Veröffentlicht am 2009-10-11 In Themen - Meinungen

Geh weiter vor

Margaret Steinhage FenelonMargaret Steinhage Fenelon. Eines Morgens hatte ich das seltene Glück, rechtzeitig zur Werktagsmesse zu kommen. Kein leichtes Kunststück für mich – die, die mich gut kennen, können das bezeugen. Aber ich schweife ab… Als ich in der Bank hinkniete, um mich innerlich auf den Gottesdienst einzustimmen und versuchte, endlich aufzuhören, der halb ausgetrunkenen Tasse Kaffee nachzujammern, die ich auf meinem Küchentisch zurückgelassen hatte, sah ich ein älteres Ehepaar die Kirche betreten.

 

Church pewsSchönes Pärchen, dachte ich, es ist so rührend, die beiden zusammen zur Messe kommen zu sehen! Die Frau ging voran den Gang entlang. Sie suchte sich im vorderen Teil der Kirche eine Bank aus und nahm im ersten Drittel der Bank Platz. Ihr Mann ging in die Bank hinter ihr…

„Geh weiter vor“, sagte er ein bisschen schroff, als er sie an der Schulter mit der Rückseite seiner Hand anstieß.

„Ich möchte nicht“, gab sie zurück, während sie geradeaus starrte und ihre Stellung behauptete.

„Oje, was passiert als nächstes?“, fragte ich mich.

Der Mann nahm sich dann etwas zurück und setzte sich in dieselbe Reihe wie seine Frau, allerdings ein paar Plätze weiter weg von ihr.

Nach nur einer oder zwei Sekunden bemerkte sie es und rückte weiter nach. Sofort rutschte ihr Mann zu ihr auf. Sie knieten zusammen nebeneinander hin und warteten, bis die Messe begann.

Was fällt dem ein, sie so herumzukommandieren?

Meine anfängliche Reaktion gegenüber dem Ehemann war ein bisschen lieblos. Was für ein Mann ist das, dass er sich herausnimmt, seine Frau so herumzukommandieren? Das ist nicht sehr galant. Und warum nahm sie es einfach so hin? Ich hätte mich für diesen alten Bussard jedenfalls nicht bewegt. Ich schnaubte.

Im Laufe der Messe beobachtete ich das Paar. Sie schienen noch so verliebt zu sein, als ob sie frisch verheiratet wären. Die Ehefrau schien nicht von dem Verhalten ihres Mannes genervt zu sein, also warum sollte ich es dann sein? Meine Wahrnehmung dieses Paares gab mir einen neuen Blickpunkt und mein Respekt für die Frau wuchs. Anstatt sie als dummen Fußabtreter zu sehen, sah ich sie als sehr kluge und bescheidene Ehefrau, die weiß, wann es nötig ist, nachzugeben, wenn die Angelegenheit im Grunde nicht wirklich bedeutend ist. Welchen Schaden brachte es ihr, weiterzugehen? Es war so eine kleine Geste und brachte ihrem Mann dennoch so eine große Freude und dadurch natürlich auch ihr und letztendlich Gott.

Die „Geh-weiter-vor“-Momente meines Lebens

Go furtherIch wette, dass wir häufig „geh weiter vor“-Momente in unserem Leben haben. Wie oft verlangt jemand etwas von uns, das wir nicht wirklich tun wollen? Was ist unsere spontane Reaktion? Meine ist gewöhnlich dieselbe, wie die anfängliche Antwort der Ehefrau bei der Messe. „Ich möchte nicht.“ Manchmal gebe ich nach und tue es trotzdem und manchmal verharre ich in meiner Sturheit.

Ich fürchte, dass ich oft weit entfernt vom Weg unseres Vater und Gründers bin. Es gab mehr Momente in seinem Leben, wo er sich dafür entschied „weiterzugehen“ als ich selbst jemals in einem Zeitschriftenartikel erzählen könnte. Ich denke, dass die bekannteste Geschichte die über den Dachau-Wachmann ist, der Pater Kentenich befohl, sein Fahrrad zu polieren. Pater Kentenich tat es, aber mit dem Hinweis an den Wächter, dass er es tat, weil er es wollte und nicht, weil es ihm befohlen wurde. Stellen Sie sich die Wirkung vor, die dies auf den Wachmann hatte!

Nimm hin, o Herr…

Das Gebet „Nimm hin, o Herr“ aus der Gebetssammlung „Himmelwärts“ fällt mir dazu ein. Es lautet folgendermaßen:

Nimm hin, o Herr, durch meiner Mutter Hände
der königlichen Freiheit ganzer Spende.
Nimm hin Gedächtnis, Sinne und Verstand,
nimm alles als der Liebe Unterpfand.

Nimm hin das ganze Herz, den ganzen Willen
und lass mich so die echte Liebe stillen;
was du mir gabst, das bring ich dir zurück
ganz ohne Vorbehalt als größtes Glück.

Verfüge stets darüber nach Belieben,
nur eines gib mir: Lasse mich dich lieben!
Lass mich wie deinen teuren Augenstern
von dir geliebt mich glauben nah und fern.

Gib Gnaden mir, dass sie mich machtvoll tragen
zu allem, was aus mir ich kann nicht wagen;
lass teil mich haben an der Fruchtbarkeit,
die deine Liebe deiner Braut verleiht.

Dann bin ich reich, ja überreich zu preisen,
kein größeres Glück kann man mir je erweisen.
Nichts gibt es, was ich noch verlangen möcht:
Was du verfügst, das ist mir lieb und recht.

Dann bin ich reich, ja überreich zu preisen,
kein größeres Glück kann man mir je erweisen.
Nichts gibt es, was ich noch verlangen möcht:
Was du verfügst, das ist mir lieb und recht. Amen.


Wenn unser Herr über meine ganze Freiheit verfügen würde, könnte ich mehr wie Pater Kentenich sein und unbehindert dieses Fahrrad polieren. Ich könnte eher wie die Ehefrau bei der Messe sein und gnädig die Bitte anderer respektieren. Ich könnte mich freudig Gottes Wünschen und Willen durch meine biologische Familie, meine Schönstattfamilie, meine Freunde, meine Arbeitskollegen, sogar durch Leute, die ich nicht kenne, hingeben. Nicht, dass ich ein Handlanger sein will und mich für Gründe verbiegen, die nicht gerechtfertigt sind, aber, dass ich bereit bin, die Bank aufzurücken, wenn mich nichts als mein eigener Starrsinn aufhält. Wenn ich daran wirklich hart arbeite, mein Herz der Gnade, der Liebe und der Fruchtbarkeit unseres Herrn zu öffnen, werde ich im Stande sein „weiterzugehen“ wann immer ich darum gebeten werde.

Übersetzung: Teresa Seebacher, Deutschland

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