viele Erlebnisse im Laufe von 60 Jahren! Seit Wochen hatte ich daran gedacht, ihn anzurufen; doch ich schob es hinaus, immer wieder, bis es nun zu spät ist! –

Ich wurde gebeten, etwas über P. António zu erzählen, vor allem über sein Wirken in Portugal. Leider sind wir nur noch Wenige, die etwas über ihn berichten können. Ich tue es mit großer Freude und bitte ihn, vom Himmel her die Schönstattfamilie in Portugal und in Brasilien, der er mit so viel Liebe diente, zu segnen.

Zum Leben von Pater António Ribeiro Lob

Pater António Ribeiro Lobo wurde am 21. Dezember 1931 in Carvalhosa (Paços de Ferreira) geboren. Er wurde in eine sehr große Familie [1], die in schwierigen Verhältnissen lebte, hineingeboren. Als er noch sehr jung war, kam eines Tages eine Dame aus der Region (Silvia Cardoso [2], die Tante von P. Miguel Lencastre) auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht Priester werden wolle, und  übernahm die Verantwortung für die Finanzierung seines Studiums. Nach der Erlaubnis seiner Eltern ging er nach Évora, wo er Schule und Priesterseminar absolvierte. Er schloss 1957 sein theologisches Studium ab und wurde zum Subdiakon geweiht. Damals war das Subdiakonat sehr wichtig; die Diakonenweihe hatte nicht die Bedeutung, die sie heute hat, und wurde erst kurz vor der Priesterweihe vollzogen.

Wenige Tage vor seiner Priesterweihe, als alles schon vorbereitet war, einschließlich Einladungen und dem damals sehr wichtigen Weihebildchen, erhielt er völlig überraschend und zu seinem Entsetzen die Nachricht, dass er nicht zur Priesterweihe zugelassen worden sei. Er hatte das Gefühl, dass ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Es ist ein gewaltiger Schock! Einerseits träumte er seit seiner Kindheit davon, Priester zu werden, worauf er sich so viele Jahre vorbereitet hatte und nun sollte dieser Traum wie durch Zauberei verschwinden; andererseits, was sollte er tun, nachdem er sich ausschließlich auf das Priestertum vorbereitet hatte? Und zudem mit der Aussicht,  als Subdiakon die Pflicht zu haben, bis an sein Lebensende täglich das Brevier zu beten! Der Schock war so groß, dass er alles aufgeben wollte.

Mehrere Menschen guten Willens versuchten, die Verantwortlichen des Seminars davon abzubringen und die Entscheidung zu revidieren oder den Semiaristen in einer anderen Diözese unterbringen zu lassen, alles ohne Erfolg. Seine Enttäuschung war so groß, dass er mit den Bemühungen der Menschen, die ihm helfen wollten, nicht mehr Schritt halten konnte. In diesem Moment wollte er nichts mehr wissen, außer dass er seine Liebe zur Muttergottes nicht verloren hatte.

Unter denen, die sich für diesen Fall interessierten und für den weiteren Verlauf eine entscheidende Bedeutung haben würden, sollen zwei hervorgehoben werden: Margarida Lencastre (die Schwester von P. Miguel Lencastre und Nichte von Silvia Cardoso, der Dame, die das Studium angeboten und finanziert hatte) und Rosinha Potes Cordovil aus Évora, die sich aber nicht persönlich kannten. Beide kämpften für die gleiche Sache (die eine, weil sie aus dem selben Ort kam wie seine Familie ihm das Studium bezahlt hatte, die andere, weil er aus Évora stammte und sie die Seminaristen von Évora gut kannte). Die beiden begegneten sich in Fatima und fühlten sich wie eine „Rose“ und ein „Gänseblümchen“, die zu Füßen des Heiligsten Herzens Jesu knieten und für den „Wolf“ beteten. Später erzählten sie diese Geschichte mit viel Humor. Da Rosinha Cordovil einen Schweizer Pallottinerpater in Lissabon, P. Ervino Helmle, kannte, beschlossen sie, mit ihm zu sprechen und zu sehen, ob sie António Lobo in die Schweiz schicken könnten, was ihnen auch glückte.

 

Kontakt mit Schönstatt

Diese Tatsache hätte den jungen Seminaristen ermutigen sollen, aber sein Gemütszustand war so, dass er überhaupt nicht begeistert war. Nur wegen des Respekts, den er den beiden Damen entgegenbrachte, willigte er ein zu gehen, wenn auch ohne jegliche Überzeugung. Als er in Freiburg ankam, nahm er Kontakt zu den chilenischen Pallottiner-Gemeinschaften auf, die ihm Schönstatt bekannt machten. Zuerst ist er in der Verteidigung, aber nach und nach begeistert er sich und schließlich entscheidet er sich für Schönstatt und bittet um seine Aufnahme bei den Pallottinern. In Freiburg studiert er Philosophie an der Universität.

Am 21. Dezember 1960 wurde er schließlich als erster portugiesischer Schönstattpriester in Gossau, Schweiz, zum Priester geweiht.  Er kommt von dort aus sofort nach Portugal, wo er am Weihnachtstag seine erste heilige Messe in der Pfarrkirche von Carvalhosa (Paços de Ferreira) feiert.

Nach seiner Primiz kehrt er in die Schweiz zurück, um sein Studium abzuschließen, wo er einen Abschluss in Philosophie mit dem Prädikat „Magna cum Laude“ erwirbt.

In Lissabon arbeitete er fast fünf Jahre lang hauptsächlich mit jungen Frauen, aber auch mit Ehepaaren und half in der Pfarrei S. Mamede.

 

Lobo

Primizbild

Su estrategia con el fundador

Im Jahr 1967 trat er in das Institut der Schönstatt-Patres ein, wo er in die brasilianische Region eingegliedert wurde, und hatte die Gelegenheit, nach Schönstatt zu fahren, wo er den Gründer kennen lernte. Er erzählte uns, dass er, da viele Menschen mit dem Gründer sprechen wollten und die Zeit begrenzt sei, eine List angewandt habe: Schwierigere Themen ließ er bis zum Schluss liegen, und als die Zeit knapp wurde, stellte er die schwierigste aller schwierigen Fragen. Pater Kentenich sagte ihm dann, dass diese Frage mehr Zeit erfordere und er ein weiteres Treffen arrangieren werde. Auf diese Weise gelang es ihm, mehrere Begegnungen  mit dem Gründer zu arrangieren, was natürlich bei denen, die nur die vereinbarte Zeit zur Verfügung hatten, Neid erweckte. Er erzählte auch, dass Pater Kentenich sich normalerweise nicht allein mit einer anderen Person fotografieren ließ, aber auf seine Bitte hin sei er dann doch dazu bereit gewesen.

Aussendung nach Brasilien

Im Februar 1967 ging er nach Brasilien, wo er an der Päpstlichen Katholischen Universität lehrte und als Kaplan und auch in der Schönstatt-Bewegung mitarbeitete.

Er kehrte 1972 nach Portugal, nach Gafanha da Nazaré in Aveiro, zurück. Dort unterrichtete er am Kolleg der Schwestern vom Heiligsten Herzen, am Gymnasium und am Seminar und half auch in der Pfarrei von Gafanha da Nazaré.

In Coimbra machte er ein zweijähriges Praktikum in Philosophie und Psychologie, um so als Lehrdozent arbeiten zu können, und wirkte danach zwei Jahre als Dozent in Beja. Im Jahr 1979 bewarb er sich auf eine Stelle in der Sekundarschule Marquês de Pombal in Lisabon, wo er offiziell angestellt wurde, seine Stelle aber nicht antrat, da er nach Brasilien versetzt wurde. In den folgenden  40 Jahren hat er nie mehr in Portugal gearbeitet, obwohl er uns einige Male besucht hat.

Meine Erlebnisse mit P. António Lobo

Ich lernte Pater António als Seminarist in Freiburg kennen, wo ich im Alter von 18 Jahren hinkam, um einen ruhigen Urlaub in den verschiedenen pallottinischen Häusern der Schweiz zu verbringen, und von wo ich als Schönstätter zurückkehrte.

Ich muss gestehen, dass mich, obowhl ich mehrere Tage in Fribourg verbrachte, der Kontakt mit P. Antóniomicht nicht sonderlich berührte. Seine Geschichte allerdings hat Spuren in mir hinterlassen.

Ich kehrte im September 1960 nach Lissabon zurück, sehr begeistert für Schönstatt und mit der Absicht, eine Jugendgruppe zu gründen. Obwohl ich wusste, dass António Lobo im Dezember zum Priester geweiht werden würde und er erste portugiesische Schönstattpriester war, bin ich aus wirtschaftlichen Gründen und weil es sehr weit weg war (350 km), doch nicht zu seiner Priesterweihe gegangen. Dann wurde ich von einer Reue erfasst, die nie verging! Von diesem großen Ereignis habe ich noch die Einladung und sein Weihebild.

Ich erinnere mich noch genau an seine Ankunft in Portugal Anfang April 1962. Die wenigen Jugendlichen, die es damals gab, hatten sich zu Exerzitien in Azeitão versammelt, die von P. Jaime Fernandez gehalten wurden, der einige Monate zuvor zum Priester geweiht worden war. António erschien in den letzten Tagen der Exerzitien, strahlte Freude aus und feierte eine heilige Messe für die damaligen Jugendlichen.

Danach begann seine pastorale Arbeit. Zunächst half er P. Jaime Fernandez und half auch in der Pfarrei S. Mamede in Lissabon und später begleitete er die entstehende Mädchenjugend.

Nach und nach entdeckte ich Seiten an P. António, die ich vorher nicht erkannt hatte. Seine bedingungslose Liebe zu Maria, sein tiefer priesterlicher Sinn, seine Demut und Spontaneität, manchmal verwirrend, durch die ich lernte, die Stimme Gottes herauszuhören.

Im Laufe meines Lebens habe ich viele der Freuden und Sorgen von P. António geteilt. Es gab schwierige Momente, einige wirklich sehr schwierige, aber was mich immer beeindruckt hat  und was ich gerne bezeuge, ist, dass ich zu keinem Zeitpunkt gesehen habe, dass sein priesterlicher Geist und in seine Liebe zu Maria nachgelassen hätten.

Bei seinen letzten Besuchen in Portugal erinnerten meine Frau und ich uns, wie er mit Begeisterung und Freude Gott für die Berufung unseres Sohnes Diogo (P. Diogo Barata, Madrid, Spanien) zur Gemeinschaft der Schönstatt-Patres dankte.

Gott prüfte P. António bis zum Äußersten, aber nun kann er vom Himmel aus sagen: „Servus Mariae nunquam peribit“.

P. António, segne uns vom Himmel aus!

 

P. Lobo

Ein neues Foto von P. António beim Rosenkranzgebet, aufgenommen von den Kursbrüdern von Pedro Braz

[1] Sein Vater, Claudino Ribeiro da Costa, war Zimmermannsgehilfe und spielte Klarinette in einer Band, in die er seinen noch jungen Sohn António mitnahm. Seine Mutter war Maria da Silva Lobo.

[2] Das Seligsprechungsverfahren für Sílvia Cardoso läuft in Rom.

Original: Portugiesisch. Übersetzung: Mechthild Jahn und Renate Dekker, Bad Ems, Deutschland

 

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