Veröffentlicht am 27. September 2017 In Schönstätter

Der personifizierte Traum von Schönstatt in Ungarn: Róbert Gódány

UNGARN, Csermák Kálmán – Schönstatt-Bewegung Ungarn/Maria Fischer •

Am Nachmittag des 19. September verstarb Róbert Gódány, Gründungsfigur der ungarischen Schönstattfamilie. In Obudavar am Plattensee, dem Ort, in dem sich Anfang der achtziger Jahre Familie Godany nach ihrer Rückkehr aus Österreich als erste Schönstattfamilie Ungarns niederließ, wurde im Jahr 2005 das erste Schönstatt-Heiligtum Ungarns eingeweiht. Pater Kentenich hatte Robert Godany bei einem Besuch in Milwaukee wegweisende Worte geschenkt, die darin gipfelten, dass „meine Heimat“ – also Ungarn – „Schönstatt werden soll.“ Damals habe er das nicht in der ganzen Tragweite verstanden, sagte er, erst später: dass hier die Sendung ausgesprochen wurde, Werkzeug für Schönstatt in Ungarn zu werden.

Und wie?

Sie müssen den Liebesstrom nur auffangen, durch sich hindurchgehen lassen, und auch andere dafür gewinnen. Es müssen nicht viele sein… Wenn Sie dann so eine kleine Schar darstellen, den Liebesstrom nach Ungarn leiten… Und dann nach Russland.“

Zitiert in: Richard und Ingeborg Sickinger, Das Wachstumsprinzip, Wien 2014, S. 166

 

Einer der Weggefährten, Kálmán Csermák, schreibt über Róbert Gódány:

Róbert Gódány wurde am 17. November 1939 in Budapest geboren. Er wuchs in der Familie seiner Großeltern auf, die in Dunapentele lebten, und die ihm Mut machten, zu studieren. Schon in seiner Jugend hatte er ein starkes Gefühl von intensiver innerer Freiheit und einen starken Gerechtigkeitssinn. Er war gerade 17 Jahre alt, als im Jahr 1956 die Ungarische Revolution und Unabhängigkeitsbewegung begann, die er glühend unterstützte – sodass nach der blutigen Niederschlagung durch die Sowjetarmee keine andere Möglichkeit als die Flucht nach Österreich blieb.

Nach dem Schulabschluss in Wien begann er, an der Universität Mathematik und Philosophie zu studieren. Sobald er erkannte, dass andere Werkzeuge notwendig waren, um die Welt in die rechte Bahn zu bringen, begann er im Jahr 1959 mit dem Studium der Theologie. In diesem Jahr kam er auch erstmals mit der Schönstatt-Bewegung in Berührung durch die Begegnung mit einer Schönstätter Marienschwester, Schw. Aquila, die für die Studenten des Pazmaneums, des ungarischen Priesterseminars in Wien, für die Ferien einen Aufenthalt in Deutschland organisiert hatte. Er wurde sofort von dem Geist berührt, der alle Christen dazu ermutigt, nach Heiligkeit zu streben. Gleichzeitig bewegten ihn sein Ehrgeiz und seine Wissbegierde, im November 1962  für einige Wochen Milwaukee zu besuchen, um sich persönlich mit dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, Pater Joseph Kentenich, zu treffen, der dort im kirchlich verfügten Exil lebte und arbeitete. Während ihrer Gespräche ermutigte Pater Kentenich, der die Lebenssituation von Róbert Gódany sehr genau kennenlernen wollte,  ihn und seine ungarischen Freunde, das Bewusstsein für das Liebesbündnis zu wecken, es zu stärken und als Gemeinschaft weiterzugeben; so könnten sie es später nach Ungarn und dann weiter nach Osten bringen.

Machen Sie einander glücklich

Im Jahr 1964, nachdem er erkannt hatte, dass er eine andere Berufung hatte als das Priestertum, beendete Róbert Gódány seine theologischen Studien als Laie und begann, wissenschaftlich zu arbeiten. In den folgenden Jahren war er auch an der Stärkung der Schönstatt-Bewegung in Wien beteiligt. Im August 1966 heiratete er Rita Gregorich. Von Pater Kentenich erhielt er die folgende Ermutigung für ihr gemeinsames Leben: „Machen Sie einander glücklich!“ Von da an wirkten sie mit mehreren Freunden in der Familienbewegung in Wien. Zwischen 1968 und 1976 wurden fünf Kinder geboren: Maria, Veronika, Peter, Tamás und Anna.

Gründung Schönstatts in Ungarn

Ende der 70er Jahre erkannte Ehepaar Gódany, dass die Liebe zu ihrem Vaterland, in dem sich zaghafte Strömungen einer größeren Freiheit abzuzeichnen begannen, sie dazu drängte, mit ihrer Familie nach Ungarn zurückzukehren. In der Kraft des Liebesbündnisses mit  Maria und auf das Versprechen ihres Freundes  Pater Tilmann Beller, dass er sie einmal im Jahr besuchen kommen würde, begannen sie 1980 ein neues Leben in ihrem Haus, das bei Óbudavár am Plattensee gekauft wurde. Zu dieser Zeit war Róbert, der zuvor als Programmierer gearbeitet hatte, zuerst als einfacher Landarbeiter und dann bei der Zánka LPG beschäftigt. Ein paar Jahre später konnte er seine Programmierkenntnisse im Bistum Veszprém in den Dienst der Kirche stellen.

Dank ihrer Beziehung zu den jungen Katholiken um Veszprém und ihren Familien und den Einsatz von Pater Tilmann Beller konnte im Jahre 1983 die ungarische Schönstattfamilie gegründet werden. Seit 1985 wurden Sommerfamilientagungen im Haus Gödány in Óbudavar organisiert, bei denen Geistpflege für Ehepaare mit Familienferien verbunden wurde.

In der Nähe von Robert Gódany war immer Initiative, Aktivität und Weltgestaltung angesagt. In den ersten beiden Amtsperioden nach der Wende unterstützte er die Bewohner der Siedlung Óbudavár als Bürgermeister. Die Akademie für Familienpädagogik, die 1992 gegründet wurden, hat in der Nachwendezeit Ungarns eine herausragende Rolle gespielt. Mit seiner Frau Rita übernahm er im Jahr  2007, als Pater Tilmann Beller in den Ruhestand gehen musste, zusammen mit sieben anderen Ehepaaren die Leitung der Schönstatt-Bewegung. Im Jahr 2012 wurde in der Übersetzung von Róbert und Rita die ungarische Fassung der Dachauer Gebete von Pater Kentenich, Himmelwärts, veröffentlicht, um die Spiritualität von Schönstatt in ihrer Gesamtheit und Glaubwürdigkeit zu erfahren.

In den letzten Jahren widmete er sich mehr seiner großen Familie mit insgesamt dreiundzwanzig Enkelkindern, die fast alle in der Nähe wohnen und  suchte die einfache und bescheidene Liebe der großen Familie, während er sich aus dem Leben der schnell wachsenden Schönstatt-Gemeinschaft etwas zurückzog.
Wir danken Schönstatts Mutter und Königin für das fruchtbare, reiche Leben von Róbert Gódany.

Quelle: Csermák Kálmán / Ungarische Schönstatt-Bewegung
Original: Ungarisch. Übersetzung: Maria Fischer, schoenstatt.org (Ven Espíritu Santo)

„Statt Kränzen“ eine persönliche Erinnerung

Eine Begegnung in Schönstatt zum Beginn eines der ersten Europäischen Familientreffen. Ich hatte Ehepaar Gódány und den ungarischen Familienbischof vom Flughafen abgeholt. Mir ist gut in Erinnerung, wie aufmerksam Robert Gódany immer wieder einmal das angeregte Gespräch der drei unterbrach, um in Deutsch eine Zusammenfassung zu geben oder einfach eine kleine Unterhaltung zu machen. Dann durfte ich erleben, wie er den Bischof zum Urheiligtum führte… Da glühte jemand so sehr von innen für dieses kleine Heiligtum, dass dieser Bischof, der zum ersten Mal nach Schönstatt kam, gar nicht anders konnte, als tief ergriffen niederzuknien…

An einem eiskalten Februartag Ende der neunziger Jahre fahre ich mit Robert Godany in einem Auto, wie ich es klappriger und abenteuerlicher nie zuvor und nie danach in meinem Leben erlebt habe, von Wien nach Obudavar, über verschneite und vereiste Straßen, auf denen mehr Pferdewagen unterwegs sind als Autos, letztere allerdings atemberaubend schnell.  Er erzählt mir von der ungarischen Geschichte, die mit dem und jenem Ort verbunden ist, den wir passieren. Ich kam frisch von der Universität, hatte mich intensiv mit der ungarischen Revolutions-Geschichte – 1848, 1956, 1989 – beschäftigt, und hier sprach ich nun mit einem, der diese Geschichte, diese Freiheitsgeschichte seines Landes, liebte und lebte und verkörperte. Patriot, ohne Nationalist zu sein. Ganz und gar Ungar, tief verwurzelt in Geschichte, Dichtung, Literatur seines Landes und doch mit weitem Blick in die Welt.

Und doch ist mir noch tiefer geblieben, was er vom Hausheiligtum sagte, von Schönstatt in den Häusern und Herzen ungarischer Familien… Und irgendwann formulierte sich in mir der Satz: Der Traum von Schönstatt in Ungarn ist eine Person, und sie heißt Róbert Gódany.

 


Fotos: Ungarische Schönstatt-Bewegung

Interview mit Rita und Róbert Gódany in: Richard und Ingeborg Sickinger, Das Wachstumsprinzip, Wien 2014, S. 163 ff.

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