Veröffentlicht am 2015-10-18 In Themen - Meinungen

Sie ist das große Geschenk – 18. Oktober 2015

Von P. Oscár Iván Saldivar aus Tuparenda •

Wir erwarten unser großes Fest, den 18. Oktober, erwarten einen Gnadentag für alle, die wir an das Schönstattgeheimnis glauben, heißt, an die Bindung der heiligen Maria an dieses Heiligtum und an ihr fruchtbares Wirken an diesem Ort und von diesem Ort aus als Frucht des Liebesbündnisses, das wir mit ihr geschlossen haben[1].

An diesem Tag ist es gut, an die Worte zu erinnern, die unser Vater und Gründer 1939 an die Familie gerichtet hat und sie auf uns hier und heute anzuwenden: “ Was wir während dieser Zeit an Großem und Wertvollem an dieser heiligen Stätte empfangen durften, steht in unmittelbarer Verbindung mit der Mutter, Herrin und Königin von Schönstatt. Sie ist schlechthin das Geschenk, das Gottes Weisheit, Güte und Allmacht am 18. Oktober 1914 in besonderer Weise unserer Familie und durch sie erneut der Welt gegeben hat.“[2]

12096620_1646091885630503_2629924145891731463_nSie ist das große Geschenk

Ja, sie ist das große Geschenk, das uns hier in Tupãrenda als Konkretisierung der Worte Jesu an seinen Jünger gegeben ist: „Siehe da, deine Mutter“ (Joh 19,27a). Das Liebesbündnis mit Maria lässt diese Worte Jesu in unserer persönlichen Geschichte konkret und real werden.

Jedes Mal, wenn wir das Liebesbündnis mit Maria schließen, jedes Mal, wenn wir bewusst und im Glauben unsere Weihe an sie erneuern, machen wir uns die Erfahrung des Lieblingsjüngers zu Eigen: „Und von dieser Stunde an nahm sie der Jünger zu sich“ (Joh 19, 27b).

Durch das Liebesbündnis gehören wir ihr – sie macht uns sich zu eigen -, und sie gehört uns – wir machen sie uns zu eigen. In Maria, die wir in Tupãrenda als lebendige Person, gegenwärtig und tätig erfahren, erhalten wir das große Geschenk einer Verbündeten, die Mutter, Königin und Erzieherin ist.

Wir empfangen vor allem das große Geschenk ihres mütterlichen Herzens und ihres ruhigen und barmherzigen Blickes. Ja, das Herz und den Blick einer lebendigen Person, eines personalen Du, dem ich mich ohne Angst und ohne Vorbehalt überlassen kann. Ihr kann ich meine Fähigkeiten und Grenzen, mein Vertrauen und meine Ängste, meinen Glauben und meine Zweifel, meine Erfolge und Misserfolge, meine persönliche Geschichte und meine Familiengeschichte, meine Reue und meine Sehnsucht… Sie nimmt alles an, bewahrt alles in ihrem Herzen und denkt darüber nach in der Gegenwart Gottes (vgl. Lk 2,19) um uns so zu heilen, zu erziehen und zu senden.

In ihren Händen und in ihrem Herzen erhält unser ganzes Leben Sinn und Fülle, weil unsere Fülle und unser Glück sich darin entscheiden, wem wir unser Herz schenken.

Sie ist das große Zeichen

12143062_499528156892654_9114538969335054117_nluqueDie Heilige Schrift zeigt uns die Allerseligste Jungfrau nicht nur als das große Geschenk, das Jesus uns macht, sondern auch als das große Zeichen am Himmel des menschlichen Lebens (vgl. Off 12,1).

In der dem Buch der Geheimen Offenbarung eigenen Symbolsprache stellt die „Frau, von der Sonne umkleidet, den Mond unter den Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupt“ (vgl. Off 12,1) die Kirche dar, das heilige Volk Gottes, das in Glauben und Treue zu Jesus sich dem anderen Zeichen im menschlichen Leben entgegenstellt: dem „feuerroten Drachen“ (Off 12,3), dem Widersacher, dem Ankläger der Menschen (vgl. Off 12,10). Die Kirche selbst erkennt jedoch in der Frau, von der Sonne umkleidet, auch Maria, die Mutter des Erlösers und das volle Bild der Kirche.

Auch unser Leben entfaltet sich inmitten der Auseinandersetzung zwischen dem Guten und dem Bösen… Wir erfahren es in uns selbst: wie viel müssen wir gegen unseren Egoismus und unsere Sünde ankämpfen! Was haben wir mit unserer Selbsterziehung zu tun! Wir erleben es auch im Leben unserer Kirche und unseres Vaterlandes: Wir brauchen eine pastorale Bekehrung in unserer Kirche! Wir müssen uns entscheiden, gegen die Korruption in unserer Gesellschaft zu kämpfen!

Manchmal können wir erfahren, wie das Böse – Sünde, Gleichgültigkeit, Korruption – wie ein schrecklicher riesengroßer Drache vor uns steht, der mit seinem Schwanz alle unsere Ideale hinwegfegen und auf die Erde werfen kann (vgl. Off 12,4). In diesen Augenblicken der Angst und Dunkelheit, vergessen wir nie, dass es ein größeres und mächtigeres Zeichen als den Drachen gibt: Maria, die Frau, von der Sonne Christi umkleidet; Maria, unsere Mutter und Bündnispartnerin. Sie „leuchtet auf unserem Weg als Zeichen des Trostes und der festen Hoffnung“[3].

Liebe Brüder und Schwestern, an diesem Tag freuen wir uns, weil wir in Maria ein großes Geschenk der Barmherzigkeit Gottes erhalten haben, ein großes Zeichen des Trostes und der Hoffnung. Durch das Liebesbündnis geht sie als wahre Mutter mit uns und schenkt uns unaufhörlich die Nähe der Liebe Gottes“[4].

Darum erneuern wir unser Liebesbündnis mit ihr, in der Überzeugung, dass dies unser Weg der Christusnachfolge ist, in der Überzeugung, dass das Liebesbündnis mit Maria uns christlicher macht, uns mehr Christus werden lässt. Amen.

[1] Vergleiche P. Josef Kentenich, Das Schönstattgeheimnis, Kentenich-Reader.
[2] P. Josef Kentenich, Zweite Gründungsurkunde, 18.10.1039
[3] Messbuch.
[4] Vgl. Evangelii Gaudium

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org

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