Columna P. Enrique Grez López

Veröffentlicht am 2021-10-16 In Kolumne - P. Enrique Grez López, Themen - Meinungen

Parallele Mütter: Die Wege des Lebens

P. Enrique Grez •

Einmal mehr hat Almodóvar viel zu erzählen. Die Geschichte fließt zügig und gibt uns gerade genug Informationen, um den Faden dieses filmischen Romans über Erinnerung, Mutterschaft und Opfer zu verfolgen. —

Grez

Screenshot aus dem Film über imdb.com

Yanis ist eine reife, kompetente und frische Frau, die entschlossen ist, diejenigen nicht zu vergessen, die sie auf die Welt gebracht haben. Sie ist besessen davon, das Grab ihres Großvaters zu finden, der im Bürgerkrieg gefallen ist. Ana hingegen ist ein junges Mädchen. Sie ist tatsächlich minderjährig. Ihre Geschichte ist kurz und knapp, ebenso wie die Zuneigung ihrer Familie. Ana hat ihr Leben noch vor sich und erinnert sich an sehr wenig, fast nichts. Vielmehr will sie vergessen.

Sie treffen sich im Kreißsaal. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, es sind zwei Lebenshaltungen: die eine lächelnd und natürlich, die andere zu Tode erschrocken. Die Geschichte wird miteinander verwoben, bis wir an einem Scheideweg stehen: Yanis und Ana bewegen sich gleichzeitig in der Zeit vor und zurück, sie erinnern und projizieren, sie fühlen vieles.

Es fällt mir schwer, zu sagen, was mir an dem Film gefällt, ohne die Geschichte auszubreiten, ohne einige Details zu erzählen, die, wenn man sie dem Leser vorsetzt, den Charme der Geschichte zerstören würden. Und das wäre eine Sünde. Darin liegt die Größe des Films. Es ist ein Werk, das sich stark auf sein Drehbuch voller unerwarteter Wendungen stützt. Madres Paralelas (deutscher Titel: Parallele Mütter) ist ein etwas barocker Roman, der mit Bildern, Bewegungen und Dialogen erzählt wird; ein Roman, der um widersprüchliche und liebenswerte Figuren herum aufgebaut ist. Da ist zum Beispiel Elena (Rossy de Palma), die Freundin von Yanis.

Das erinnert an die Erzählungen des Alten Testamentes

Dies ist das Werk eines reifen Almodóvar, der mit seinem ganzen Stil glänzt. Die Dekoration von Wohnungen und Zimmern ist einfacher geworden, aber deswegen nicht weniger intensiv. Ich betone die Verwendung von satten und intensiven Farben. Es sind die Lieblingsfarben des Regisseurs: Karminrot, Aquagrün und Hellgelb, die die Hintergründe der Szenen einnehmen und einen Kontext der Reinheit schaffen, der seinen Porträts sehr angemessen ist. Der Sinn des Regisseurs für Farben ist exquisit, und allein deshalb lohnt es sich, den Film im Kino zu sehen.

Im Film finden sich viele der Archetypen des Autors wieder, die auch in anderen Filmen zu finden sind: die Menschen, die Spannung, die Familiengeschichten, das Queere, das Camp und vor allem die Frauen. Sie repräsentieren einen gewissen Höhepunkt der Menschheit, dem es nicht an Kraft und Weisheit mangelt. In „Parallele Mütter“ steckt all das und noch mehr: eine große Bewunderung für die Fähigkeit der Frauen, ihre Herzen zu weiten. Es ist ein Werk voller Nuancen, mit Figuren, die durchlaufen, reifen und Prozesse machen. Die Themen, die sich durch das Drehbuch ziehen, stehen für biblische Fragen wie Respekt vor den Eltern, Opferbereitschaft und Versöhnung. Es ist bis zu einem gewissen Grad unmöglich, sich nicht an wichtige Episoden aus dem Alten Testament zu erinnern, wie die von Hannah oder das Urteil Salomos selbst.

Ich denke, die Frage, die den Film durchzieht, ist die nach dem Verhältnis der Frauen zum Leben. Das Leben der Eltern und Vorfahren wird bei der Ausarbeitung der Erinnerung aufgearbeitet, aber auch die Beziehung zum eigenen Leben, zu den eigenen Wegen, zum Wachstum und zu den Beziehungen. Letztlich ist es eine Beschreibung der Beziehung zum Leben, die entsteht, die begrüßt und verabschiedet wird, die umarmt und mit einem wichtigen Anteil an Verzicht und Zärtlichkeit begleitet wird.

 

Technische Details

REGISSEUR: Pedro Almodóvar
JAHR: 2021. Kinostart in Deutschland: Januar 2022
TITEL: Madres Paralelas (Parallele Mütter)
LAND: Spanien
CAST: Penélope Cruz, Milena Smit, Israel Elejalde, Rossy de Palma, Aitana Sánchez-Gijón
GENRE: Drama
AUSZEICHNUNGEN: Nominiert für den Goldenen Löwen in Venedig für den besten Film
AUFFÜHRUNG: Kinos

 

 

 


Hinweis: Der Autor dieser Kolumne beurteilt die Filme nicht nach einer moralischen Wertung des Inhalts. Auch schlägt er kein Mindestalter vor. Im Allgemeinen handelt es sich um Filme für Erwachsene. Es wird empfohlen, die auf den Plattformen verfügbaren Leitlinien zu prüfen.

Original: Spanisch, 15.10.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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