Publicado el 2014-12-01 In Dilexit ecclesiam

Jesús Morán: Jetzt geht es um kreative Treue

ITALIEN, mda. Jesús Morán, spanischer Philosoph und Theologe, wurde während der Generalversammlung im September 2014 zum neuen Kopräsidenten der Fokolar-Bewegung gewählt. Zusammen mit der Präsidentin der Fokolar-Bewegung, Maria Voce, nahm er im Oktober an der Audienz der Apostolischen Schönstatt-Bewegung bei Papst Franziskus teil. In einem Interview mit Aurora Nicosia von der Internationalen Pressestelle der Fokolar-Bewegung nimmt er, auch in Blick auf die Audienz der Generalversammlung der Fokolar-Bewegung bei Papst Franziskus, Stellung zur aktuellen Situation der Bewegung – in gewisser Hinsicht ähnlich wie die der Schönstatt-Bewegung am Beginn ihres zweiten Jahrhunderts – und der Herausforderung der „kreativen Treue“: „Wir müssen begreifen, ob die erste Generation wirklich das charismatische Geschenk verstanden hat, das Gott durch Chiara Lubich der Kirche und der Menschheit gemacht hat. Davon hängt die Qualität der Umsetzung dieses Charismas ab. Es ist die Zeit eines neuen, starken Selbstbewusstseins, die zu einer Radikalität des Lebens führen muss wie in der ersten Zeit der Bewegung, anders als damals, aber mit gleicher Intensität. Es ist die Zeit einer kreativen Treue.“

Hier das vollständige Gespräch:

„Ich habe das Ideal der Einheit kennengelernt, als ich gerade das Abitur gemacht hatte und mich auf das Philosophiestudium an der Autonomen Universität von Madrid vorbereitete. Damals war Spanien von großen sozialpolitischen Unruhen erfasst. Der Wunsch nach Veränderung wurde immer drängender. Die Gesellschaft und vor allem die jungen Leute verlangten nach Freiheit und Demokratie. Ich habe mich zum Philosophiestudium entschlossen, weil die Ordensmänner, die unser Gymnasium leiteten, uns immer ein Christentum gelehrt haben, das zu sozialen Verbesserungen führte. Die Begegnung mit Chiara Lubich war für mich die Begegnung mit einem Menschen, der so war, wie ich einmal werden wollte. Diese Spiritualität konnte nicht nur die Gesellschaft verändern, sondern auch mich selbst, und das wünschte ich mir von ganzem Herzen. In der Freiheit der Liebe fand ich die Antwort auf all meine Sehnsüchte.“

„Lateinamerika hat mir den Sinn des organischen Denkens erschlossen“

„Die meiste Zeit meines Lebens verbrachte ich bisher in Lateinamerika. Mit 23 Jahren kam ich nach Chile, mit 50 Jahren nach Mexiko. Ich habe dort die erste Erfahrung in der Arbeitswelt gemacht. In Chile und Mexiko habe ich die Geschichte dieser jahrtausendealten Völker mit Händen greifen können, mit ihren Kontrasten, ihren ungeheuren kulturellen Reichtümern und den Dramen ihrer Identitätsfindung. In Lateinamerika habe ich den unbezahlbaren Wert des Lebens, der Natur und der interpersonalen Beziehungen gelernt. Ich wurde regelrecht geschult in sozialem Verhalten. Jener Kontinent hat mir den Sinn ganzheitlichen und organischen Denkens erschlossen, der Kultur, die zur täglichen Praxis wird, der Religiosität, die die tiefsten Saiten des Herzens zum Klingen bringt.“

Die vergangenen sechs Jahre am Zentrum der Bewegung in Rocca di Papa – so Jesús – „haben mir geholfen, einen Blick für die ganze Welt zu bekommen. Sie haben mich menschlich und geistlich reifen lassen.“

Weichenstellung für die Zukunft

„In meinem Leben gab es einige ganz bedeutende Momente mit Chiara Lubich, in denen ich die mütterliche Liebe Chiaras zu mir ganz tief erfahren habe.“
Es sind wenig mehr als zwei einige Monate seit seiner Wahl zum Kopräsidenten vergangen. „Ich mache derzeit eine ganz starke und gleichzeitig ganz einfache Erfahrung mit Gott. Noch nie habe ich die Liebe so vieler Menschen gespürt wie jetzt. Dafür bin ich Gott unendlich dankbar.“

Auf die Frage, ob sich seiner Meinung nach seit der Generalversammlung etwas geändert habe, gibt er zur Antwort:

„Das Werk Mariens steht vor einer wichtigen Weichenstellung für die Zukunft. Wir müssen begreifen, ob die erste Generation wirklich das charismatische Geschenk verstanden hat, das Gott durch Chiara Lubich der Kirche und der Menschheit gemacht hat. Davon hängt die Qualität der Umsetzung dieses Charismas ab. Es ist die Zeit eines neuen, starken Selbstbewusstseins, die zu einer Radikalität des Lebens führen muss wie in der ersten Zeit der Bewegung, anders als damals, aber mit gleicher Intensität. Es ist die Zeit einer kreativen Treue. Treu und kreativ, kreativ und treu, je mehr Treue desto mehr Kreativität. Logischerweise bedeutet das, das Charisma an allen Fronten zu leben, es bedeutet neuen apostolischen Schwung, Dialogfähigkeit um 360 Grad. Mir scheint, dass die Generalversammlung mit ihrem Schlussdokument und die Botschaft von Papst Franziskus in diese Richtung gehen.“

Ein Charisma, das nicht zur Kultur wird, hat keine Zukunft

Bezüglich eventueller widersprüchlicher Positionen zwischen geistlicher und kultureller Fortbildung, kommentiert der neue Kopräsident: „In Chiara gab es keinen Widerspruch zwischen Leben und Denken. Nach einer mystischen Erfahrung beschließt sie, die Philosophiebücher wieder in die Hand zu nehmen, die sie Jahre zuvor auf den Speicher getragen hatte. Das ist für mich sehr vielsagend. Chiara ist die Gründerin der Scuola Abbà und des Universitätsinstitutes Sophia. Wie alle anderen großen Ordensgründer war sie sich voll darüber im Klaren, dass ein Charisma, das nicht zu einer neuen Kultur wird, keine Zukunft hat.“

Zum Schluss fragen wir ihn, was er für sich und für die Bewegung von Gott erbittet: „Jeden Tag bitte ich um die Gabe der Unterscheidung der Geister und die Fügsamkeit dem Heiligen Geist gegenüber, ohne Ängste.“

Quelle: www.focolare.org

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