Veröffentlicht am 17. Mai 2016 In Themen - Meinungen

Familie, Gottes Traum

P. Guillermo Carmona, Bewegungsleiter der Schönstattbewegung in Argentinien •

Vor einigen Wochen veröffentlichte Papst Franziskus sein Schreiben über Ehe und Familie: Die Freude der Liebe. Eine Hymne auf das Leben und die Hoffnung. Es ist gut, es bald zu lesen, am besten noch während der Osterzeit, wenn das Licht in der Dunkelheit leuchtet. Ich könnte dieses Schreiben umbenennen „Das Evangelium von der Familie“. Diese Frohbotschaft gilt für uns alle, die wir Schönstattfamilie sind und gestalten.

Der Papst spricht über die Familie als „Gottes Traum“, und betont, dass das, was „am schönsten, am größten, am anziehendsten und zugleich am notwendigsten ist“, immer „die Mitte der Evangelisierungstätigkeit […] bilden“ müsse.

Mir erscheint es passend, diesen Bündnisbrief zu verwenden, um einige der Konzepte dieses Dokumentes, die sehr mit dem Denken Pater Kentenichs übereinstimmen, zu nennen und in den Alltag zu übertragen. Der Schritt von der Theorie in die Praxis, oder anders ausgedrückt, die pädagogische Dimension, war immer und wird immer der schwierigste Aspekt in Schönstatt und in der Kirche sein. Auch von uns hängt es ab, eine Familie zu bilden, in denen die „Freude der Liebe“ spürbar wird.

Die Familie ist keine idyllische oder utopische Realität. Um eine Familie zu bauen ist es notwendig, Haltungen zu pflegen, die Ausdruck der Barmherzigkeit des Vaters sind, durch die wir herausgehen wollen zur Begegnung mit den Nächsten. Ich kann sie zusammenfassen als sieben „Sakramente der Liebe“, die Gnaden schenken, wenn wir sie verkörpern:

1. Beginne mit dem Dialog.

Ohne gute Kommunikation gibt es keine Familie, nur eine Gruppe von Inseln. Manchmal müssen wir die Mauer des Schweigens brechen, aber auch wissen, wie man zuhört. Beides. Ich habe einmal gehört, dass es Akademien gibt, die die Menschen „Redekunst“ lehren, aber nicht „Hörkunst“: ein erfundener Ausdruck, der beides zugleich ist, ein Wortspiel und sehr real. Wir sind umgeben von Kommunikation, aber uns fehlt eine persönlichere Kommunikation, die entsteht, wenn wir in Blickkontakt miteinander kommen, unsere Handys weglegen und Aufmerksamkeit schenken.

2. Die Familie wächst, wenn wir bereit sind zu dienen.

Dienen heißt, die Bedürfnisse der anderen zu kennen und – in dem Maße wie es möglich und gesund ist – zu versuchen, sie zu befriedigen. Wir müssen das Gute tun, sagt der Papst: Das erfordert ein wenig Selbstverleugnung und Selbstlosigkeit. P. Kentenich pflegte zu sagen: Wer dient, regiert.

3. Die dritte Voraussetzung ist Achtung, die einschließt, andere so zu respektieren wie sie sind, ohne zu versuchen, sie in meine Form einzupassen.

Respekt ist, das „Du“ zu erheben, ist zu wissen, dass alle Menschen als Kinder des Vaters die Frucht seiner Liebe und Güte sind, und sie folglich auch so zu behandeln.

4. Andererseits erfordert die Freude der Liebe Vertrauen zu haben und zu geben.“

Es tut uns gut, wenn uns jemand sagt: „Ich kann dir vertrauen“. Die andere Person fühlt sich auch gut, wenn wir ihr vertrauen, unsere Seele öffnen und unsere Freuden, Ängste und Wünsche mitteilen. Vertrauen ist oft zerstört – wenn wir andere enttäuschen oder selbst enttäuscht werden. Und auch wenn es schwierig ist, dieses Vertrauen wiederherzustellen – das ist eine Selbsthingabe an ein „du“ -, ist es nicht unmöglich, wenn es edle und aufrichtige Herzen gibt.

5. Akzeptanz und Verständnis

Wir sind unterschiedlich, wir haben verschiedene Temperamente, Geschichten und unterschiedliche Familientraditionen. Das macht uns einmalig und deswegen fähig, einander zu ergänzen. Deshalb ist es gut, sagt der Papst, den anderen Zeit zu geben, wohl wissend, dass die besten Früchte eine reife und wesentliche Entwicklung brauchen. Lob und Ermutigung sind Zeichen von Akzeptanz. Ohne Geben und Empfangen von „Zärtlichkeit für die Seele“ wird das Leben immer feindlicher.

6. Die Freude der Liebe ist von Dauer mit Freiheit und Nähe.

Wir brauchen beides: gesunde Autonomie und eine nahe und aufmerksame Präsenz. Das Wagnis von Freiheit ist nicht leicht: es erfordert Vertrauen, Dialog und gemeinsame Werte. Das „Du“ ist ein Geschenk und nicht Eigentum, über das ich nach Belieben verfügen kann.

7. Schließlich, Offenheit für Gottes Gnade.

Nur in Gott können wir neu beginnen: vergeben, weil ER uns vergibt, danken für das Geschenk des anderen und die Begegnung erleben, als sei es die erste, die einzige, die letzte. Das bringt der Familie jeden Morgen Freude.

Ich lade Sie ein, diese Haltungen zu leben, die die Konkretisierung der Barmherzigkeit sind. Beginnen Sie mit einer Gewissenserforschung und machen Sie ein „Partikular-Examen“ während dieser Zeit als Beitrag zur „Freude der Liebe“. Dann macht Sterben und Auferstehen Sinn, wie bei Jesus am Karfreitag und am siegreichen Ostermorgen.

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Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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