Veröffentlicht am 23. Dezember 2016 In Themen - Meinungen

Fürchtet euch nicht (Lk 2, 10)

Maria Fischer •

Ein schwarzes Titelblatt, darin mittig ein Foto des Brandenburger Tores in Berlin, in den Landesfarben Deutschlands angestrahlt: So erschien die Wochenausgabe der „Berliner Morgenpost“ am Mittwoch, dem 21. Dezember, zwei Tage nach dem Terroranschlag von Berlin. In großen weißen Buchstaben steht unter dem Foto:

Fürchtet euch nicht

Lukasevangelium Kapitel 2, Vers 10

 

Wenn mitten hinein in die vorweihnachtliche Stimmung ein Lastwagen fährt und 12 Menschen tötet und über 50 schwer verletzt, wenn dieser Lastwagen das Gefühl von Sicherheit kaputtfährt wie die erleuchteten Buden auf dem Weihnachtsmarkt, dann ist es für Politiker und für Journalisten und Priester, für alle, von denen die verängstigten und darum für Hassparolen anfälligen Menschen Deutung erwarten, so schwer, die richtigen Worte zu finden.

Wenn Aleppo in Trümmer fällt, wenn Zehntausende Menschen dort nicht mehr wissen, wohin sie fliehen sollen, wenn Venezuela verhungert und der bald mächtigste Mann der Welt über Twitter die atomare Aufrüstung ankündigt, wenn ein ganzes Fußballteam stirbt, weil man Treibstoff sparen wollte und die blutigen Kämpfe im Kongo vor lauter anderen Katastrophen schon gar nicht mehr in die Medien kommen, dann gehen einem die Worte aus und die Flut der kitschigen tausendfach geteilten digitalen Weihnachtsgrüße nur noch auf die Nerven.

Die Journalisten der Berliner Morgenpost – sicher keine Kirchenzeitung! – greifen zurück auf ein Wort, das 2000 Jahre alt ist, auf das Wort, das die Engel den Hirten auf dem Feld von Bethlehem zugerufen haben.

Fürchtet euch nicht.

Vielleicht bleibt in der Lawine der durch inflationären Gebrauch abgenutzten Worte nur noch das Wort. DAS WORT, das Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat und immer noch unter uns wohnt, mitten in dieser und nicht in einer idyllischen Parallelwelt. Das Wort, Jesus Christus, das Kind von Bethlehem, der einzige Grund, der uns dieser Welt und jedem Menschen sagen lässt: Fürchtet euch nicht. Das ist die Freude am Evangelium, jetzt und hier und in der realen Welt.

Die Botschaft der Weihnachtsgeschichte

Die Berliner Morgenpost erklärt ihr Titelbild:

„Unversehens hat uns die Todesfahrt vom Breitscheidplatz das Weihnachtsfest mit seinem ursprünglichen Sinn nähergebracht. Was ist all der Geschenkewahn gegen den Wert einfachen, guten, sicheren Zusammenseins? ‚Friede auf Erden‘, fordern die himmlischen Heerscharen, vor allem aber: ‚Fürchtet euch nicht‘. So lautet die ewig richtige Botschaft, Trost und Auftrag gleichermaßen.“

Am Tag nach dem Terroranschlag von Berlin schrieb Jasper von Altenbockum, Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik der FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) in einem Kommentar:

Bei allem Kitsch und Kommerz breiteten die Weihnachtsmärkte eine Stimmung aus, die einer Gegenwelt des Terrorkriegs entspringt, der dem Westen mit solchen Attentaten erklärt wird. Tun sie das nun nicht mehr? Soll man jetzt, in den Tagen bis Heiligabend, ein trotziges Christbaumleuchten gegen Mord, Tod und terroristische Finsternis setzen? Es war richtig, nach den vergangenen Terroranschlägen nur einzelne Großveranstaltungen abzusagen, ansonsten sich aber nicht aus der Fassung bringen zu lassen. In Frankreich aber hat sich die Angst schon festgefressen. In Deutschland wird das nun nicht anders werden.

Kann noch jemand so einfach sagen: Frohe Weihnacht? Nach dem Anschlag von Berlin fällt das schwer, ist es für viele unmöglich. Trost spendet in solchen Zeiten vielleicht nicht mehr der Weihnachtsmarkt, wohl aber die Botschaft der Weihnachtsgeschichte.

Fürchtet euch nicht.

Bethlehem, West Bank, Palestine: Church of the Nativity - Grotto of the Nativity - Silver star marking the place where Jesus was born according to Christian tradition - Latin inscription read 'Here of the Virgin Mary Christ was born' - photo by M.Torres

Die Geburt Jesu: Lukas 2,1-20

21 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

6 Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,

7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

8 In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

9 Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,

10 der Engel aber sagte zu ihnen:

Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

14 Verherrlicht ist Gott in der Höhe /

und auf Erden ist Friede / bei den Menschen seiner Gnade.

15 Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.

16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.

17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war.

18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.

19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.

20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Gesegnete Weihnachten. Fürchtet euch nicht.

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