Veröffentlicht am 26. Juni 2016 In Urheiligtum

Schon wieder Überflutung am Urheiligtum – und wunderbare Solidarität

Von Rektor Egon M. Zillekens und Maria Fischer •

Die Bilder von der Überschwemmung am Urheiligtum und der mutigen Rettungsaktion von Mons. Dr. Peter Wolf sind noch lebendig in Erinnerung – da geht der Wambach am Samstag, 25. Juni, nach heftigen Regenfällen erneut über die Ufer, diesmal aber viel stärker. Binnen Minuten strömt eine braune, schlammige Brühe aus dem Wambachtal über die Wege, die zum Urheiligtum führen – vor dem Alten Haus steht das Wasser kniehoch und es strömt auch ins Urheiligtum hinein, bis an die Stufe zum Altar… Ein paar Beter, die drinnen vom Wasser überrascht werden, sind so erschrocken, dass sie nicht wissen, wie sie rauskommen sollen. „Schuhe aus und durchs Wasser!“ Viele laufen den ganzen Tag  barfuß und in kurzen Hosen herum und versuchen zu tun, was getan werden kann… Die Feuerwehr rückt mit über 30 Mann an und die haben alle viel zu tun.

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Ein Meter Wasser im Erdgeschoss der Marienau

Schlimm getroffen hat es die Marienau. In Speisesaal, Küche, Personalräumen und Klause steht schneller, als man denken kann, ein Meter schlammiges Wasser. „Es kam durch die Fenster herein“, so Rektor Egon M. Zillekens, „durch die Tür, von allen Seiten. Jemand, der da unten war, konnte sich gerade noch retten. Da hätte Schlimmes passieren können…“ Als die Feuerwehr das Wasser abgepumpt hat, steht überall 20 cm Schlamm.

Das ist Solidarität

Die Schwestern von der Wallfahrt bieten als erste spontan Hilfe an wegen vielleicht notwendiger Ausquartierung von Gästen. Und dann eine erstaunliche und wunderbare Welle der Solidarität – Schwestern vom Schulungsheim und vom Mutterhaus erscheinen, um in der Marienau beim Reinigen zu helfen, ebenso Schwestern von der Wallfahrt. Das ist stark.

Auch Pilger, die zur Messe ins Urheiligtum gehen wollten und dort vor Schlamm und Wasser standen, halfen spontan einfach mit.

Sich mit dem Schlamm der Straße beschmutzen

Und da sehen wir nun unser schönes, strahlend weißes Urheiligtum umgeben von Fluten von schmutzigem, braunem Wasser. „Du bleibst in den Stürmen stehn…“, singt Schönstatt weltweit seit Jahrzehnten, und auch wenn damit zunächst die Gottesmutter gemeint ist, darf es auch aufs Urheiligtum angewendet werden. Aber da ist noch mehr…

„Ein missionarisches Herz“, so Papst Franziskus in Evangelii Gaudium, „weiß, dass es selbst wachsen muss im Verständnis des Evangeliums und in der Unterscheidung der Wege des Geistes, und so verzichtet es nicht auf das mögliche Gute, obwohl es Gefahr läuft, sich mit dem Schlamm der Straße zu beschmutzen“ (EG 45). Bei der Messe in Paraguay hat Papst Franziskus erlebt, wie Tausende von Menschen bis zu den Knöcheln im Schlamm standen und Jesus Christus feierten…

Das Urheiligtum, unser schönes Urheiligtum und unsere Marienau, mit dem Schlamm der Straße (oder des Wambach) beschmutzt.

Kurz nach dem Jubiläum 2014 sagte Weihbischof Dr. Michael Gerber:

„Die Geburtsstunde Schönstatts vollzieht sich hier im Heiligtum und  sie vollzieht sich wenig später an ganz anderen Orten. Zugespitzt  können wir sagen: Schönstatt ist im Matsch geboren. Im Schlamm der  Schützengräben von Verdun, Merville und Cambrai, im Matsch der  Plantagen im Dachauer Moos. Ich glaube, es tut uns, die wir in  friedlicheren Zeiten aufwachsen, gut, ab und zu als geistliche Übung  an jene Orte zu gehen und uns den Dreck und den Schlamm, der dort  vorherrschte, sowohl in den Kleidern als auch in den Seelen, zu  vergegenwärtigen … Der Weg der Gründung führt geradewegs in den Matsch.“

Und das Liebesbündnis hält den Schlamm nicht nur aus, es wächst darin…

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Fotos: Zillekens

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