Albert Eise Dachau

Veröffentlicht am 2022-09-09 In Schönstätter, ZeitGeschichte

Gedenken zum 80. Todestag von P. Albert Eise, SAC

DEUSCHLAND, Schw. M. Elinor Grimm •

Am Samstag, 3. September nachmittags, traf sich zum 80. Todestag von P. Albert Eise SAC eine kleine, aber sehr interessierte Teilnehmergruppe in der KZ-Gedenkstätte Dachau zu einem thematischen Rundgang. —

Besonderes Highlight: unter den Teilnehmern waren auch Angehörige sowohl von P. Albert Eise als auch von einem Pfleger im Krankenrevier, Dr. Eduard Pesendorfer. Sein Name ist Schönstättern bekannt durch die Gründung der Marienbrüder. Albert Eise gehörte zur Gründergeneration Schönstatts. Spontan kam auch die Studentin Maria Gross, die als Schülerin eines Freisinger Gymnasiums vor fünf Jahren das schöne Gedächtnisblatt über P. Eise verfasst hat.

Ein Freisinger Arzt betonte, wie wichtig es sei, an solch vorbildliche, mutige Menschen, Christen zu erinnern, auch in der heutigen Zeit. Sr. Elinor stimmte ihm zu, auch in der Tatsache, dass gerade durch solche Geistliche ein positives Bild über Kirche vermittelt werden könne. Aus der praktischen Arbeit mit Schülern bei Rundgängen konnte sie das nur bestätigen.

Am Block 7 und bei der Todesangst-Christi-Kapelle erinnerte ein Foto an P. Eise. So mancher Besucher schaute es genauer an. Bei der Führung wurde immer wieder speziell über P. Eise berichtet – aus seinen Lagerbriefen, aus Zeugnissen über ihn von P. Fischer, Heinz Dresbach und von P. Kentenich. Er hat ihn zur Tarnung in Lagerbriefen „Timo“ genannt – nach Timotheus, einem Schüler des hl. Paulus.

Dachau Albert Eise

Foto: Kiess

Ein Mitgründer Schönstatts verhungert

Albert Eise

Gestaltung: Kiess

Albert Eise wurde am 4.8.1941 in Koblenz mitten aus einer Tagung für Studentinnen verhaftet. Unter den Teilnehmerinnen war vermutlich ein Spitzel. Wenige Wochen danach wurde auch P. Kentenich festgenommen. Eise hatte in seiner Aktentasche Mitschriften von Vorträgen Kentenichs. Beide waren im gleichen Gefängnis in Koblenz, Karmeliterstraße, Zelle an Zelle. Eise kam schon im November 1941 nach Dachau, Pater Kentenich erst im März 1942. Es war das schlimme Hungerjahr im KZ Dachau. Der großgewachsene, kräftige P. Eise hat unter dem Hunger besonders gelitten. Oft gab Kentenich ihm von seiner Suppe oder auch die ganze Portion. In der großen Not hat P. Kentenich am 2. Juli bewusst Maria als Brotmutter erwählt. Im Herbst wurden Lebensmittelpakete erlaubt. Das hat P. Eise aber nicht mehr erlebt.

Vielleicht das größte Erlebnis im KZ war für Eise am 16.7. die geheime Gründung des Schönstatt-Familienwerkes und des Instituts der Schönstätter Marienbrüder im Block 14, getarnt durch Strohsackflicken. Er hatte einen kleinen Altar gerichtet auf einem weißen Taschentuch, getarnt hinter Strohsäcken, ein Marienbild von Schönstatt, zwei kleine Kerzen und in einer Dose sogar das Allerheiligste. Die Feierstunde hatte er zusammengestellt.

Wenige Wochen danach brach er auf dem Appellplatz zusammen. Kaplan Wensch stand ihm helfend zur Seite. Aber auch er wurde krank und starb bereits am 15.8.1942, was P. Eise aber nicht mitbekam. Er hatte noch große Hoffnung, Kaplan Wensch könne seine Aufgabe im werdenden Familienwerk übernehmen.

Die letzten Stunden eines Mitgründerlebens

Eigentlich wollten wir beim Rundgang am Block7, wo Pater Albert Eise gestorben ist, länger verweilen, aber da zog ein Gewitter auf, und Platzregen ging nieder. So suchten wir Schutz in der Todesangst-Christi-Kapelle. Maria Gross berichtete von ihrem Gedächtnisbuchbeitrag, den sie als Schülerin verfasst hatte. Frau Keßler, Dachaureferentin aus München, las uns aus der Lebensbeschreibung von Eugen Schmidt vor über die letzten des Lebens von Albert Eise. In aller Stille, ganz erbärmlich ist Albert Eise in den Morgenstunden des Samstags in die Ewigkeit heimgekehrt. Es war der Gedenktag „Maria, Mutter des guten Hirten“. P. Fischer konnte Eise zuvor durch Vermittlung von Eduard Pesendorfer geheim noch die Krankensalbung spenden und die Kommunion reichen, alles unter primitivsten Verhältnissen. Doch der Herr, der Erlöser war da. Er holte seinen treuen Jünger heim. Eduard Pesendorfer hatte sich auch eingesetzt, dass Eise von der „Todestube“ in eine bessere Stube verlegt wurde. Er vermittelte ihm auch Grüße von P. Kentenich. Ein realer Besuch – selbst geheim – wäre zu gefährlich gewesen.

„…und der Beifall kommt auf keinen Fall in dieser Welt“

Um 17 Uhr war Heilige Messe in der Kirche des Karmel. P. Dr. Jörg Müller, SAC, aus Freising, hat Albert Eise in den Gebeten schon zu den Heiligen gezählt – unbewusst wie er danach eingestand -, aber passend! Anstatt einer Predigt hat er ein selbst verfasstes kritisches Lied zur Gitarre vorgetragen. Im Refrain heißt es:

„Wer die Botschaft Jesu klar und auch verbindlich lebt,
ist ein Tor in dieser Welt, weil er zum Himmel strebt,
und der Beifall kommt auf keinen Fall in dieser Welt,
erst wenn Gott ihn in den Armen hält.“

Die erste Strophe lautet:

„Wer verbindlich seinen Glauben lebt und öffentlich bekennt,
muss mit Spott und mit Attacken ständig rechnen.
Wer die Dinge kompromisslos und bei ihrem Namen nennt,
erntet keinen Applaus und selten auch ein Lächeln.
Und die Klugen dieser Welt,
in der nur das Image zählt,
rümpfen bestenfalls die Nase und sie sagen:
Deine Worte sind hart,
du wirst sehen, na wart!
Wenn du weitermachst, geht es dir an den Kragen.“

Die Lieder, meist aus dem Gotteslob, wurden von Sr. Bernadette mit Querflöte begleitet, Sr. Elinor spielte Gitarre.

Dachau Albert Eise

Aushang vor der Kirche der Pallottiner in Freising

In Freising

Am nächsten Tag sahen sich beim gut besuchten Sonntagsgottesdienst in der Pallottikirche, Freising, manche Teilnehmer wieder. P. Müller erinnerte an P. Eise und die beiden anderen Glaubenszeugen der Pallottiner: P. Henkes, der 1945 im KZ Dachau starb und bereits seliggesprochen wurde, und P. Franz Reinisch, der vor 80 Jahren in Brandenburg-Görde enthauptet wurde.

Wer sich interessierte, konnte eine Kopie vom Gedächtnisblatt mitnehmen. Beim Marienaltar waren die Seiten aufgelegt.

Nach der Hl. Messe traf man sich noch im schönen Vorhof der Kirche zum Austausch und Abschiednehmen. Alle waren dankbar für die gesegneten Begegnungen in Dachau und Freising. Die Angehörigen hatten im Pallottihaus eine zuvorkommende Unterkunft gefunden. Sehr wertvoll und bereichernd waren für die beiden Dachaureferentinnen die Gespräche mit Dr. Pesendorfer im Karmel und im Archiv der Gedenkstätte im Umkreis des Gedenkens. Sr. Elinor hofft, dass bald ein Gedächtnisblatt über den Häftling Dr. Pesendorfer entsteht. Einmal im Jahr, Ende März, werden die neuen Seiten eingefügt, und manche auch vorgestellt.

Am Montagabend waren beim Online-Angebot über 20 Teilnehmer. Es war eine Gebetsstunde um Frieden mit Blick auf Maria, die Königin des Friedens. Es wurde die Beziehung zu Maria und zur Schönstattbewegung von drei Glaubenszeugen aus den Reihen der Pallottiner herausgestellt. Einer – P. Richard Henkes – wurde 2019 seliggesprochen. Von P. Franz Reinisch sind die Akten in Rom. Er und P. Eise haben ihre letzte Ruhestätte hinter dem Urheiligtum in Schönstatt.

Eine schöne Entdeckung: in der Pallottikirche ist eine Gebetsstele für die Ukraine. Und da wird Zeitgeschichte zur Geschichte, die heute geschrieben wird.

In der Pallottinerkirche: Gebet für die Ukraine

In der Pallottinerkirche: Gebet für die Ukraine

Weitere Angebote

Im November gibt es im Umkreis des Geburts- und Namenstages von P. Eise nochmals ein ähnliches Angebot:

  • Samstag, 5.11.2022, 13 Uhr: Thematischer Rundgang „Geistliche im KZ Dachau“ zum 80. Todestag von P. Albert Eise und anderen Geistlichen aus der Schönstattbewegung, die im KZ Dachau umkamen. Anmeldung erwünscht – die Teilnahme ist kostenlos:
    Rundgang 5.11.2022, 13 Uhr -16 Uhr; Beginn beim Besucherzentrum
  • online Angebot – Voller Glaubenskraft und Zuversicht – P. Albert Eise zum 80. Todestag: 16.11., 20 Uhr und 20.11., 16 Uhr
  • Mehr Informationen, Anmeldung:
    Sr. M. Elinor Grimm
    +49 174 5439 100,
    [email protected]

Albert Eise

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