Veröffentlicht am 19. August 2015 In Themen - Meinungen

Wohin zum Beten?

von Manuel de la Barreda Mingot, Madrid, Spanien

Oftmals beten wir, wenn wir von Sorgen geplagt sind, manchmal angeregt durch Angespanntheit, und ein andermal denken wir voller Trägheit, dass es das gleiche ist, ob ich in meinem Zimmer bete, in meinem Hausheiligtum, vor dem Tabernakel, bei der Anbetung des Allerheiligsten, oder eben auch nach dem Empfang der Heiligen Kommunion. Die Frage ist, wenn Gott überall ist – was macht es dann aus, wo und wie ich bete?

Die Frage ist sicher logisch, und es wird oft darauf reagiert, ohne eine klare Antwort zu haben, aber mit der Überzeugung: Nein! Es ist nicht das gleiche, wenn man an all den vorher beschriebenen Orten betet – aber: Ja! Gott ist überall. Irgendwie spüren wir es, aber wir sind nicht fähig, eine logische Antwort zu formulieren, die für einen Nicht-Gläubigen von Wert ist.

Gebet in Zeiten von WhatsApp, SMS, und Mail

Heute will ich wagen, technische Ähnlichkeiten aufzuzeigen als Versuch, diese Frage zu beantworten. Ich werde Gebet vergleichen mit Gebet in meinem Zimmer, und sage, das ist etwa wie die Kommunikation von Nachrichten durch Handys, WhatsApp, SMS oder auch durch Mail. Gott ist in Kontakt mit dir und du mit IHM. Du kannst ihm alles erzählen, was du fühlst, und Er antwortet dir. Er ist auf der anderen Seite der Tastatur, und du kannst vertrauen, dass du immer mit IHM rechnen kannst.

Hausheiligtum: ein Telefonanruf

Gebet in meinem Hausheiligtum: Wir gehen ein Schrittchen weiter. Der Ort ist nicht gerade ein gewöhnlicher Ort. Wir haben ihn erobert, ihn erstrebt und gesegnet, so dass die Gottesmutter, der kürzeste Weg zu Gott, sich in meinem Haus niederlassen kann. Die vergleichbare Technik ist der Telefonanruf. Die Kommunikation ist direkter. Es ist nicht nur ein Austausch von Information, sondern durch das Hinhören auf die Stimme der anderen Person beginnst du zu erkennen, wie die Person ist und fühlst mit dem Wechsel in der Intonation der Stimme die Verbesserung der Kommunikation, und die Nuancen der Worte verstärken die Einheit, den Kontakt.

Tabernakel: Skype

Gebet vor dem Tabernakel: Hier ist die Verbindung; der Level der Kommunikation steigt. Sehr viel mehr Information wird ausgetauscht. Die Wahrnehmung Gottes ist direkter, und die Nuancen und mitgeteilten Empfindungen steigern sich. Es ist wie eine Video-Konferenz oder Skype. Du hörst die andere Person nicht nur – du siehst die Person. Man sagt, das Gesicht ist der Spiegel der Seele, und ER zeigt dir SEIN Gesicht, wie du Ihm das deine. Die Vortäuschung ist geringer, denn die Emotionen und Gefühle werden unbewusst und ehrlicher mitgeteilt.

Eucharistische Anbetung: Realpräsenz

Eucharistische Anbetung: Gottes Gegenwart vor dir ist real. Du siehst IHN nicht mittels irgendetwas, aber ER ist vor dir; du siehst IHN in Person, aber durch ein Gitter. Es ist so, als wenn du Ordensleute in Klausur besuchst, oder wenn unsere Großeltern „uns beobachteten“. Jetzt kannst du IHN „berühren“, du kannst seine Wärme fühlen, du kannst IHN durch das Gitter streicheln, und ER kann das gleiche mit dir tun. Es ist ein „physischer“ Kontakt. Er muss nicht mehr anrufen oder Kontakt mit dir aufnehmen. Es hängt nicht mehr von der Qualität der Verbindung ab. ER ist vor dir, Ja, o Ja! Und auch wenn du woanders hinschaust, auch wenn du abgelenkt bist, ER verlässt dich nicht. ER bleibt an deiner Seite.

Eucharistische Kommunion: Umarmung

Eucharistische Kommunion: Es ist die Umarmung, die innige Umarmung. Die perfekte Vereinigung. Wir umarmen uns gegenseitig. Da gibt es nichts mehr zu verstecken; es kann nichts passieren. Was ich bin und was ich habe kann gesehen werden; es ist abgegeben. Die tiefsten Geheimnisse sind mitgeteilt ohne Verheimlichung, die Freuden, die Sorgen, alles.

Gott ist immer da. Er wartet, ob bei der Tastatur, am anderen Ende der Leitung, oder in Person. Gebet ist immer Kontakt mit IHM. Er gibt sich selbst, und wir können uns selbst zutiefst geben, ganz einfach, in jedweder Form, aber für uns ist ein „Ich liebe dich“ für die geliebte Person über die Tastatur nicht dasselbe wie eine Umarmung. Warum? Ich weiß es nicht genau, aber ganz sicher ist es nicht dasselbe, zu beten wo auch immer, oder bei der Heiligen Kommunion, und das ist so, weil Gott uns viel mehr liebt als wir lieben können, und deswegen existieren die Grenzen für IHN nicht. Darum ist es so wichtig, die Heilige Kommunion zu den Kranken zu bringen.

Wie jeder Vergleich zwischen irgendetwas Irdischem und etwas Göttlichem, bleibt auch dieser fraglich. Ich behaupte nicht dogmatisch zu sein, sondern versuche, uns zu helfen zu verstehen und uns Gott auf dem bestmöglichen Weg zu nähern.

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Original Spanisch: Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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