Veröffentlicht am 15. Juli 2015 In Themen - Meinungen

Die Dreifaltigkeit und unsere persönlichen Bindungen

PARAGUAY, von Pater Oscar Iván Saldivar •

Ich muss Ihnen sagen, dass während meiner ersten Jahre des Theologiestudiums das Studium des Geheimnisses der Allerheiligsten Dreifaltigkeit eines meiner Lieblingsthemen war. Nicht nur wegen der intellektuellen Hindernisse des Themas, sondern wegen der vernunftmäßigen Bemühungen, die die Kirche durch Jahrhunderte hindurch unternommen hat, um etwas von diesem Gott zu verstehen, der Einer ist, und der sich selbst offenbart als Vater, Sohn und Heiliger Geist, aber auch wegen der gefühlsbedingten Hindernisse, die das trinitarische Geheimnis für uns Menschen hat.

Ein Dreifaltiger Gott ist ein Gott, der zu uns spricht über die Bedeutung von Bindungen zwischen Menschen, von der Bedeutung der Beziehungen, und wie wichtig – und sogar fundamental – andere sind für die Entwicklung unserer Persönlichkeit. Das Geheimnis des Dreifaltigen Gottes ist ein Geheimnis der Menschheit, des Menschen und seiner Bindungen, einer Menschheit, die in Bindungen steht.

Ein Mensch zu sein und zu leben beinhaltet immer, in Beziehung mit anderen zu sein

Etwas in unserem liturgischen Kalender, das meine Aufmerksamkeit erregt, ist das Fehlen eines Datums, eines Festes, das nur der Person Gottvaters gewidmet ist … Kürzlich feierten wir Pfingsten – das große Fest des Heiligen Geistes – und Tage, an denen wir uns an Jesus, den Sohn, erinnern, sind vorhanden – denken wir an Ostern und Weihnachten. Das liegt jedoch nicht an einem Irrtum oder Fehler, sondern einfach an der Tatsache, dass uns das Antlitz des Vaters offenbart wird, uns gezeigt wird, nicht wie ein einzelnes Gesicht, sondern wie das Gesicht einer Person in Gemeinschaft mit dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wir könnten sagen, dass der Vater den Sohn und den Heiligen Geist braucht, um zu sein wer ER ist. Seine Gottheit besteht nicht in Selbstgenügsamkeit, sondern in Seiner Fähigkeit, in Beziehung zu sein.

Und tatsächlich sehen wir es in der Heiligen Schrift. Beide, der Sohn und der Geist, rufen „Abba! Vater!“ (Röm. 8, 14-17). Und weil der Sohn und der Heilige Geist IHN als Vater anerkennen, weiß der Vater, wer ER ist, der Vater weiß, ER ist Einer und weiß, ER ist geliebt. Wir könnten deshalb auch sagen, dass der Vater eine Person ist, denn eine Person sein und zu leben, beinhaltet immer in Beziehung mit anderen zu sein.

Unsere Bindungen

Wenn das in Beziehung-Stehen grundgelegt ist in Gott, um wieviel mehr in uns, die wir nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen sind. In der Tat, wir werden Mensch im Kontakt mit anderen, in den Bindungen, die uns mit unserem Land und mit uns selbst umgeben. Wir brauchen andere, um uns selbst zu entdecken und uns selbst anderen zu geben. Und andere brauchen uns, jeder einzelne ist wichtig, einzigartig und immer einmalig, wenn wir in der Liebe gebunden bleiben. Wenn wir wirklich aufhören uns zu binden – von innen –, hören wir auf Mensch zu sein, und wir werden in Objekte, in Dinge, umgewandelt.

Wenn Jesus uns die missionarische Sendung gibt, hinauszugehen in alle Welt und die Menschen zu taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes (Mt. 28, 16-20), übergibt er nicht nur ein Ritual, sondern eine tiefere Wirklichkeit. Es geht darum zu lernen, wie man sich bindet und lernt, Mensch zu sein: es geht darum, dass wir in das göttliche Leben eintauchen und daran teilnehmen. Es geht darum, dass jeder von uns ein Kind wird, so dass jeder von uns im Heiligen Geist von ganzem Herzen rufen kann: „Vater!“

Und das ist die Sendung der Gottesmutter im Heiligtum: uns immer mehr zu Christen zu machen, die immer mehr wie Christus, der Sohn, werden, der weiß, ER ist vom Vater geliebt in bedingungsloser Bindung an den Heiligen Geist der Liebe. Wir wünschen uns die Gnade, am Leben Gottes teilzuhaben und zu lernen, in Bindungen zu leben wie Gott. Amen.

Foto: Bild der Allerheiligsten Dreifaltigkeit in der Jesuiten-Mission

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

 

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