Veröffentlicht am 2015-05-15 In Schönstatt im Herausgehen, Solidarisches Bündnis

„Ich brauche euch, die Bewegung“

PARAGUAY, Encarnación, Sonia und Johnny Zaracho, und Maria Fischer •

Es sieht aus wie eine Gruppe von Freunden, die sich schon ewig kennen, die da an einem Spätnachmittag in Encarnación auf der Straße steht und offensichtlich die etwas kühleren Temperaturen genießt, bei gerade noch so viel Tageslicht, dass die Gesichter zu erkennen sind. Ein Ehepaar, Jugendliche, Priester, Frauen, junge Männer… und mittendrin jemand mit einem fröhlichen Lächeln im Gesicht und einem einfachen Brustkreuz, dem Kreuz der Einheit… Es ist Bischof Francisco Pistilli, der neue Bischof von Encarnación; die Gruppe steht direkt vor dem Bischofssitz, nicht weit übrigens vom kleinen Schönstatthaus, und es sind alles Schönstätter, die ein ebenso spontanes wie informelles Treffen mit „ihrem“ Bischof, ihrem Pater Francisco, genießen.

Es ist „unser“ Bischof, sagten Sonia und Johnny Zaracho aus Hohenau, seit jenem Augenblick im Dezember 2014, als die Nachricht von seiner Ernennung durch die sozialen Netzwerke zu laufen begann und erst recht seit jenem Telefonanruf mit der knappen und klaren Ansage: „Ich brauche euch, die Bewegung“. Als wir später bei ihnen zu Hause bei einem Glas Wein zusammensitzen, erzählen sie, wie das war mit der großen Solidarität der Schönstatt-Bewegung von Encarnación in jenen Dezemberwochen:

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So fing alles an

“… Das Telefon klingelt, ein Anruf, es war Pfr. Joaquin Li von der San Roque Gonzalez-Basilika, der mit vor Aufregung krächzender Stimme sagte: ‚Ich brauche euch, die Bewegung, morgen, Samstag, um 9.00 Uhr in meinem Büro‘, und der dann ein paar Dinge über die Weihe und Amtseinführung unseres Bischofs Francisco Javier Pistilli sagte. SO FING ALLES AN.

Wir waren pünktlich da: Jorge Hrisuk, Ehepaar Blanca und Ricardo Franco und wir, Sonia und Johnny Zaracho. Jetzt erfahren wir mehr, was dem Pfarrer aufgetragen worden ist für das nahekommende Großereignis, und dass ihm jegliche logistische Unterstützung dafür fehlte!

Also zunächst eine Ortsbesichtigung; Jorge Hrisuk als Architekt machte zunächst eine Skizze als Vorschlag, wo die Bischöfe, die Priester der Diözese und die Gäste, die Vertreter aus Staat und Gesellschaft und die Gläubigen selbst ihren Platz haben könnten, wo das MTA-Bild hingestellt werden sollte, der Chor, die Krippe – die Weihe war ja unmittelbar vor Weihnachten – und der ganze Schmuck…

Und während wir darüber diskutierten, begannen unsere Herzen höher zu schlagen, denn die Verantwortung, die uns und damit der Bewegung gegeben wurde, war groß. Angefangen damit: bei aller Liebe gab es nur 800 Sitzplätze, aber es würden mindestens 1500 Gäste kommen.

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Es war unser Ereignis, es war unser Fest, es ist unser Bischof

Von diesem Tag an gaben wir den Gruppen die Bitte um Hilfe bei diesem Ereignis weiter, die sozialen Netzwerke brachen zusammen und alle Gruppen arbeiteten mit, sowohl die aus Encarnación wie die aus Colonias Unidas; und das tägliche Gebet in den verschiedenen Gliederungen und Gruppen stieg von Tag zu Tag. Verschiedene Arbeitsgruppen bildeten sich – Schmuck, Dekoration, Logistik für den Empfang der Bischöfe, Priester und Gläubigen wie auch der geladenen Gäste aus Politik und Gesellschaft; doch das war nicht alles, es galt auch, die Priester zu empfangen, die aus anderen Gegenden anreisten, sie unterzubringen und für ihre Beförderung am Tag selbst zu sorgen. Und viele, viele halfen mit, damit jede Gruppe pünktlich und gut ihre vorgesehene Aufgabe erfüllen konnte.

Die Arbeit begann, und jede Dekoration, die fertig wurde und an ihren Platz kam, erhielt den Segen von Pfr Joaquin, der aufgeregt war wie ein Kind am Heiligen Abend, genauso wie wir alle. Es war unser Ereignis, es war unser Fest, es ist unser Bischof.

So groß war die Erwartung und die Sorge, dass alles gut gehen würde, dass wir auch keine Kleinigkeit ausließen und alles immer wieder in die Hände der Gottesmutter legten, die wir innig um einen guten Verlauf des Festes baten. Auch beteten wir für unsere Gäste, dass sie mit guten Erinnerungen an unser Encarnación zurückfahren würden.

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Brütende Hitze und ein berühmter Satz

Vor einer großen Zahl von Gläubigen, des orthodoxen Bischofs, des Botschafters Paraguays am Heiligen Stuhl, Konsuln verschiedener Länder (Italien, Spanien, Ukraine, Brasilien), dem Gouverneur von Itapúa und der Bürgermeister, öffnete sich der Gang für den Einzug von 150 Priestern der Diözese und geladenen Gästen, den Schönstattpatres der Region und 23 Bischöfen. Und darin unser Bischof Francisco Javier Pistilli, der schlicht und mit Freude den warmen Beifall der Menge entgegennahm; und so begann die Messe, es folgten der Weiheritus, das Treueversprechen …

Obwohl alle Ventilatoren auf Höchststufe standen und die Fenster geöffnet waren, war die Hitze unerträglich und machten die kreisförmigen Souvenirs mit dem Bischofswappen vorne drauf und hinten den Namen der Bischöfe der Diözese sehr beliebt, da man sie gut zum Fächeln brauchen konnte. Viel nützte es aber nicht.

All die Arbeit hatte sich gelohnt, alle Gruppen der Familienbewegung, der Mütterliga, der Pastoral der Hoffnung, die Kampagne der Pilgernden Gottesmutter, die Schönstattjugend, der Männer-Rosenkranz und auch so viele Leute von der Basilika hatten zusammengearbeitet. Unsere Aufgabe und unser Einsatz waren groß, denn es war „unser Bischof“, der mit spürbarer Demut die vom Papst aufgetragene Aufgabe annahm, und der in seinem ersten Wort an die Gläubigen unter deren Beifall und Gelächter sagte: „Wir müssen den Glauben schwitzen!“

Nach der Messe wurden die Gäste zu dem Saal gebracht, wo es ein einfaches Mittagessen gab. Es war das Fest, das war es, was wir die Gottesmutter gebeten hatten, dass uns nicht irgendeine wichtige Kleinigkeit aus dem Blick geraten sollte, es war unser Fest noch im Nachklang des Jubiläums 2014 und als Geschenk an die Diözese zur Ernennung unseres Bischofes. Hier, wo Pater Kentenich von Posadas, Argentinien, aus, auf unsere Stadt Encarnación blickte, und die in jener Zeit üppige Bewaldung sah, woraufhin er zu seinen Begleitern gesagt haben soll: „So zahlreich wie die Fülle der Bäume, so zahlreich werden dort die Anhänger der Gottesmutter sein.“

Und noch eine wichtige Kleinigkeit: Bei der Weihe machte einer der Priester, ausgerüstet mit Bleistift und Block, einige Notizen. Daraus wurde anschließend ein Gedicht für Bischof Francisco Javier Pistilli, verfasst von Pater Joaquín Alliende, Chile, und vertont von María del Carmen und Pablo Viedma aus Colonias Unidas zur Einweihung der Kirche „Maria von der Dreifaltigkeit“ (Tupãrenda), ein Schatz in unserem musikalischen Repertoire.

Es war ein unvergessliches Fest für uns, genauso, wie wir es von der MTA erbeten hatten, als wir ihr die Arbeit von jedem von uns als Beitrag zum Gnadenkapital für unseren Bischof und für das Heiligtum des Südens angeboten hatten.“

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„Ich brauche euch“

„Wenn der Heilige Vater nach Paraguay kommt und sich entschließt, Encarnación zu besuchen, dann habe ich nicht mal eine funktionierende Küche hier für ihn“, scherzt Bischof Francisco Pistilli beim oben genannten Treffen vor dem Bischofshaus. Der Heilige Vater kommt nicht nach Encarnación, doch wenn, dann hätte es vielleicht noch einmal einen Anruf gegeben: „Ich brauche euch, die Bewegung.“

Die Schönstatt-Bewegung von Encarnación und Colonias Unidas hat sich ihrem Bischof zur Verfügung gestellt, mit ihren Projekten, ihrem Gebet, mit allem, was sie sind und tun.

Darüber hinaus haben Mitglieder der Heiligtumspastoral von Tuparenda, konkret vom Liturgieteam, angefangen, Liturgiekurse für Priester und Laien in den verschiedenen Kapellen der Diözese zu geben. „Es gibt hier so viele verlassene Kapellen; weil es keine Priester gibt, finden dort schon lange keine heiligen Messen mehr statt, aber für die Menschen in diesen Orten sind diese Kapellen weiterhin wichtig Orte ihrer religiösen Gebundenheit und Beheimatung. Wir möchten, dass sie ihre Heimat nicht verlieren, ihre lokale Gebundenheit im Glauben.“ Darum bilden sie Laien aus, um in den Kapellen gut vorbereitete Wortgottesdienste und Andachten zu halten. Ein Dienst an den Menschen rund um die Kapellen, der für den neuen Bischof von großem Wert ist.

„Wir funktioniert das mit den 100 Häusern?“, will Bischof Pistilli beim Treffen mit Maria Fischer von schoenstatt.org wissen – er hat natürlich von dieser Initiative gehört, bei der in den Randbezirken von Asunción 100 Häuser für die Bedürftigsten gebaut wurden (und weiter gebaut werden). „So ein Projekt fehlt noch hier im Bistum“, sagt er, und fügt an: „Wenn das in Asunción irgendwann einmal nicht mehr weitergehen sollte, dann lade ich die 100 Häuser nach Encarnación ein.“ Auf jeden Fall möchte er mit Ani Souberlich sprechen, um genau zu erfahren, was vor Ort notwendig ist und wie man dieses Projekt an anderen Orten auf den Weg bringen könnte, ganz im Sinne dessen, was er am 25. März beim Festgottesdienst aus Anlass von 400 Jahren Stadt- und Bistumsgründung gesagt hat:

„Wir freuen uns, weil wir den Gruß Gottes in vielen Stimmen dieser Zeit mit ihren Veränderungen und Herausforderungen und mit echten Zeugen des Evangeliums wie Papst Franziskus hören dürfen. Wir freuen uns, weil wir die Träger einer neuen Zeit der Verkündigung des Evangeliums sind, das weiter und tiefer als in früheren Zeiten vordringen will. Wir freuen uns, weil wir erwählt sind, teilzunehmen und Gemeinschaft der neuen Missionare zu sein, die das Evangelium für die neuen Generationen verkörpern.“

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Mit Material aus der Zeitschrift Tuparenda, 3/2015
Original: Spanisch. Übersetzung; Maria Fischer, schoenstatt.org

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