Veröffentlicht am 2016-12-04 In Kirche - Franziskus - Bewegungen, Urheiligtum

Das kleine Kreuz von Papst Franziskus

Maria Fischer •

Auslaufmodell heißt das eine Buch, Mit Maria leben das andere. In beiden geht es um den Papst vom Ende der Welt, den Papst ohne Doktortitel und ohne Kurienkarriere, der mit kühner Barmherzigkeit eine heilige Unruhe in der Kirche stiftet, eine Unruhe, die sich nach Pfingsten, nach Heiligem Geist anfühlt. Beide Bücher und ihre Botschaften standen im Mittelpunkt der Geisteserneuerung für Priester und Diakone am Beginn des Adventes im Priesterhaus Berg Moriah in Schönstatt, zusammen mit einem kleinen Kreuz, das den Guten Hirten zeigt, erfüllt von eben jenem Heiligen Geist – das Kreuz, das Jorge Mario Bergoglio schon als Bischof von Buenos Aires getragen hat, das er in die Villas, die Elendsviertel dieser Stadt und vor die Regierenden getragen hat und das er auch in den Vatikan und die Weltkirche hineinträgt.

Auslaufmodell und Maria als Modell Revolution der Zärtlichkeit

Auslaufmodell: das kann bedeuten, es geht zu Ende mit der Kirche im nachchristlichen Europa. Nicht wenige Zahlen scheinen dafür zu sprechen. Papst Franziskus steht für eine Art von Auslaufen: Das Schiff der Kirche soll aus dem Hafen der Selbstbeschäftigung auslaufen und an die Ränder des Lebens und der Gesellschaft gehen, zu denen, die vom Leben verwundet sind. Moralisieren steht nicht auf der Tagesordnung, sondern heilen. – So die Einleitung zum Buch von Paul M. Zulehner. Iglesia en salida, das Kernanliegen von Papst Franziskus, im Deutschen meist viel zu brav und harmlos mit „Kirche im Aufbruch“ übersetzt, hier in einer geradezu genialen wortspielerischen und bewusst irritierenden Sprache.

Das Buch von Schönstatt-Pater Alexandre Awi, das im September auf den deutschsprachigen Markt gekommen ist, hat auch Verwirrungs- (oder „Macht Unruhe“-Potential). Denn wer hinter einem Buch über Maria und die Begegnungen von Papst Franziskus mit ihr etwas Fromm-Besinnlich-Beruhigendes erwartet, wird überrascht von einem Franziskus, für den Maria das Modell der Theologie des Volkes, die arme Frau des Magnifikat und die Einforderung einer Mütterlichkeit der Kirche ist, die revolutionär klingt und revolutionär ist: „Die Zärtlichkeit ist revolutionär; es ist die Revolution der Zärtlichkeit.“ Wörtlich: „Anstelle einer moralbesessenen rigorosen Haltung betont Franziskus … das zärtliche Band der Liebe zwischen dem Ruf eines liebenden Vaters, der das Glück seiner Kinder will, und der Antwort eines Kindes, das die Liebe des Vaters erkennt und darum seinen Wünschen folgt“ (Awi, S. 172).

Eine arme Kirche, eine demütige und dynamische Kirche

Ausgehend von einer Vorlage des kurzfristig verhinderten Pfarrers Franz Kraft sprach Rektor Egon M. Zillekens in zwei Impulsen zu den Themen, die Zulehner und Awi von Papst Franziskus her ansprechen, machte Rektor Zillekens den Priestern Mut – Mut zu Kirche, Mut zum „Auslaufen“, Mut zu Franziskus:

Wir schauen dabei auf Papst Franziskus, der mit der Kirche Fahrt aufnimmt, wie ein Schiff, das zu Wasser gelassen wird, sagt er den Priestern, und zitiert:  „Wenn sich die Kirche nicht öffnet. Nicht rausgeht, und sich nur um sich selbst schert, wird sie alt. Wenn ich die Wahl habe zwischen einer Kirche, die sich beim Rausgehen auf die Straßen Verletzungen zuzieht, und einer Kirche, die erkrankt, weil sie sich nur mit sich selbst beschäftigt, dann habe ich keine Zweifel: Ich würde die erste Option wählen.“ (Zulehner, S. 9)

Er geht auf den Katakombenpakt ein, jene am 16. November 1965 – am 80. Geburtstag Pater Kentenichs (!), während des Zweiten Vatikanischen Konzils, in den Domitilla-Katakomben in Rom von einer Gruppe von Bischöfen unterzeichnete Selbstverpflichtung zu einem einfachen Lebensstil und zum Dienst an den Armen. Wenige Wochen vor dem Ende des Konzils feierten 40 Konzilsväter aus der ganzen Welt miteinander Eucharistie und gingen am Ende der Messfeier den nach dem Ort des Geschehens benannten Pakt ein. Zu den Erstunterzeichnern gehörten zwei Deutsche: Julius Angerhausen (1911–1990), Weihbischof in Essen, und Hugo Aufderbeck (1909–1981), Weihbischof in Erfurt. Später schlossen sich 500 weitere Bischöfe aus der ganzen Welt diesem Pakt an. Als wesentliche Initiatoren der Gruppe gelten Hélder Câmara, Bischof Guy-Marie-Joseph Riobé von Orléans und Kardinal Giacomo Lercaro. Über 50 Jahre danach ist es ein Papst, der das Anliegen des Katakombenpaktes aufgreift. Und das alles, so Rektor Zillekens, erinnert an den Vortrag von P. Kentenich: Die postkonziliare Sendung der Kirche und ihre Antizipation durch Schönstatt. Gehalten am 17.2.1968 vor Priestern:

  • Die brüderliche Kirche
  • Die arme Kirche
  • Die vom Göttlichen durchdrungene Kirche
  • Die dynamische Kirche
  • Die demütige Kirche
  • Die Welt durchdringende Kirche

Ganz ähnlich wie das von ihm auch am 8. Dezember 1965 bei der symbolischen Grundsteinlegung des Heiligtums in Rom entworfene Bild der Kirche, auf das er sein Schönstatt verpflichtet.

Sympathie für Franziskus

Die Geisteserneuerung gibt den Priestern und Diakonen mit Eucharistiefeier, Zeit der eucharistischen Anbetung, viel persönlicher Zeit und zwei geistlichen Impulsen Anregung zu Erneuerung und neuer Ausrichtung.

„Bei den beiden Impulsen stand jeweils das kleine Kreuz von Papst Franziskus vor mir“, berichtet Rektor Egon M. Zillekens.  „Alle haben es einmal in die Hand genommen.  Ich habe gesagt,  dass es in Schönstatt einen solidarischen Kreis um Franziskus gibt, und dass man dann so ein  Kreuz hat. Hat richtig gut gewirkt. Franziskus stand im Mittelpunkt.“

Der solidarische Kreis um Franziskus hat seinen Ursprung im „Dreamteam“ von schoenstatt.org, das am 31. Mai 2013 ein „solidarisches Bündnis“ mit Franziskus geschlossen hat. Ganz einfach seine Worte hören, seine Gesten verstehen, seinen Wünschen folgen, missionarisch und barmherzig wie er. Oder um einen Begriff von Pater Kentenich (Sympathie für Gott) zu paraphrasieren: Sympathie für Franziskus. Innerlich immer auf Seiten von Franziskus stehen.

Dann geht das mit dem „Herzen wärmen und Wunden heilen“, von dem Zulehner so deutlich spricht. Dann irritieren auch keine offenen Briefe von Kardinälen, die früher dafür bekannt waren, unerbittlich Papsttreue einzufordern.

In dem Maße ist einer heilig, als er sich um Barmherzigkeit bemüht. Nicht von Franziskus, sondern von Josef Kentenich.

 

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