Veröffentlicht am 2016-06-11 In Kentenich

Heilige Gemeinschaft

Von Mons. Dr. Peter Wolf •

Während der Klausurtagung des Generalprä­sidiums Anfang Dezember letzten Jahres auf Belmonte machten wir einen Besuch im ehe­maligen Generalat der Mainzer Vorsehungs­schwestern. Dort hatte unser Vater in den tur­bulenten Wochen im Herbst 1965 vorübergehend Unterkunft gefunden, als er vor nun 50 Jahren nach der Rückkehr aus Milwaukee in Rom weil­te. Das Haus gehört inzwischen der Gemein­schaft der Paulinen. Auch sie halten immer noch die Erinnerung an unseren Vater lebendig. Über dem Schreibtisch in seinem damaligen Zimmer hängt bis heute ein MTA-Bild und ein Foto un­seres Vaters. Neben der Tür zum viel kleineren Schlafzimmer daneben ent­deckte ich eine kleine Ikone, die mich eigentümlich an unseren Vater erinnerte. Ich bat jemand, mir ein Foto davon zu machen, das ich Euch gern weitergeben möchte.

Die Ikone zeigt einen jungen Mönch, der einen deutlich älteren Mönch auf dem Rücken trägt. Das Bild hat einen Namen, der in griechischen Großbuchstaben am linken Bildrand geschrie­ben steht. Der Name lautet HAGIA KOINONIA und bedeutet heilige Gemeinschaft. Der Name will wohl das im Bild dargestellte Miteinander der beiden Mönche als heilige Gemeinschaft be­nennen. Ein solches Miteinander hat seine ei­gentliche Qualität und seinen tiefsten Ursprung in Gott. Gottes heiliger Ruf hat die beiden Mön­che zusammengebracht. Einst hat der junge Mönch von dem jetzt alten Mönch gelernt. Jetzt muss er ihn tragen. Er lässt ihn nicht zurück. Er trägt ihn wie einen Schatz, den er mit sich nehmen will. Beide blicken in die gleiche Rich­tung. Sie scheinen aus einer Höhle zu kommen und dem Licht entgegenzuschauen. Beide haben das gleiche Ziel vor Augen.

Aus der Höhle heraus

Immer wieder erinnert mich der alte Mönch auf den Schultern des jüngeren an unseren Vater und Gründer. Es mag zunächst der weiße Bart des alten Mönches sein, der diese Assoziation in mir und manch anderen auslöst, denen ich das Bild gezeigt habe. Auch der Ort, wo mir das Bild begegnete, drängte mir die innere Parallele zu unserem Vater auf.

In den Tagen mit dem Generalpräsidium in Rom kam mit die Situation vor 50 Jahren sehr nahe. Mit dem Ende des Exils ging es darum den Vater und Gründer aus dem Schatten, aus der Dun­kelheit der Höhle herauszutragen. Über den Jahren von Milwaukee war das römische Ver­dikt „in umbra maneat“ gestanden. „Er soll im Schatten bleiben“. In jenen Wochen zwischen September und Weihnachten 1965 bis hin zum Lichtmesstag 1966 ging es eigentlich um die Aufhebung jenes Verdiktes. Es ging um seinen Weg hinein in die Kirche.

Dieser Weg geht nicht allein, sondern auf den Schultern seiner Bewegung, auf den Schultern seiner Schüler, auf dem Rücken des Jüngeren. Unser Vater hat immer von der Sendungsge­meinschaft gesprochen. Nicht er allein, sondern die ganze Familie mit ihm.

Seine Sendung zu tragen, erleben wir bis heute als eine große Herausforderung. Sie ist zugleich eine Last und sie ist ein Schatz, der uns anver­traut ist. Belmonte steht für mich genau für diese Erfahrung: Wir wollen unseren Vater nach Rom bringen. Wir wollen ihn und seine Sendung einbringen in die Kirche von heute und morgen.

PS. Bei der Ikone handelt es sich um einen kleinen Ausschnitt aus einer größeren Ikone des „Entschlafens des hl. Ephraim des Syrers“. Diese seltene Darstellung zeigt wie alle Mönche zur Beerdigung des heiligen Mönchsvaters zusammenkom­men, wobei junge Mönche die alten Mönche herbeitragen.

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Quelle: Belmonte-Newsletter 5/2016

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