Veröffentlicht am 2020-10-29 In Kentenich

Ein Moment der Unterscheidung

Redaktion schoenstatt.org •

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieser Artikel ist nicht über das Buch, sondern eine Information für unsere Leser über seine Veröffentlichung. Viel weniger handelt es sich um eine Antwort auf das Buch oder auf die darüber veröffentlichten Artikel; eine Antwort auf Gott, darum geht es, auf Gott, der durch die Ereignisse zu uns redet. Mit den Worten deines Artikels, Ignacio, der Entdeckungszusammenhang ist das Buch und sind die Veröffentlichungen von Alexandra von Teuffenbach, der Begründungszusammenhang ist dieses Sprechen Gottes zu uns als Bewegung in diesem Augenblick der Geschichte der Kirche und der Welt, ein Anruf zur Unterscheidung, die gerade erst beginnt. —

 

Am Montag, den 26. Oktober, erschien das erste von zwei oder mehr Büchern, die von der Historikerin Dr. Alexandra von Teuffenbach angekündigt wurden. Das Buch basiert – so erklärt die Autorin – auf einem biographischen Ansatz, der sich auf Zeugnisse und Briefe stützt, die in den Archiven der Pallottiner in Limburg gefunden wurden, von mehreren Marienschwestern, die in den 1950er und 1960er Jahren die Gemeinschaft verlassen haben, und von denen einige später eine neue Gemeinschaft in Sucre, Bolivien, gegründet haben. Am selben Tag erschienen mehrere Artikel in der deutschen und internationalen Presse, der längste und heftigste auf katholisch.de, dem Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, wo bereits andere Artikel zu diesem Thema veröffentlicht wurden.

Der biografische Ansatz, als eine der vielen wissenschaftlichen Möglichkeiten, sich der Realität zu nähern, hat, wie alle Ansätze, seine Stärken und Schwächen. Es wird nicht versucht, die gefundenen Zeugnisse mit denen anderer Personen in ähnlichen Situationen oder mit einer eingehenden Bewertung anderer kontextueller Elemente zu vergleichen. Die Historikerin sagt in der Einführung, dass die Absicht des Buches nicht darin besteht, eine vollständige Untersuchung zu bieten, sondern vielmehr eine erklärende Veröffentlichung der gefundenen Dokumente, und nur dieser Dokumente. Die ersten Zeilen des Buches zeigen deutlich dessen Anliegen und das der Autorin: „Ich widme dieses Buch Sr. M. Georgina Wagner und ihren mutigen Mitschwestern, Sr. M. Eugenia Hagen, Sr. M. Beatrix Mesmerund Sr. M. Agnes Waldmann, die es in jenen Jahren erfolgreich gewagt haben, dem Missbrauch ein Ende zu setzen…

Was in diesem Buch über den von den zitierten ehemaligen Marienschwestern  erlebten oder erinnerten Machtmissbrauch seitens Pater Kentenichs angeprangert wird, ist hart und erschüttert ganz Schönstatt, geht es doch um unseren Gründer, den viele Schönstätter Vater nennen.

Und nun?

Es gibt viel auszuwerten, zu überprüfen und zu untersuchen. Wichtige Quellen fehlen, es bleibt zu klären – falls dies nach so vielen Jahren und nachdem alle damals Beteiligten tot sind überhaupt möglich ist -, ob das subjektiv so Erlebte und Erinnerte mit den Vorgängen vollständig übereinstimmt. Es bleibt abzuwarten, was die Untersuchungskommissionen der Diözese Trier und Schönstatt erarbeiten und feststellen.

Beeinflusst ein Fehler, ein schwerer Fehler, ein Bruch in einem wesentlichen Aspekt seiner Persönlichkeit, ein schwerer Fehlgriff in der Anwendung seiner eigenen Pädagogik, sogar eine Sünde des „Boten“ die Botschaft? Theologisch gesehen, sagen uns die Theologen, ist die einzige Person, in der Botschaft und Bote nicht unterschieden werden können, das fleischgewordene Wort. Die Apostel waren große Sünder. Die Heiligen, die den Kurs der Kirche zum Guten verändert haben, haben Fehler gemacht, unkluge, übertriebene, falsche, richtig schlechte Dinge getan.

Und wenn alles so war? Würde das nun bedeuten,  die Botschaft zu behalten und den Boten in die Wüste zu schicken? Nein. Aber es kann bedeuten, in ein anderes Bild des Boten hineinzuwachsen, eines von Gott erwählten Werkzeuges, um dieser Welt etwas zu sagen, eines Werkzeuges, das für eine für einen Menschen zu große Mission erwählt wurde, ein Werkzeug, das für diese Wahl einen hohen Preis bezahlen musste, ein Werkzeug, das mit dem heiligen Paulus das Wort des Herrn aushalten musste: „Meine Gnade genügt dir; denn die Kraft wird in der Schwachheit vollendet“ (2 Kor 12,9). Ein Werkzeug, das mehr als Bewunderer Mitarbeiter und reife, erwachsene Verbündete braucht.

Traducción del artículo de Felix Neumann en www.katholisch.de: Paz Leiva, Madrid, España @schoenstatt.org

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3 Responses

  1. Liebe Diskutanten,
    danke für die anregenden Gedanken. Ich will nur ein kurzes Wort von Kentenich in den Ring werfen.
    Er hat nämlich gegenüber P. Ammann eine Aussage gemacht, die mir jetzt wieder neu aufging. Er sagte: „Glauben Sie mir nichts, hinterfragen Sie alles. Kopfnicker haben wir genug.“
    Und jetzt wird er selber hinterfragt, er hatte nämlich auch seine blinden Flecke.

    ich wünsche Ihnen einen gesegneten Allerheiligentag

    Franz Josef Tremer

  2. Entgegen der Quelle “ C. Schaffelhofer “ möchte ich jedes Mitglied Schönstatts auffordern, – so es nur irgendwo einen Anreiz in diese Richtung verspürt – sich die Lektüre des genannten Buches zu ermöglichen. Auch das Lesen der letzten Statements der Marienschwestern sowie des Generalpräsidiums / Pater Juan Pablo C. sei empfohlen. Es istallgemein bekannt, dass Pater Kentenich durchaus nicht immer „zimperlich“ mit Menschen umgegangen ist; damit will ich andere Qualitäten dieses Mannes nicht in Frage stellen. In der psychiatrischen Arbeit lernte ich den Begriff der „Vollständigkeit “ in der Wahrnehmung eines Menschen kennen. Gut möglich, dass die Welt gerade dies mit der Person Pater Kentenichs erlebt. Schon jetzt vermisse ich vorsichtige bedauernde Äußerungen im Hinblick auf möglicherweise zu Opfern gewordenen Menschen. Ludwig Egbert .

  3. Liebe Mitglieder der Redaktion
    Danke für den Artikel, der für mich sehr aufschlussreich ist.
    Man kann nur hoffen, dass nicht alle Schönstätter sich jetzt das Buch kaufen, denn dann hätte die Autorin ein Ziel erreicht, nämlich Bekanntheit und Einnahmen. Bekanntlich gibt es ja keine bessere Werbung für eine Veröffentlichung als der Hinweis auf irgend einen Skandal.
    C.Schaffelhofer

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