Veröffentlicht am 22. Januar 2015 In Themen - Meinungen

Das Liebesbündnis ist eine überwältigende Wirklichkeit

mda. Ein stiller Tag sei dieser 20. Januar 2015, „ohne die Tausende von Pilgerinnen und Pilgern aus aller Welt, ohne Kameras und Über­tra­gungsanlagen“, so Monsignore Dr. Peter Wolf, Generalrektor des Instituts der Schönstatt-Diözesanpriester, bei der Predigt am 20. Januar in der Dreifaltigkeitskirche auf Berg Schönstatt. Er lud die Anwesenden ein, mit den Augen Pater Kentenichs „zurückzuschauen auf die großen Tage des Jubiläums und sie in das Licht des zweiten Meilensteines zu stellen“. Das Jubiläum habe gezeigt: „Das Liebesbündnis ist eine überwältigende Wirklichkeit“ – nicht als Lehre, sondern als erlebtes Leben.

 

 

Hier der Text der Predigt von Mons. Dr. Peter Wolf am 20. Januar 2015

Liebe Schönstattfamilie, liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

das große Jubiläum liegt hinter uns und ein neues Jahr, ja ein neues Jahrhundert der Schönstattgeschichte ist angebrochen. Wir haben uns entzünden lassen vom jugendlichen Feuer der Fackelläufer. Wir haben uns berühren lassen vom Einzug der MTA in die Arena und wurden be­wegt von ihrem er­neuten Weg ins Urheiligtum. Wir sind erfüllt von der Begegnung mit dem Heiligen Vater und dem großen Gottesdienst in Sankt Peter in Rom. Wir haben ein frohes Fest gefeiert und ein in­ter­nationales und familienhaftes Schönstatt erlebt.

Heute ist für uns der erste 20. Januar nach dem großen Jahr­hundert-Jubiläum. Es ist ein eher stiller Tag, ohne die Tausende von Pilgerinnen und Pilgern aus aller Welt, ohne Kameras und Über­tra­gungsanlagen. Der heutige Tag kommt mir vor wie eine Einladung von Seiten un­seres Vaters. Ich stelle mir vor, dass er uns auf die Seite nimmt wie einst Jesus seine Jünger nach Tagen des Ansturmes vieler Menschen, nach Zeiten voller Predigten und Wunder während seines öffentlichen Wirkens.

Er möchte uns einladen, an diesem denkwürdigen 20. Januar bewusst mit seinen Augen zurückzuschauen auf die großen Tage des Jubiläums und sie in das Licht des zweiten Meilensteines zu stellen. Die Meilen­steine unse­rer Geschichte sind nicht nur, wie es vielleicht der Begriff nahelegt, unverrückbare Wegmarkierungen, sondern sie sind Bün­de­lung von Lebensvorgängen und sie sind für kommende Zeiten Le­bens- und Inspirationsquellen. Die Steine sind – um ein Bild unse­res Vaters im Blick auf den Fels Petri abzuwandeln – pilgernde Steine, die nicht nur den vergangenen Weg Schönstatts markiert ha­ben, son­dern die mit uns pilgern, um uns ähnlich wie die Feuer- und Wolkensäule beim Auszug aus Ägypten den Weg zu zeigen. In jeder Phase unserer Ge­schichte sind sie also schon präsent. Wir dür­fen sie vorse­hungs­gläubig neu entdecken und uns neu aneignen, so dass sie neu zu leuch­ten und zu wirken beginnen. Für unseren Vater und Gründer waren der 20. Januar und der zweite Meilenstein der Durchbruch für ein völliges Setzen auf die Realität der Übernatur und auf die Solidari­tät und die Schicksalsver­wobenheit der Familie untereinander und mit dem Grün­der. Darin hat er die Achse unserer Familiengeschichte gesehen und darauf gesetzt, dass die künftige Schönstatt­geschichte sich immer um diese Achse drehen wird.

  1. Setzen auf die Realität der Übernatur

Das Zentralerlebnis unseres Jubiläums war ohne Zwei­­fel die spürbare Gegenwart der Gottesmutter im Heilig­tum. Eine sichtlich emotionale Bewegung ging durch die Reihen, als das MTA-Bild auf vielen Schultern in die große Arena getragen wurde und dann wieder begleitet von vielen zum Urheiligtum zurückgebracht wur­de. Es war ein geradezu heiliger Augenblick, der die Herzen erreichte – durch TV und Internet selbst über Meere und Kontinente hinweg. Das Liebesbündnis ist eine überwäl­ti­gende Wirklichkeit. Das ist nicht nur eine Aussage gleichsam aus dem Schönstatt-Katechismus, son­dern wurde eine Erfahrung, die sich im Ereignis des Jubiläums verdichtet hat.

Die Liebesbündnisfeier war für viele der eigentliche Höhepunkt des Jubiläums und ist wohl die blei­bende Wegmarke für den Weg in Zukunft. In dieser Erfah­rung spiegelt sich die Aussage unseres Vaters vom 20. Januar 1942, dass sein Vorgehen nur aus der „Realität der Übernatur“ verständlich sei. Darauf hat er gesetzt von Anfang an und dies ist für ihn in seinem Schritt vom 20. Januar 1942 ganz offenkundig geworden. Und er fordert uns als seine Familie heraus, auf die Wirklichkeit des Liebes­bündnis­ses zu setzen. Das Liebesbündnis muss unsere Mitte bleiben, „unser Ceterum censeo“, wie es unser Vater gern nannte. Auf diese überna­türliche Realität bauen wir mit dem Gründer alle Pla­nungen und Un­ternehmungen in der Zukunft; von dieser Mitte her erhalten wir eine unüberwindliche Kraft und Zuversicht.

2.   Schicksalsverwobenheit der Familie untereinander

Viele Mitfeiernde des Jubiläums benennen als be­glückendes Erleb­nis dieser Tage die Erfahrung der inter­nationalen und fami­lienhaften Gemeinschaft von Jung und Alt. Alle waren von der gleichen Mitte angezogen und inspiriert, alle erlebten sich in der gleichen Gnade ste­hend. Und unzählige Menschen haben sich eingebracht und haben die großen Krüge, das Gnadenkapital gefüllt. Das wurde nicht nur äußerlich mit großen Krügen zum Ausdruck gebracht, sondern das war mit Händen zu greifen. Junge Menschen haben viele Monate ihres Le­bens ver­schenkt für die Gottesmutter in ihrem Heiligtum. Wie viele haben freiwillig auch ganz unscheinbare Dienste getan und dafür Urlaub und Geld geschenkt. Wie viele haben bis an die Grenze des Möglichen in der Vor­bereitung gearbeitet – und manche darüber hinaus. Andere haben geschenkt, nicht dabei sein zu können. Sie haben ihre Krank­heit aufge­opfert, und nicht wenige wur­den im Um­feld des Jubiläums heimge­rufen. Der Himmel hat sich wunderbar gezeigt und diese Beiträge angenom­men und in Segen gewandelt. Und all das nicht nur hier in Deutschland und Europa, sondern wie in einem geheimnisvollen Netz, wie in kommunizie­ren­den Röhren des Gnadenaustausches und der Ganzhingabe an die Gottesmutter in der ganzen Welt.

All das hängt zusammen mit dem, was unser Vater am 20. Januar 1942 als zweites Schlüsselwort genannt hat: „die Schicksals­verwobenheit der Glieder der Familie“. Schön­statt ist ein Organismus, viel mehr als eine äußerliche Organisation: „In Christus Jesus sind wir eng ver­bunden“; Die „Familienliebe“ drängt uns, füreinander einzustehen und so das neue Gemeinschaftsbild zu leben, von dem unser Vater nach seiner Rückkehr aus Milwau­kee gesprochen hat. Es ist das Bild der erneu­erten, soli­darischen Kirche. Ohne große Opfer, ohne brennende, ins eigene Fleisch schneidende Liebe kann Schönstatt und kann die Kirche nicht wachsen.

Ob wir diesen Weg der Ganzhingabe mitge­hen? Damals war die In­scrip­tio die Vorbe­dingung für die Freilassung des Vaters aus Gefäng­nis und Konzen­trationslager, heute ist diese gelebte So­lidarität und Opferbe­­reitschaft die Vorbedingung für den Durchbruch des Schön­statt­­charismas hinein in die Kir­che. In diesem Zusammenhang darf ich auch das Matri Ecclesiae-Hei­ligtum und das Zentrum Belmonte in Rom nen­nen. Unser Vater hat es sich gewünscht und die Familie hat es ihm geschenkt zum 80. Geburtstag. Nur im Geist dieser Solidarität kann es vollendet werden und zum Zeichen dieses Durch­bruchs hinein in die Kirche werden. Das kann nur gelingen, wenn wir auf den 20. Januar bauen.

3.  Gleich- und Einschaltung in den Vater

Das Jubiläum war eine Familienerfahrung eigener Art. Da war die MTA als Mutter so real erlebbar und da waren die Geschwister aus der ganzen Welt und da war der Vater gegenwärtig. Aus seinem Her­zen ist Schönstatt geworden. Die Bücher von Sr. Doria über die Früh­geschichte Schönstatts und die Vatertexte in den Bän­den zum Tri­en­nium und zum Liebesbündnis lassen erah­nen, wie sehr Pater Ken­tenich das aus­erwählte Werkzeug der Vorsehung war und ist, um der Welt das Liebes­bündnis zu schenken. Er steht nicht am Rande, er ist nicht eine Zutat, sondern zwischen ihm und der MTA gilt in einer ganz einzigartigen Weise das „Nichts ohne Dich – nichts ohne mich“, eine unzertrennliche Zwei-Einheit. Schönstatt ist das erweiterte Herz des Vaters, von dem die Gottesmutter schon von Kindheitstagen Besitz ergriffen hatte.

Beim Jubiläum wurde zusammen mit dem MTA-Bild das Vater-Auge ins Urhei­lig­tum getragen. Es ist ein bleibender Hinweis auf den himm­lischen Vater, auf den alles hinausläuft. Es ist ein Zeichen für die Vollendung des Liebesbündnisses im Vatergott. Wer jetzt im Heiligtum betet, wird immer wieder die ganze Welt, den ganzen Kosmos des Liebesbündnisses vor Augen haben. Der Blick geht vom  Bild der Mutter aus hin zu Kreuz und Taber­nakel und hin zum Symbol des Heiligen Geistes und des Vatergottes. Die Gottesmutter hat uns zum Vatergott geführt und uns die wun­derbare Welt der Gotteskindschaft erschlossen, die das Herzstück des Evan­geliums ist: Va­ter, Dein Reich komme!

Das Werkzeug für diesen Weg und diese Gna­de war und ist unser Va­ter und Gründer. Bei der jahrelangen Pilger­schaft des Vater­symbols haben unzäh­li­ge Schön­stät­ter in aller Welt dieses Symbol wie einen Besuch unseres Vaters gewertet und aufge­nommen. Voller Dankbarkeit haben sie sich erinnert und einge­lassen auf seine Führung zum Vater­gott. Er fragt uns heute, ob wir uns mit seinem Weg in Gesinnung und Tat solidarisieren. „Gleich- und Einschal­tung“ in die Person des Gründers hat er das oft genannt. Im Vaterbündnis geht der Weg in die Zukunft, der im 20. Januar 1942 seine Achse hat. Der heutige Tag will uns ganz frei machen für die Teilnahme an seiner Sendung. Er will Pater Kentenich in unserer Fa­milie als Vater und als einende Mitte neu aufleuch­ten lassen.

Amen.

Autorisierte Fassung.

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