Veröffentlicht am 14. August 2017 In Urheiligtum

Ein Ort und eine Bewegung innerhalb der Weltkirche – und eine ausgeprägte Kultur der Begegnung

Maria Fischer •

Eine große Gruppe von Priestern und Ordensleuten, die zurzeit auf dem Kreuzberg in Bonn Deutsch studieren, besuchte am 8. August Schönstatt, um einen Ort und eine Bewegung innerhalb der Weltkirche kennenzulernen.

„Sehr geehrte zukünftige Bischöfe, Nuntien, Ordensoberen…“, in die Verblüffung hinein: „liebe Brüder und Schwestern“, und schon ist das Eis gebrochen, erst recht, als die Priester und Ordensschwestern aus Asien, Afrika und Lateinamerika in der Cafeteria mit Kaffee, Cappuccino und Keksen verwöhnt werden. Es ist der 8. August 2017, und der „Römerkurs“ vom Sprachinstitut Kreuzberg in Bonn („Deutsch als Freundschaftssprache“) besucht Schönstatt, einen Ort und eine Bewegung in der Weltkirche, wie Rektor Egon M. Zillekens den Besuchern im Priester- und Gästehaus Marienau vermittelt. Es sind Priester und Ordensschwestern, die auf Wunsch ihrer Diözesanbischöfe oder Ordensoberen an den Päpstlichen Universitäten in Rom studieren und die Sommerpause zu einem Intensivkurs Deutsch nutzen.

Das  von MISSIO und ADVENIAT mitfinanzierte Studien-Programm im Sprachinstitut des vom Institut der Schönstätter Marienbrüder getragenen Kreuzberg-Zentrums in Bonn bietet allen Teilnehmern die Chance, sich schnell und umfassend Kenntnisse der deutschen Sprache zu erwerben, wie sie für ihre wissenschaftlichen Studien erforderlich sind. Über das Medium der deutschen Sprache werden aber auch viele soziale, kulturelle und politische Inhalte vermittelt. An den Wochenenden erfolgt in nahegelegenen deutschen Kirchengemeinden ein reger Austausch über die Lebensformen der jungen Kirchen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die „Deutschkurs-Priester“ übernehmen in mehreren Pfarreien des Bonn-Kölner Raumes die Ferienvertretungen für deutsche Pfarrer.

Was interessiert den „Römerkurs“ an Schönstatt?

„Was interessiert den „Römerkurs“ an Schönstatt?“ Die Frage kommt für Rektor Zillekens nicht überraschend, das spürt man sofort. Schon mit seiner scherzhaften Begrüßung macht er deutlich: „Sie werden wahrscheinlich besonders verantwortliche Priester in Ihrer Diözese sein.“ Und diese wichtigen Priester, von denen etwa die Hälfte Diözesanpriester und die Hälfte Ordenspriester sind, interessiert, was Schönstatt für die Kirche und konkret für sie tut oder tun kann. Genau darauf baut Rektor Zillekens nach einem kurzen Überblick über das Haus und seine Angebote seinen Dialog mit ihnen auf.

Was bewegt diese Priester? Aus seiner Erfahrung weiß er, dass es drei Bereiche sind, in denen sich Anliegen und Suche aller Priester konzentrieren, und so erzählt er ihnen in drei Themenkreisen, was die Priester bewegt, mit denen er in der Gemeinschaft des Priesterbundes unterwegs ist.

  • Spiritualität, Geistpflege, mein Lebensentwurf: Wo ist mein Schwerpunkt gemäß meiner Berufung, wie werde und bleibe ich ein spiritueller Priester (Sicherung), wo ist meine Heimat, oder im Bild: Auf welchem kleinen Ast im großen Baum der Kirche und Welt bin ich zu Hause?
  • Wir gehören zum Presbyterium des Bischofs und unserer Diözese. Erleben, leben wir das? Was tun wir, wenn uns unser Leben um die Ohren zu fliegen beginnt? Wir sind keine Ordensleute, aber auch keine Einzelgänger. Es gibt geglückte Versuche, Teams zu bilden. Eine Priestergemeinschaft von Diözesanpriestern.
  • Wie übe ich meinen konkreten Dienst aus? Wie lese ich die Stimmen der Zeit? Wo setze ich Schwerpunkte?

„Nach den wenigen Wochen, die sie erst studiert hatten, war es noch nicht möglich, das in Deutsch zu machen. Dann habe ich Spanisch gesprochen, und einer der Studenten hat es ins Italienische übersetzt, so haben alle folgen können“, erzählt Rektor Zillekens.

Das zum Priesterjahr 2010 zusammengestellte Heft zum Priestersein heute wird gerne angenommen, während in kurzen Geschichten etwas von der weltkirchlichen Weite Schönstatts erzählt wird. Etwa von dem Abend, als man bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 hier mit dem brasilianischen Kardinal Hummes das 2:1 der Niederlande gegen Brasilien „überwinden geholfen hat“.

Dem Konzil verpflichtet

Es gibt ein schönes Bild des Tagesheiligen, des heiligen Dominikus, mit der Gottesmutter Maria. Darauf ist dargestellt, wie ein Indigener dem Kind Früchte schenkt und die Gottesmutter ihm den Rosenkranz. Ein Bündnis. „Im Vertrauen auf den Herrn, dessen Gegenwart Quelle des Lebens in Fülle ist, und unter dem Schutzmantel Mariens könnt ihr die Kreativität und Kraft finden, um Protagonisten einer Kultur der Bündnisse zu sein, und so neue Paradigmata schaffen, die dem Leben Brasiliens Orientierung geben können“, hat Papst Franziskus wenige Tage zuvor Jugendlichen aus Brasilien gesagt. Kultur der Bündnisse, Cultura de alianza, ganz von Schönstatt und mittendrin im Herzen der nachkonziliaren Kirche, die herausgeht an die Peripherien der menschlichen Existenz.

Da muss ein Wort zu den Bewegungen in der Weltkirche kommen – und das ist das Wort von Kardinal Walter Kasper von den beiden Lungenflügeln, mit denen die Kirche atme.

Da muss ein Wort zum Konzil kommen und zu dem, wie ein Josef Kentenich die Akzentverschiebung in einer vom Konzil geprägten erneuerten Kirche sieht:

  • Mehr eine geschwisterliche Kirche (weniger klerikal)
  • Mehr eine arme Kirche (weniger prunkvoll)
  • Mehr eine dezentrale Kirche (weniger zentralistisch)
  • Mehr eine dynamische Kirche (weniger statisch)
  • Mehr eine charismatische Kirche (weniger amtlich)
  • Mehr eine dienende (marianische) Kirche (weniger herrschend)

Dass das sehr nah an dem ist, was Papst Franziskus lebt, kündet und fordert, entdecken die „Römerkursler“ ganz von selbst und recht verblüfft.

Rund um den Tisch des Herrn

Mit einer heiligen Messe in der schön renovierten Hauskapelle der Marienau und einem guten Mittagessen rundet sich der Besuch in Schönstatt ab, der am Morgen im Urheiligtum begonnen hatte. Froh, gelockert, in priesterlicher Gemeinschaft.

Und dann ein ganz besonders berührender Moment am Schluss. Einer der Priester kommt mit seinem Mobiltelefon. Seine Mutter, sagt er, sei bei Schönstatt, und das wäre jetzt doch schön, also ein Segen, mit Video bitte, live, für die Mutter, denn die habe ihn gebeten, für sie ins Heiligtum zu gehen, und … Und natürlich bekommen die Mutter, das Telefon und der Priester den Segen für heute und für die nächsten Schritte und für das Leben.

Am Ende des Tages, so hatte Rektor Zillekens am Anfang gesagt, ergebe sich hoffentlich ein rundes Gesamtbild. Für diesen Priester auf jeden Fall.

 

Foto: Dietger M. Kuller

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1 Responses

  1. [email protected] EMSDETTEN
    Den Marienbrüdern in Schönstatt besonders Peter und dem Fahrer gilt unser Dankeschön nochmal auf diesem Wege
    Annette und Rosi beide 80 auf Wallfahrt bei den Marienschwestern.
    Die beiden waren so fürsorglich und bestimmend und auch der Her Pfleger vom Haus der meine Wunde versorgt hat an der Hand und die anderen beiden, die mit uns nach Koblenz zu Notfallstation ins Krankenhaus gefahren sind .
    Danke danke .Es müßte noch mehr solche Menschen geben.
    Info, wenn diese 3 wunderbaren Menschen meinen Komentar erhalten: Es isr eine Radiusfraktur der linken Hand ist im CT sichtbar. Dem Peter in Chile- guten Erfolg im Beruf

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