Veröffentlicht am 2015-07-15 In Themen - Meinungen

Sorge

Von P. Guillermo Carmona, Leiter der Schönstattbewegung von Argentinien •

Herausgehen um zu begegnen setzt nicht nur „Nähe“ voraus, sondern auch „Sorge“ für die andere Person.

Für jemanden zu sorgen heißt, sich um ihn zu kümmern, sich für ihn zu interessieren, Gefahren vorauszusehen, und die Person in ihrem Abenteuer in Richtung Freiheit zu begleiten; das Ermutigen, ihre besten Talente zu entfalten und ihre Berufung zu erfüllen.

Gegen die Globalisierung der Gleichgültigkeit

Es ist das Gegenteil der Gleichgültigkeit, der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“, von der Papst Franziskus so oft spricht. Seine Gesten sind beeindruckend: in Lampedusa, wo er einen Kranz aus Blumen niederlegte im Gedenken an die Opfer im Meer; die Einladung zum Frühstück für die Obdachlosen an seinem Geburtstag; die Bitte, Duschen und Friseurläden zu installieren für die Obdachlosen am Petersplatz. Als er 150 Obdachlose persönlich empfing, schüttelte er jedem von ihnen die Hände, während er ihnen sagte: „Willkommen! Das ist das Haus für alle; es ist euer Haus. Die Türen sind immer offen für alle.“

Gleichgültigkeit ist eine Narkose des Gemütes; sie ist Kälte: das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit. Anonymität ist Tod, würde Simone de Beauvoir sagen: „Töte es mit Gleichgültigkeit.“ Die gleichgültige Person bleibt am Rand, ist gefühllos und kalt: „Nichts ist wichtig für mich“, „Es macht keinen Unterschied für mich.“ Gleichgültigkeit ist kalt wie Galle, sie panzert das Ich ein, sie schließt es ein, sie isoliert es und macht es aggressiv, während die andere Person denkt: „Ich bin so gering, ich bin so wenig wert, dass sich niemand an mich erinnert.“

Es kann mehrere Gründe haben und mit Egoismus zu tun haben: zum großen Teil auf sich selbst zu schauen und selten nach anderen zu sehen. Enttäuschungen des Lebens oder Wunden aus der Vergangenheit beeinflussen auch. So viele negative Nachrichten lassen die Seele abstumpfen und täuschen sie: „Tut mir leid, ich kann nichts tun, ich kann es nicht fassen, ich kann nicht eingreifen …“ „Es ist keine Frage anspruchsvoller“, erinnert der Papst, „als Jahwes Frage an Kain: ‚Wo ist dein Bruder? ‘ Und es gibt keine tragischere Antwort als die seine: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ (Gen. 4, 9-10).

Wir können niemanden zwingen, sich um andere zu kümmern, aber wir können ihn motivieren, aus seiner „Thermosflasche“ herauszukommen und auf seine Schale zu verzichten. Es hilft, an die Menschen zu denken, die sich um uns gekümmert haben, sich Gesichter zu vergegenwärtigen und an Namen zu erinnern von denen, die in meinem Leben meinetwegen Risiken auf sich genommen haben. Das Waschen der Füße ist der überzeugendste Ausdruck, wie Jesus sich um seine Apostel kümmert.

Gegen das „Was geht mich das an?“

Sich um andere kümmern ist zu wissen, dass „wenn ein Teil leidet, leiden alle Teile mit ihm; und wenn ein Teil geehrt wird, freuen sich alle Teile mit ihm“, (1. Kor. 12,26). Das gilt auch für die Familie, für die Schönstattbewegung, die Gliederung, die Kirche und auch für die Schule, die Arbeit und das Studium. Wir müssen beginnen einander kennenzulernen: „Wer bist du?“ kann Dialog und Kommunikation auslösen. Auf diese Weise können wir erfahren, was unserem Bruder weh tut und wie wir ihm helfen können.

Wir kümmern uns um einander durch konkrete Gesten: „Taten mit Liebe und nicht gute Argumente.“ Gute Absichten zählen nur, wenn sie verwirklicht sind; wie „Guten Morgen“ zu sagen mit Liebe; oder in einer Wohltätigkeitsorganisation zu helfen, oder jemanden besuchen, der allein und traurig ist. Sich um jemanden kümmern heißt nicht, über ihm zu stehen, wünschen ihn unter Kontrolle zu haben und etwas von ihm zu fordern, sondern ihn in Liebe zu respektieren.

Auch ist es gut, sich nicht nur um Menschen zu kümmern, sondern auch für unsere Umgebung und unsere Umwelt zu sorgen. Die Haltung des „Was geht mich das an?“ bedeutet, dass wir einen Zweig abreißen, einen Stamm, eine Blume und unseren Abfall auf die Straße werfen. Sich kümmern heißt zu glauben, dass Gott uns die Welt gegeben hat, um aus ihr ein Paradies zu machen. Ökologie ist nicht das Eigentum der Grünen Parteien, sondern das aller guten Christen.

Das Matthäus-Evangelium spricht von der Sorge in Bezug auf das letzte Gericht: „..Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“ (Mt. 25, 34-36). Es lohnt sich: die Belohnung ist unendlich. So werden wir Inseln der Barmherzigkeit schaffen, wie der Papst es vorgeschlagen hat, mitten im Ozean von so viel Gleichgültigkeit.

Bitten wir an diesem Bündnistag die Gottesmutter, dass sie, die sich um Jesus gekümmert hat und ihn sprechen und gehen gelehrt hat, uns zu zeigen, wie wir hinausgehen und uns um die kümmern, die neben uns hergehen. Es ermutigt uns zu wissen, dass das Leben ein Spiegel ist; wenn wir uns heute um unseren Nachbarn kümmern, wird die Gottesmutter uns weiterhin segnen, denn wie wir wissen, lässt sie sich an Großzügigkeit nicht übertreffen. Das ist auch ein Anreiz, in Schönstatt Inselgruppen zu bilden von Brüdern und Schwestern, die einander begegnen.

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

 

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