Veröffentlicht am 2020-06-22 In Laudato Si, Themen - Meinungen

Wenn wir gute Schönstätter sind, sind wir Ökologen

Pilar Andrade, Spanien •

Das Thema Umweltschutz stört viele Menschen. Sie finden die Demonstrationen, bei denen Tausende von Menschen – vor allem Jugendliche – auf die Straße gehen und Maßnahmen zur Verhinderung einer Umweltkatastrophe fordern, übertrieben. Vor allem Greta Thünberg geht ihnen auf die Nerven: Wie kann eine halbwüchsige Göre Regierungschefs Lektionen erteilen? In Spanien, von wo aus ich schreibe, assoziieren viele den Umweltschutz mit der extremen Linken und damit mit einer politischen Ideologie, deren historische Wurzeln der Ökologiebewegung nicht nur fremd sind, sondern sogar im Widerspruch zu einigen Aspekten der uökologischen Mentalität stehen.—

Die Enzyklika von Papst Franziskus und die ihr kürzlich von Katholiken in aller Welt gewidmete Woche fordern uns jedoch auf, das Thema nicht so schnell ad acta zu legen, es erneut mit Aufmerksamkeit zu betrachten und dabei politische Konnotationen beiseite zu lassen.

Konkreter gesagt, wir Schönstätter sollten ihm ein wenig Zeit widmen.

Ökologie steht im Zentrum von Kentenichs Denken

Warum? Weil die Umweltkrise ernst ist, weil die Armen diejenigen sind, die am meisten unter der Krise leiden und leiden werden, und weil der Umweltschutz im Mittelpunkt von Kentenichs Denken steht. Letzteres kann nicht im Rahmen eines kurzen Artikels entwickelt werden, aber es ist erwähnenswert, dass Begriffe wie Bindungsorganismus, Koexistenz von Vernunft und Seele oder Lebensprozesse unter sehr ähnlichen Namen von den meisten Umweltphilosophien durchaus akzeptiert werden. Sie alle beziehen sich, wie Pater Kentenichs berühmter Gegensatz zwischen Mechanismus und Organismus, auf die Kritik am Dualismus, d.h. auf die Ablehnung einer getrennten und reduktionistischen Herangehensweise an unsere Existenz in der Welt und das Verständnis davon. Jeder solide und gut argumentierte ökologische Gedanke drängt uns, wie den Gründer unserer Bewegung, die Affekte nicht vom Verstand, das Körperliche nicht von der Seele, das Sein nicht vom Handeln zu trennen.

Zu diesen Ideen kam Pater Kentenich nach einem langen und komplexen Reifeprozess. Tiefe persönliche Erfahrungen (die Stimmen des Seins) und historische Ereignisse (die Stimmen der Zeit) trafen in ihm zusammen; beide Erfahrungen brachten ihn dazu, seine Art zu denken und sich der Existenz zu stellen, zu verändern.

Was Ersteres anbelangt, so wissen wir, dass seine Charaktereigenschaften wie Strenge und Disziplin nuanciert und umgelenkt werden mussten, um Verbündete seines Erfolges und Anlass zur Bewunderung zu werden. Auch die übertriebene Betonung der intellektuellen Arbeit wurde nach und nach mit der emotionalen Sphäre und der Schaffung starker Bindungen im Leben verbunden, unter dem Drang nach Verbesserung.

Und was Letzteres betrifft, was uns jetzt mehr interessiert, so dienten die historischen Veränderungen als Referenz für seine Reflexion und seine Pädagogik, die mit der Hand am Puls der Zeit ausgearbeitet wurde. Seine Kritik an Totalitarismen oder autoritären Regierungsformen, die sich auf eine einzige Partei und eine starke polizeiliche Repression stützen und Angst und Propaganda als Werkzeuge einsetzen, und am Kapitalismus oder Marktmechanismus, der sich auf eine unbegrenzte Produktion für den Massenkonsum ausrichtet, führte ihn dazu, neue Denkgewohnheiten zu schmieden und sehr riskante, gewagte vitale Einstellungen einzunehmen.

Aktivitäten im Geiste von Laudato Si‘, Schönstatt-Bewegung Costa Rica

Stimmen der Zeit: Wichtige Neuerungen in unserer Zeit

Seinem Beispiel zu folgen, bedeutet jedoch, sich zu fragen, worin die Herausforderungen unserer Zeit bestehen, die sich nur teilweise mit denen der seinen decken. Denn unsere Zeit hat zwei grundlegende Neuerungen gebracht, die unsere größte Aufmerksamkeit erfordern.

Eine dieser Neuerungen besteht darin, dass Technik und Technologie mittlerweile tentakelartig, überbordend geworden sind. Sie bieten uns gigantische Möglichkeiten in allen Bereichen: Medizin, Energie, Landwirtschaft, Kommunikation… Aber aus eben diesem Feld der unendlichen Möglichkeiten entziehen sie sich unserer Kontrolle oder werden ihr entzogen, und eine der Formen dieser Ermächtigung sind die tatsächlichen und potenziellen Schäden, die der Natur zugefügt werden.

Die zweite Neuheit ist die extreme Globalisierung, die die Pandemie sehr deutlich und ohne den Schatten eines Zweifels gezeigt hat. Jede unserer Aktionen hat einen ungeahnten Schmetterlingseffekt, weil alles und jeder miteinander verflochten ist (ein Konzept, das übrigens dem Begriff „Ökologie“ zugrunde liegt). Wenn ich die Farbreste in einen Eimer schütte und sie zur Problemstoffsammlung bringe, anstatt sie mit in den Restmüll zu werfen, oder wenn ich bei der Säuberung eines Strandes helfe (eine Aktion, die einige Schönstätter bereits unternommen haben), werde ich vielleicht mithelfen, das Meer, in dem ein Fischer aus Burma täglich arbeitet, nicht zu vergiften. Und außerdem werde ich mitarbeiten, damit der Magen eines Basstölpels, der Teil der Schöpfung ist und auch von Gott gewollt ist, nicht mit Dreck gefüllt wird.

Eine entspannte und offene ökologische Mentalität ist nicht nur mit unserem Charisma vereinbar, sondernTeil desselben

Meiner Meinung nach sollten uns diese, unter all den neuen Realitäten, besonders herausfordern. Beide haben das, was punktuelle Probleme waren, die punktuelle Verantwortlichkeiten verursachten, in planetarische Probleme umgewandelt, die alles betreffen, einschließlich der zukünftigen (menschlichen und nicht-menschlichen) Lebewesen, und sie werfen die Verantwortung auf jeden einzelnen von uns und auf uns alle als Kollektiv. Auch auf das Kollektiv derer, die die Bewegung bilden.

Ich glaube aufrichtig, dass diese Größenordnungen oder Stimmen der Zeit uns Schönstätter dazu bringen sollten, uns zu verändern und Ferment von Umkehr, Apostolaten und Anliegen zu sein. Eine entspannte und offene ökologische Mentalität ist nicht nur mit unserem Charisma vereinbar, sondern ist Teil desselben. Deshalb fordert uns die Umweltkrise besonders heraus. Und als konkretes aktuelles Zeugnis, und damit komme ich zum Schluss, beziehe ich mich auf einen kürzlich auf dieser Website veröffentlichten Artikel, in dem Bettina Betzner mutig ihr persönliches Abenteuer der „ökologischen Konversion“, wenn wir es so nennen wollen, erzählte. Sie hat uns konkrete Richtlinien gegeben, um den Weg zu ebnen.

 

Ein Heiligtum inmitten der Natur (Ciudad del Este, Paraguay)

Original: Spanisch, 19.06.2020. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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