Veröffentlicht am 2015-11-20 In Themen - Meinungen

Diese Zeit dürstet nach Vätern

Von Matías Rodríguez/Studenten von Campanario – aus www.jmschoenstatt.cl

Im letzten Jahrhundert argumentierte Pater Kentenich, dass wir eine Epoche ohne Väter erleben. Die unterschiedlichen Krisen, die wir heute erleben, stehen in großer Beziehung zu diesem Mangel an Väterlichkeit. Führung, Aufnahme, Verantwortung für sich selbst, Bildung in Freiheit und Liebe sind Merkmale eines Vaters, die heute bei einem einfachen Blick in unsere Familien, Institutionen und Symbolen der Autorität nicht mehr zu sehen sind.

Jetzt können wir über das, was Pater Josef Kentenich ausgedrückt hat, hinausgehen und sagen, dass wir in einer Epoche der Sehnsucht nach Vätern sind. Wir brauchen Väter in unseren Familien, die den Spannungen in einer Welt, die immer mehr fordert, gesund begegnen. Wir brauchen Väter, die Freunde und Brüder, die verletzt oder bedürftig sind, beraten. Wir brauchen Väter in unserer Politik, die unser Land zu führen wissen, die fähig sind, die Zügel unserer Institutionen in die Hand zu nehmen, und die uns durch ihre Führung in eine bessere Zukunft bringen können. Wir brauchen Väter für unsere Kinder, die sie in den Werten von Freiheit und Liebe zu erziehen wissen. Schließlich brauchen wir Väter, die auf die Herausforderungen der heutigen Welt antworten, und besonders auf die Herausforderungen im heutigen Chile antworten.

Ein Mangel an Vätern

Was sind diese Herausforderungen? Mehrere Studien in Chile geben uns einen klaren Beweis von dem, was als Mangel im Erleben als Kind und als schlechte Vaterschaft erscheint. So sehen wir, dass 25 % der Kinder Objekt von familiärem Missbrauch, Gewalt, Vernachlässigung oder fehlender Förderung sind. In gleicher Weise treten bei 28 % der kindlichen Bevölkerung im Alter zwischen 4 und 11 Jahren psychische Störungen auf. Was für eine Art von Gesellschaft bauen wir für unsere Kinder? All diese schlechten Erfahrungen der Kinder (Gewalt, fehlende Zugehörigkeit, Vernachlässigung, Mangel an Sicherheit und Vertrauen) können in der Zukunft bei einer großen Anzahl Menschen zu einer Verweigerung führen, ihre Rolle als Väter in der Gesellschaft, in ihren Familien und gegenüber sich selbst zu übernehmen. Deshalb kommen wir zu der Tatsache, dass 47 % der Gefängnisinsassen im Alter von 13 Jahren straffällig werden. Das alles sind Symptome einer Krankheit, die unsere Gesellschaft quält: ein Mangel an Vätern.

Eine Erneuerung der Welt durch eine Erneuerung der Väter

Es scheint, dass wir in einem Teufelskreis sind, aus dem wir nicht mehr herauskommen, und dass das heutige Chile nach einer Erneuerung der Vaterschaft ruft. Pater Kentenich stellte als Weg vor, von neuem in hervorragender Weise eine Epoche des väterlichen Gewissens hervorzubringen und eine Erneuerung der Welt durch die Erneuerung des Vaters. Aber von welchen Vätern sprechen wir? Ein Vater ist derjenige, der Leben erzeugt, einer, der das Beste in einer anderen Person weckt. Er ist es, der für dieses Leben verantwortlich ist, und der in dem Kind die Freiheit zum Keimen bringt. Diese Väter sind es, die wir heute brauchen, diejenigen, die niemanden ausschließen, weil sie in jeder Person ein großes Potenzial sehen, das zu erziehen ist.

Wir brauchen Männer, die bereit sind, ihre Rolle als Väter in der Gesellschaft zu übernehmen, und mehr noch, Männer, die Bindungen erzeugen, den ersten Schritt in allen menschlichen Beziehungen. Vielleicht ist es der Anfang, hinauszugehen, anderen zu begegnen und zerstörte Brücken wieder aufzubauen, aber das zu tun ist nicht einfach; denn es erfordert, das Herz zu öffnen, blindes Vertrauen zu geben und sich selbst zu schenken, auch mit der Möglichkeit zu leiden. Die Begegnung mit einem anderen ist ein Risiko, aber es ist das, was unser Land braucht. Es ist der Weg zu einer besseren Gesellschaft in einer Epoche der Sehnsucht nach Vätern. Wir müssen uns verantwortlich halten für die, die durch das Leben mit uns verbunden sind, das wir in ihnen hervorgebracht haben, ohne jemanden auszuschließen, sondern alle aufzunehmen, und, noch wichtiger, allen Vater zu sein.

Quelle – jmschoenstatt.cl – kommunikativ verbündet mit schoenstatt.org im Dienst an ganz Schönstatt

Foto oben: iStock/Getty Images, © noblige. Lizenz für schoenstatt.org

Original Spanisch: Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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