Veröffentlicht am 6. August 2018 In Schönstätter

P. Humberto Anwandter – ein großer geistlicher Sohn Pater Kentenichs ist heimgegangen

CHILE, Octavio Galarce und María Fischer •

Am Sonntag, 29. Juli 2018, um 5.45 Uhr Ortszeit, ist P. Humberto Anwandter heimgegangen in die ewige Begegnung mit Gott. Wir danken für sein Leben und beten für ihn und alle, die um ihn trauern. —

Ein großer geistlicher Sohn Pater Kentenichs ist kurz vor dem 50. Todestag seines geistlichen Vaters heimgegangen.

Die Beisetzung von P. Humberto  war am Montag, 30. Juli um 15.00 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche in Bellavista unter großer Beteiligung der Schönstattfamlilie.

Zu seinem goldenen Priesterweihejubiläum im Jahr 2009 veröffentlichte die Zeitschrift „Vínculo“ ein langes Interview mit ihm, in dem er sein Leben Revue passieren ließ. Wir geben es hier in Übersetzung weiter.

Pater Humberto Anwandter: Vater von Vätern

Geliebt und geschätzt von allen Mitbrüdern seiner Gemeinschaft, dem Institut der Schönstatt-Patres, feierte P. Humberto Anwandter am 19. Juni (2009) sein Goldenes Priesterweihejubiläum zusammen mit vielen Mitgliedern der Schönstattfamilie. Es war eine große Feier mit drei Bischöfen und einer beeindruckenden Zahl von Priestern. P. Humberto ist der erste chilenische Schönstatt-Pater, er „ist“ die Generation Bellavista. Er kannte Pater Kentenich und hat in dessen letzten drei Lebensjahren in seiner Nähe gelebt.  Es genügt, an das zu erinnern, was Pater Kentenich über ihn gesagt hat: „P. Humberto ist es, der mein Denken am besten verstanden hat.“

Er schloss sich im Jahr 1950 der Schönstattjugend in der Gruppe „Ritter des Feuers“ an. Pater Kentenich lernte er 1951 in Bellavista kennen, als dieser dort ein Terziat für die drei Pallottiner-Patres hielt.  Er selbst nahm an eine Pädagogischen Triduum unter dem Titel „Herausforderungen der heutigen Zeit“ für Mitglieder der damals gerade erst entstehenden Schönstatt-Bewegung teil – es gab eine Müttergruppe und die Schönstattjugend. Pater Kentenich kehrte im Jahr darauf zurück, auf dem Weg ins Exil, wo er Humberto Anwandter, der damals schon im Noviziat war, zum zweitenmal traf.

  Sie haben Pater Kentenich sehr aus der Nähe erlebt, wie war Ihre Beziehung zu ihm?

– Wir lebten mit Pater Kentenich unter einem Dach, 10 Tage lang, während wir im Noviziat waren, gesehen haben wir ihn aber nur wenig.  Er predigte in der heiligen Messe bei unserer „Einkleidung“, diese ist veröffentlicht im „Schlüssel zum Verständnis Schönstatts“. Da zeigt er die vorwärtstreibende Kraft des Liebesbündnisses, die Bedeutung der Kenntnis des Praktischen Vorsehungsglaubens und die Kindlichkeit als zentrale Achse der Pädagogik Schönstatts.  Er bereitete uns darauf vor, nach Deutschland zu gehen, er wusste, dass dies sein letzter Besuch war, dass er vom Werk getrennt worden war.  Am 5. April 1952 brach er auf ins Exil, und wir vom Noviziat schrieben ihm in dieser Zeit Briefe. Er sandte uns ein Bild der Gottesmutter von Schönstatt mit einer persönlichen Widmung zu unserer Priesterweihe.  Ich habe ihn dreimal in Milwaukee besucht, im Jahr 1964 konnte ich 10 Tage bei ihm sein.  Im Jahr 1965 waren wir in Rom zusammen, nachdem er das Telegramm erhalten hatte, das ihn aus dem Exil rief. In den letzten drei Jahres seines Lebens in Schönstatt hatten wir mehrere Begegnungen mit ihm in der Generalleitung. Auch, wenn er spanischsprachige Besucher empfing, dann war ich Dolmetscher. Am Tag vor seinem Tod, am 14. September, haben wir zusammen zu Abend gegessen, und dabei ging es um seine Reise im Oktober nach USA und Lateinamerika. Am 15. September am frühen Morgen, in der Stunde seines Sterbens, habe ich für die Schwestern die heilige Messe gefeiert. In Pater Kentenich habe ich einen Vater der Barmherzigkeit erlebt, ich habe mich niemals jemand anderem gegenüber so öffnen können wie vor ihm. (Siehe: „P.  Humberto Anwandter: Los últimos recuerdos del Padre”, veröffentlicht in „Vínculo“ im September 2006).

Ich erlebte einen Priester, der mich schätzte und sein Vertrauen in mich setzte. Er zeigte mir, dass Gott uns erwählt trotz unserer Schwäche, dass seine Vaterliebe uns erhöht – und das in einer Zeit, in der die Kirche moralistisch bis ins Mark war. Wenn ein Mensch auf dieser Erde ein so großes, tiefes Verstehen für einen Menschen hatte, dachte ich, wie ist dass erst Gott, unser Vater? Pater Kentenich war ein Erzieher, der zwei grundlegende Eigenschaften hatte: das Väterliche und das Prophetische.  Väterlich, um die Menschen aufzunehmen und zu Gott zu führen, und prophetisch, weil er die Zeit diagnostizierte und dabei nicht nur ihre Krankheiten aufzeigte, sondern auch die Wurzeln der Probleme und ihre Behandlung. Er hatte diese Fähigkeit, die Stimme Gottes im Guten und im Schlechten zu entdecken. Wenn Gott das zulässt, sagte er, dann ist es für etwas Gutes.

Wie kam die Einheit der Schönstattfamilie in Chile, symbolisiert im Kreuz der Einheit, zustande?

­Das Wunder der Einheit in Chile geschah nach der Krise oder dem Skandal der Uneinigkeit zwischen den beiden Gruppen der Studenten-Jugend, die einen Anhänger von P. Benito Schneider und die anderen von P. Ernesto Durán. Damals war es ein Problem, das sogar bewirkte, dass Bischöfe eingriffen und eine weitere Verbreitung der Schönstatts verboten, da die Uneinigkeit mehr als deutlich sichtbar war. Die Aufstellung des Kreuzes der Einheit war der Beginn der Einheit. In diesem Moment musste ich von Deutschland nach Chile zurückkehren und das Kreuz mitbringen. Dieses Symbol machte das Geschehene sichtbar und heilte eine Wunde, ein Heilungsprozess, an dem Mario Hiriart, Marienschwestern, Führer der Jugend beteiligt waren, die sich des Geschehens bewusst wurden. Bis zu dem Moment hatten wir mit unserer Einheit angegeben, das kann gut sein, wenn die Gefühle gut sind – doch wenn Gefühle verletzt worden sind, dann ist das sehr stark. Einheit ist ein Geschenk, Zerteilung Zeichen von mechanistischem Denken. Einheit ist eine Gabe, die es zu bewahren gilt , und es gilt immer, Einheit in Vielfalt zu erreichen. Es ist ein Schatz, der in Bellavista geschenkt wurde wie damals im Coenaculum. Der Heilige Geist schafft Charismen im Dienst an der Kirche, obwohl die Aufgabe nicht immer einfach zu bewachen und zu pflegen ist. Es ist eine Gande, die man erbitten muss, eine Gabe des Heiligen Geistes, der erlaubt, dass Schönstatt Charisma ist und daran mitarbeitet, dass die Charismen in der Kirche konsolidiert werden, denn die Bewegungen müssen Garanten der Vitalität der Kirche sein. Es ist wichtig, das Charisma jeder Familie zu kennen. Das Geheimnis der Einheit ist das Liebesbündnis mit der Gottesmutter.

Welches sind die „kleinen“ Meilensteine ​​der Geschichte der Bewegung nach dem Tod des Pater Kentenichs?

Beim Treffen in Florencio Varela, Argentinien, im Jahr 1992, als das Goldene Jubiläum des 20. Januar gefeiert wurde, hat die lateinamerikanische Familie die Bedeutung des zweiten Meilensteins erkannt mit der Betonung, dass dieser Meilenstein schnurstracks nach Dachau führt. Gleichzeitig wurde das Goldene Jubiläum des 31. Mai im Jahr 1999 mit der ganzen internationalen Familie in Bellavista begangen, wobei eine gemeinsame Erklärung vor allem Milwaukee ins Licht rückte, wo die Laien einen viel direkteren Zugang zu Pater Kentenich hatten, was ein Erlebnis seiner Vaterschaft ohne Amt und Titel bewirkte.

Was waren die Achsen Ihrer priesterlichen Erfahrung in diesen 50 Jahren?

Wenn ich heute 50 Jahre meines Priestertums feiere, dann kann ich sagen, dass es dabei nicht zuerst um etwas Persönliches geht, denn die Gottesmutter ist meiner Berufung treu geblieben und ihr danke ich für ihre Treue. In meinem langen Priesterleben habe ich viele wichtige Erfahrungen und Erlebnisse gehabt. Die drei Jahre, die ich mit Pater Kentenich verbracht habe, waren ein Privileg, und ganz besonders, dass ich bei seinem letzten Abendessen dabei gewesen bin. Auch durfte ich seinen Sarg mit ins Urheiligtum tragen. Ich durfte den Vater und Gründer in diesen fünf Tagen vor seiner Beisetzung verabschieden und begleiten – er starb am 15. September und wurde am 20. September beigesetzt. Dass ich beim Bau und der Einweihung des Sionsheiligtums der Schönstatt-Patres in Deutschland dabei war. Bis vor fünf Jahren meine Arbeit im Familienbund. Die Anfänge der Familienbewegung im Jahr 1963. Es ist ein Privileg, mit Familien zu arbeiten, zu sehen, wie Familien um Heiligkeit ringen, denn dies ust der Kern eines jeden Menschen.

Wie sehen Sie die Bedeutung Schönstatts in der Zukunft der Kirche?

Das wird je nach Land, Kontinent und Kultur unterschiedlich sein. Das Wachstum Schönstatts in eine echte Internationalität, nicht nur an Orten, sondern in Gemeinschaften. Ich freue mich über die Entstehung eines Frauenbundes, eines Männerbundes, eines Priesterbundes in Chile. Schönstatt erreicht heute viele Länder und Kontinente wie Afrika und Asien. Jedoch gibt es viel zu erobern, um es ins Ausland zu bringen. Das Wachstum Schönstatts und sein Engagement in der Kirche besteht nicht nur darin, mehr Bischöfe zu haben, sondern auch mehr in der Kirche und in vielen gesellschaftlichen Bereichen wie Bildung, Politik, Wirtschaft, Kunst, Kommunikation engagierte Laien. Das Ziel ist, die Botschaft Pater Kentenichs mit immer größerem Engagement in die Welt zu tragen, wenn wir wirklich wollen, dass sein Charisma in der Gesellschaft ankommt. Die Zukunft ist vielversprechend, nicht, weil sie einfach ist, sondern weil wir die Diagnose haben, die Pater Kentenich vor 60 Jahren gestellt hat.

 

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