Veröffentlicht am 26. März 2018 In Kommunikation, Themen - Meinungen

Wie ich als Journalistin die Botschaft des Papstes aufnehme

Von Verónica Gutiérrez •

Verantwortung für die Wahrheit

Veronica Gutiérrez, Chile, Journalistin, Mitglied der Redaktion von schoenstatt.org

Seit zwei Jahren bin ich Journalistin und schon viel länger davon begeistert. Ich habe noch keine große Berufserfahrung, doch zusammen mit dem Studium komme ich auf sechs Jahre. Wenn man zu der Zeit die Jahre dazu nimmt, die ich auf die Medien geachtet habe, sind es noch mehr. Heute möchte ich etwas sagen zu dem, was Papst Franziskus zu den Medien sagt, was mich ganz persönlich angesprochen hat.

In seiner Botschaft zum 52. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel definiert er Kommunikation als „Raum, in dem die eigene Verantwortung für die Wahrheitssuche und den Aufbau des Guten zum Ausdruck kommt“…

Die eigene Verantwortung

Als Journalisten übernehmen wir eine bedeutende gesellschaftliche Rolle. Wir kommunizieren, damit andere Entscheidungen treffen können. Das ist die erste Aufgabe unserer Zunft. Wenn die Aktien an der Börse fallen oder steigen, wenn es eine neue Regierungspolitik gibt, ein Unrecht aufgedeckt wird, dann berichten wir darüber, damit der Leser, oder wenigstens eine Gruppe von Lesern, tätig werden kann. Wir haben eine Verantwortung und es ist unsere Pflicht, diese zum Ausdruck zu bringen, aber in Wahrheit.

Diese Wahrheit ist in sich zerbrechlich. Manchmal werde ich gefragt, wie man objektiv sein kann als Journalist, und ich antworte schlicht: „Kann man nicht.“ Wenn es an der Straßenecke einen Unfall gibt und ich darüber berichte, dann werde ich mich wahrscheinlich auf die Polizei am Unfallort konzentrieren, auf das, was die Feuerwehrleute sagen, vielleicht auch auf die Zeugnisse der Unfallopfer. Ein anderer Journalist wird sich vielleicht auf die Rechtsmittel konzentrieren, die das Unfallopfer ergreift; noch ein anderer kann sich auf die wirtschaftlichen Folgen des Unfalls konzentrieren; und noch jemand könnte vor allem die Geschichten des Opfers, des Schuldigen und der Zeugen berichten … Alles hängt vom eigenen Kriterium und der Redaktionslinie ab. Aus diesem Grund müssen wir uns fit machen, um der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen: alle Beteiligten fragen, die Zeugnisse nicht verzerren, ganz genau beobachten.

Gesellschaftliche Rolle oder soziale Netzwerke

Mit den sozialen Netzwerken verliert diese Suche nach Wahrheit Kraft, denn man kämpft Kopf an Kopf mit den Fake News oder einfach mit mies oder gar nicht recherchierten Informationen, die bestenfalls Hörensagen und im schlimmsten Fall Hasspropaganda sind. All diese Veröffentlichungen wollen alles andere als informieren. Sondern eher desinformieren. Es sind eindeutig tendenziöse und verzerrte Nachrichten. Sie stellen eine politische oder wirtschaftliche Gruppe schlecht dar, nur um Schaden anzurichten.  Und nicht nur ihre Veröffentlichung richtet Schaden an, sondern auch das „Teilen“, „Re-Tweeten“ oder „Posten“ ist übel und schuldhaft. Es erzeugt Wellen von Ärger, von Auseinandersetzungen in den sozialen Netzwerken, von Hasskommentaren und Reaktionen von Gewalt und Zerstörung. Und oft genug bewirken sie ein Verhalten, das der eigenen Gesundheit und der von anderen Schaden zufügt.

Der Papst betont: Die Wahrheit wird euch frei machen, in Anlehnung an das Johannesevangelium. Es ist unmöglich, die absolute Wahrheit zu finden, aber es ist einfach, eine Fake News, eine Falschnachricht zu erkennen. Wenn wir es mit einem offiziellen Medium oder anerkannten Medien mit gutem Ruf zu tun haben, dann können wir deren Arbeit in der Regel trauen. Wenn wir aber Nachrichten von Portalen mit eigenartigen Namen wie „Sputnik“, „RT Deutsch“ oder „Huffington Post“ finden, das Bild nichts mit der Nachricht zu tun hat, dann gilt es, nicht in die Versuchung des Re-Tweetens, Postens und Teilens zu fallen.  Wie oft sehen wir im Fernsehen, wie Autoritäten aus Staat und Kirche bitten, dieses oder jenes Medium zu ignorieren, weil dessen Informationen einfach falsch sind.

Die Pflicht zu informieren

Andererseits zieht der Papst auch die Medien insgesamt kräftig an den Ohren. In der täglichen Raserei, die ersten zu sein, die die Schlagzeile bringen, vergessen viele, die notwendigen Bestätigungen abzuwarten oder Nachrichten aus ehrlichen Absichten zu bringen und stützen sich lieber auf den Skandal oder dem Wunsch, Eindruck in den sozialen Netzwerken zu machen. Noch schlimmer ist es, wenn man die Pflicht zu informieren mit Show und Unterhaltung verwechselt.

So füllen dann die Klatsch- und Tratschgeschichten der Promis, die sexuellen Vorlieben und Beziehungen von Fernsehstars oder Tiere mit rührend-wundersamen Fähigkeiten die Internetportale, Zeitungen und Nachrichtensendungen. Danach wollen dann auch andere Medien Teil dieser Klickwelle sein und veröffentlichen die gleiche Nachricht oder ähnliche. „Welle von Infektionen in Chile“, „Und nun hat auch Sternchen XYZ die Grippe“, „Wie leiden die Infizierten“ und schließlich „Das tragisch infizierte  Hochlandkalb“ – bis das Thema wirklich nichts mehr hergibt.

Der Papst ruft auch auf zu einem Journalismus des Friedens. Wenn er nur wüsste, wie schwierig das ist! Vor ein paar Jahren schrieb ich Kolumnen für ein Medium, das sich auf „positive Nachrichten“ spezialisiert hatte. Sie veröffentlichten nichts, das nicht positiv war – eine Art Flucht vor all dem Elend. Einmal pro Woche habe ich mir den Kopf zerbrochen, welche „positive Kolumne“ ich schreiben könnte. Ich durchforstete Portale und Medien aller Art und alles war ein einziges Elend: streitende Abgeordnete, streitende Promis, streitende Leute auf der Straße, streitende Talkshowgäste … Am Ende war ich mehr sauer als ruhig und ohne irgendeine Idee, was ich schreiben sollte. Es ist viel leichter, das Leben unter der Prämisse „Aber“ zu sehen. „Es war lecker … ABER.“ Gute Nachrichten aus der Politik bringen bedeutet für die Opposition, einen Verdienst der politischen Gegner anzuerkennen. Und genauso gilt es für Wirtschaftsgruppen, gesellschaftliche Gruppen, verschiedene Seiten. Niemand möchte Kompromisse eingehen.

Es gibt natürlich offensichtlich negative Nachrichten. Wenn irgendwo ein Erdbeben ist, dann kann man nichts anderes tun, als von der Katastrophe berichten – und erst recht ich als Chilenin, wo ständig die Erde bebt. Doch auch in diesen Fällen gibt es gute Aspekte: Menschen, die sich organisieren und einander helfen, Solidarität, Nächstenliebe.

Wir müssen informieren, wir müssen unsere Arbeit so ehrlich wie möglich tun, und dabei versuchen, nicht auf die Gewaltschiene aufzuspringen, wie sehr unsere Zeit auch mehr nach Krieg als nach Frieden gestimmt ist.

Wenn wir als Journalisten unsere Arbeit gut machen, die Quellen gut und gründlich nutzen und nicht nur auf Klickzahlen aus sind, sondern auf solide, gute, belastbare Information, dann geht der Rest der Arbeit seinen guten Weg. Eine gut gemachte Arbeit bringt die gleichen oder noch bessere Ergebnisse.

 

BOTSCHAFT VON PAPST FRANZISKUS
ZUM 52. WELTTAG DERSOZIALEN  KOMMUNIKATIONSMITTEL

»Die Wahrheit wird euch befreien« (Joh 8,32).
Fake News und Journalismus für den Frieden

 

Foto oben: Deniz Bayram, www.denizbayram.com.tr, iStockGetty Images, licensed for schoenstatt.org

Kein Raum für bequemes Wegdelegieren: Unsere persönliche Verantwortung für die Vermittlung der Wahrheit

Die Kommunikation der Wahrheit

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