Veröffentlicht am 25. November 2019 In Themen - Meinungen, Zeitenstimmen

Wege suchen und uns für Chile engagieren

CHILE, Reflexion des Landespräsidiums •

In einer Botschaft an die ganze Schönstattfamilie in Chile und mit der Bitte des Nationalsekretariats und des Bewegungsleiters an die Redaktion von schoenstatt.org, diese weltweit zu verbreiten, bietet das Landespräsidium von Chile sieben Reflexions- und Orientierungspunkte über die gesellschaftspolitische Situation, die das Land in diesen Wochen erlebt. Es waren Tage nicht nur von Konfrontationen auf den Straßen des Landes, sondern auch von intensivem und teils stürmischem Austausch unter den Schönstättern.

Es gibt viele, die in den vielfältigen Protesten einen starken Aufruf finden, den Stimmen der Zeit aufmerksamer zuzuhören und persönlich und gemeinschaftlich „eine persönliche und gemeinschaftliche Bekehrung mit sozialen Folgen“ sehen und eine Herausforderung “ im Lichte dieser Stimme der Zeit uns (unsere pastoralen Entscheidungen, unsere Lebensweise, unsere soziale Mitverantwortung) zu hinterfragen“. Ein Spiegelbild dieses „Erwachens“ sind die auf schoenstatt.org veröffentlichten Artikel mit ihren vielen Kommentaren und Antworten, nicht nur aus Chile.

 


 

Bellavista, 10. November 2019

 

Liebe Familie,

 

“Mutter mit dem Himmelskinde,
steig herab auf Chiles Fluren,
dass es, folgend euren Spuren,
dauernd wahren Frieden finde.
Mutter und Kind, in Liebe verbunden:
Vaterland, so nur kannst du gesunden. Amen.
Als Landespräsidium (Obere und Vertreter der Institute, Verbände und Ligagemeinschaften) haben wir uns im Schatten unseres Coenaculum-Heiligtums in Bellavista versammelt, um zu beten, zu diskutieren und uns über den Prozess in dem Land, in dem wir leben, auszutauschen. In diesem Sinne wollen wir einige Früchte dieses Austauschs teilen:

 

  1.   Wir leben einen Prozess, der uns auf progressive und beschleunigte Weise ein tiefes soziales Unwohlsein gezeigt hat: Es gibt Bedürfnisse, Wunden und soziale Brüche, die Ausdruckskanäle, Reflexionsräume und Lösungswege suchen. In diesem Sinne besteht die Herausforderung – in all der Vielfalt, die wir vertreten – darin, Zeichen der Begegnung und Hoffnung sein. Der „Kreuzzug“ für gesunde Bindungen, von dem wir in Blick auf den 31. Mai so oft reden, bezieht sich auch auf das soziale Gefüge, und diese Krise zeigt uns die Notwendigkeit, Bindungen nicht nur innerhalb der Familie und der Kirche, sondern in allen Lebensbereichen zu heilen: Arbeit, Bürgerbeziehungen, öffentlicher Raum, Wirtschaft, Politik, Gesundheit, Bildung, Zukunft in Bezug auf Chancen und Möglichkeiten. Es gibt eine Herausforderung für die Würde der Person und der menschlichen Beziehungen. Es gibt einen Ruf nach sozialer Gerechtigkeit, der die Anerkennung der Würde eines jeden Menschen verlangt.
  2. Große Protagonisten dieses Prozesses waren und sind die Jugendlichen, die all ihre Kraft und Überzeugung zeigen, Akteure des Wandels zu sein, aber auch in seiner komplexesten Facette, einer Radikalisierung, in der Frustration und Intoleranz zu Tage treten. Viele junge Menschen werden durch momentane Impulse und die sozialen Netzwerke bewegt, was uns zu einem Dialog herausfordert, der ihnen hilft, sich auch von Idealen und dem Gemeinwohl motivieren zu lassen.
  3.  Unsere Heiligtümer und Bildstöcke waren Räume des Gebets, der Begegnung und des Opfers, doch sie müssen auch Orte des Dialogs und der Begegnung sein, um prophetisch auf die Ereignisse zu schauen, gemeinsam zu unterscheiden, um gemeinsame Wege und Verpflichtungen für das Vaterland zu suchen, Räume des Friedens und für den Frieden.
  4.  Der Prozess, in dem wir leben, ist weder zufällig noch vorübergehend, daher ist es eine Gelegenheit zur persönlichen und gemeinschaftlichen Bekehrung mit sozialen Folgen; das Land wird nicht das gleiche sein, und jeder von uns auch nicht. Ein Prozess, der Früchte trägt, in Offenheit und Bereitschaft, die dringend notwendigen Veränderungen zu konkretisieren. Ein Prozess, der uns als Familie auch dazu herausfordert, uns (unsere pastoralen Möglichkeiten, unsere Lebensweise, unsere soziale Mitverantwortung) im Lichte dieser Stimme der Zeit zu hinterfragen. Die Soziallehre der Kirche und unseres Gründers muss wiederentdeckt, geschätzt und angewendet werden.
  5. Wir haben hilflos die Schattenseiten dieses Prozesses gesehen und erlebt: Gewalt, Zerstörung, Erschöpfung und Intoleranz, Verlust von Menschenleben, viele Verletzte und eine vollkommen überforderte öffentlichen Ordnung. Dahinter verbirgt sich ein Mangel an Führung, ungelöste Polarisierungen und ein Vakuum transzendenter Bedeutung, das zur Konfrontation, zur Zerstörung öffentlicher Güter, des öffentlichen Raumes, der öffentlichen Symbole, der Räume und Symbole von Anbetung und Glauben führt. Diese Gewalt kann nicht weitergehen, denn sie verletzt unsere nationale Seele.
  6.  Es ist ein Prozess, der uns mit der Hoffnung erfüllt, so viele echte Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken, aber auch mit Unsicherheit wegen seiner Entwicklung und Folgen. Deshalb haben wir als Landespräsidium den Wunsch und die Notwendigkeit bekräftigt, die Gottesmutter zu krönen: unsere Hilflosigkeit mit der Kraft der Gottesmutter zu vereinen, damit sie sich mit ihrer Kraft als Mutter, Königin und Erzieherin unseres Landes manifestieren kann.
    Am Ende unserer Begegnung haben wir sie mit den Worten unseres Vaters vor 70 Jahren in Bellavista gekrönt. Wir laden alle ein, sich dieser Strömung anzuschließen, die die Grundlage für die Suche nach Wegen und unser Engagement für Chile sein wird.
  7.  Hier eines der Gebete, die aus unserer Begegnung hervorgegangen sind:

Königin,

in dieser Stunde der Hoffnung und Dunkelheit
kröne du dich zur Königin der Begegnung und des Friedens, damit ein neues Chile entsteht:
gerechter, solidarischer und geschwisterlicher, ein Vaterland als Familie.

 

Landespräsidium

Schönstatt – Chile

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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