Veröffentlicht am 29. April 2015 In Solidarisches Bündnis, Themen - Meinungen

Schönstatt in Südafrika zeigt Solidarität für die Opfer der Fremdenfeindlichkeit

SÜDAFRIKA, Sarah-Leah Pimentel •

Die letzten paar Wochen haben das Beste und das Schlechteste der Gesellschaft von Südafrika gesehen. Unglücklicherweise ist es unsere schlechteste Seite, die in der ganzen Welt Schlagzeilen macht. Die südafrikanischen Medien betonten auch die Welle der fremdenfeindlichen Gewalt, die unser Land erfasst hat – meist gezielt auf Ausländer aus anderen afrikanischen Ländern, von denen viele seit Jahren in Südafrika leben und arbeiten. Die Behörden haben langsam reagiert und auch nur nach der Verurteilung der Gewalt durch anderen afrikanischen Staatsführer.

Trotz der Kritik, die unsere Medien erhielten, war es notwendig, diese Berichte von unaussprechlichen Gräueln zu erzählen – von Menschen, die aus ihren Häusern vertrieben wurden, geschlagen, erstochen, ideren kleine Geschäfte geplündert und verbrannt wurden– weil Teile unserer Gesellschaft sich geweigert haben zu glauben, dass das in größerem oder kleineren Ausmaß seit 2008 geschehen ist. Das hartnäckige Engagement der Journalisten für diese Berichte ist es, was uns in der ganzen Welt in einem schrecklichen Licht gemalt hat.

Die gute Nachricht: Südafrikaner stehen zusammen gegen Fremdenfeindlichkeit

XenophobiaRallyAber die internationalen Medien nahmen nur einen Teil der Geschichte auf. Trotz des Hasses einiger waren es viel mehr, die in Solidarität zusammenstanden und die unterschiedlichen Quellen und Worte nutzten, um Jesu Worte zu seinen Jüngern vor zwei Jahrtausenden zu wiederholen: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ – unabhängig davon, ob er dein Bruder ist oder ein Einwanderer aus einem anderen Land.

Mehrere Radiosender, Zeitungen und online-Kampagnen proklamierten Botschaften gegen die Fremdenfeindlichkeit. Ein unabhängiger Rundfunksender widmete Stunden der Live-Übertragung über die Solidarität von Südafrikanern gegenüber jenen, die die neuesten Opfer der Fremdenfeindlichkeit wurden. Märsche und Kundgebungen, die ein Ende der Gewalt gegen Ausländer forderten, fanden im ganzen Land statt. Prominente starteten Kampagnen, um Waren des Grundbedarfs bereitzustellen für jene, die mit Gewalt vertrieben wurden und riefen Aufklärungskampagnen gegen die Fremdenfeindlichkeit ins Leben. In einigen der am meisten durch fremdenfeindliche Gewalt geplagten Gemeinden bildeten die Bewohner Straßenpatrouillen, standen oft bewaffnetem Mob gegenüber in ihrem Bemühen, die Ausländer, die in ihrer Mitte leben, zu schützen. Solidarität.

Schönstatt auf beiden Seiten dieses menschlichen Dramas

Die Schönstattfamilie befand sich auch auf beiden Seiten dieses menschlichen Dramas. Einige Schönstatt-Mitglieder aus Burundi, die in Durban gelebt haben – wo diese besondere Welle von fremdenfeindlicher Gewalt ausbrach – sagten, dass „niemand uns helfen kann, die Polizei kann uns nicht schützen. Der einzige, der uns jetzt helfen kann, ist Gott und die Gottesmutter, Maria und Gebet.“

Sr. Joanne, die eng mit dieser Gruppe gearbeitet hat, erklärt ihre Verzweiflung: „Sie fühlen sich sehr isoliert und ängstlich – denn viele von ihnen wissen nicht, wohin sie gehen sollen. – Burundi erlebt Kämpfe wegen der bevorstehenden Wahlen, so können sie nicht zurückgehen, aber ebenso fühlen sie, dass sie ihre Heimat hier verloren haben. Einige waren hier sei 12 oder 14 Jahren. Ihre Kinder sind südafrikanische Bürger und sind in Südafrika geboren. Sie fühlen sich heimatlos und am Boden zerstört und ganz allein.“

Sr. Joanne fügt hinzu, dass „es jetzt für die Einwanderer sehr schwierig werden wird, denn sie fristen sowieso kaum ihr Leben, und jetzt wird es in diesem feindseligen Klima doppelt schwer für sie sein, über die Runden zu kommen.“

Im Bemühen zu helfen plant die Schönstattfamilie in Durban, Hausbesuche bei den Einwanderern zu machen und sie mit Geld für Grundnahrungsmittel zu unterstützen.

Ein Mitglied der Schönstatt-Mädchenjugend in Johannesburg, die in der Demokratischen Republik Kongo geboren ist, aber die meiste Zeit ihres Lebens in Südafrika gelebt hat, postete auf ihrer Facebook-Seite eines Abends in der letzten Woche, „unsere Region wird angegriffen. Jungs, bitte, betet für uns und unsere Familien.“ Sie war auch an Aufklärungskampagnen an ihrer Universität beteiligt und arbeitet hart, um die Vorstellungen über Ausländer in diesem Land, dass sie ihre Heimat nennt, zu ändern.

Die Ausbreitung der Gewalt in Johannesburg löste eine Whatsapp-Konversation unter den Mitgliedern der Berufstätigen Fraun aus. Sie spürten, dass Gebet, obwohl es ein wichtiger Teil ihrer Solidarität mit all denen ist, die in Gewalt verfangen sind, nicht genügt. Dawn kommentierte, „als Frauenliga müssen wir auch entscheiden, welche Hilfe wir anbieten wollen. Es ist alles gut und schön ‚Nein zur Fremdenfeindlichkeit‘ zu sagen von dem Komfort unserer Sofas aus, während die Leute nichts haben, wo sie schlafen können. Wahre Liebe ist Aktion, nicht nur Worte.“

Bevor der Tag zu Ende ging, hatten sich viele der Frauen verpflichtet, Nahrungsmittel und Decken zu sammeln und diese zu einer Polizeistation zu bringen, wo viele Ausländer draußen in der kalten Nacht kampierten, weil sie spürten, dass es dort sicherer war als in ihren Häusern. Andere schlugen vor, den Flüchtlingsdienst der Jesuiten zu unterstützen, der Menschen hilft durch Förderung einer Initiative, bei der pädagogische Broschüren in öffentlichen Verkehrsmitteln ausgeteilt werden und alternative Verkehrsmittel gefördert werden, damit Ausländer zur Arbeit kommen können, bis sich die Gewalt gelegt hat.

Thope erinnerte daran, dass Solidarität in Zeiten von Krisen gut ist, sprach aber auch über die Notwendigkeit von andauernder Solidarität, um den Ausländern zu helfen, die ihren Weg in unser Land finden, oft um dem Terrorismus, Kriegen oder extremer Armut in ihrem eigenen Land zu entkommen. Sie erinnerte alle an das von Schönstatt angeregte Heim für Flüchtlinge, Mercy House, und lud Mitglieder der Schönstattgemeinschaft Berufstätiger Frauen ein zur Unterstützung von langzeitiger Hilfe für Kinder – Unterstützung bei der Schularbeit oder Spenden von Lernmaterial.

Im solidarischen Bündnis wagen wir, etwas einzusetzen um uns von unseren Vorurteilen zu befreien

Die Bewegungsleiterin der Schönstattbewegung in Südafrika, Sr. Connie, erinnerte uns alle daran, für die Opfer von Fremdenfeindlichkeit zu beten und betonte, dass „tief sitzende Vorurteile wieder einmal aufgetaucht sind, weil diese Vorurteile nicht in den Blick genommen wurden und behandelt worden sind.“ Unser Leben im Liebesbündnis kann als Beispiel dafür dienen, wie wir die Dinge überwinden können, die uns trennen. Sr. Connie schreibt: „In Schönstatt sprechen wir vom solidarischen Bündnis und in und durch dieses Bündnis können wir wagen, mehr einzusetzen um uns von unseren Vorurteilen zu befreien, dadurch Gnaden freizusetzen für die vielen, die ‚noch keine Mutter erlebt haben, die sich wirklich um all ihre Kinder kümmert‘, unabhängig von Rasse, Geschlecht oder was auch immer für andere Unterschiede. Maria ist unser einendes Herz und in diesem Augenblick der Geschichte unseres Landes beten wir um die Gnade der inneren Wandlung für alle.“

Die Schönstattfamilie in Südafrika lädt die Internationale Schönstattfamilie ein, in Solidarität zu beten um diesen Geist einer echten Wandlung, damit unsere Gesellschaft, die so gespalten ist, einen Weg finden möge, um den tief sitzenden Hass, Misstrauen und Zorn zu überwinden. Wandlung nicht nur in Südafrika, sondern in all jenen Orten, wo Vorurteile uns gehindert haben, einander als Bruder, als Schwester zu sehen, als menschliche Person, gefüllt mit den gleichen Träumen, Hoffnungen Sehnsüchten wie wir. Wir beten für ein Ende der nationalistischen, ethnischen und religiösen Gewalt in Burundi, im Süd-Sudan, Jemen, Irak … und in so vielen anderen Orten.

 WitsMarch
Original: Englisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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