Veröffentlicht am 2016-04-08 In Kampagne, Schönstätter

Giuseppe Marramarco: Marias treuer Missionar

BRASILIEN, Schw. M. Rosequiel Fávero, vía tabormta.org •

Für die Schönstattfamilie in der Süd-Region Brasiliens begann die Heilige Woche mit der traurigen Nachricht vom Tod von Giuseppe Marramarco,  bekannt für sein unermüdliches Apostolat mit der Auxiliar unter den Strafgefangenen in Rio Grande do Sul.

Eine Begegnung mit Joao Pozzobon 1985

Giuseppe Antonio Marramarco wurde in Corleto Perticar, Provinz Potenza, Italien, geboren. Am 24. März 1951 kam er im Alter von 23 Jahren als Migrant nach Brasilien. In Porto Alegre, wo bereits sein Onkel lebte, angekommen, mietete er ein Zimmer in einer Pension im Stadtviertel Floresta. Er arbeitete als Angestellter an einer Tankstelle, und nach einem entbehrungsreichen Jahr konnte er seinem Vater und seinem Paten die Summe zurückzahlen, die sie ihm für die Schiffsfahrt nach Brasilien geliehen hatten. Er arbeitete auch in einer Metzgerei, um diesen Beruf zu erlernen und konnte vier Jahre später sein eigenes Fleischergeschäft eröffnen. Da war er bereits mit einer jungen Frau aus Garibaldi, Clarita Lorenzi, verheiratet.

Im Jahr 1985 wurde sein Leben durch ein Treffen mit João Pozzobon vollständig umgekrempelt. In einem der vielen Interviews, die er im Jahr 2002 gab, als ihm die Mediengesellschaft RBS den Titel „Gaucho Honorario“ [Ehren-Gaucho] verliehen hatte, oder im Jahr 2010, als er die Ehrenbürgerwürde von Porto Alegre erhielt, erzählte Giuseppe Marramarco: „João Pozzobon hat mein Leben verändert. Ich habe bemerkt, dass dieser alte, fast blinde Mann so viele Dinge getan hat, während ich nur Geld und Vergnügen gesucht hatte. Drei Jahre lang habe ich danach einen inneren Kampf zwischen dem Leben für Geld und der Arbeit für Gott geführt. Gottes Macht war größer. Ich gab meine Arbeit auf, um Missionar zu werden.“

Giuseppe Marramarco begann, mit der Auxiliar des Heiligtums in Porto Alegre wie João Pozzobon in die Krankenhäuser und Schulen zu gehen; doch erst als er sie in die Gefängnisse brachte, entdeckte er dort sein bevorzugtes Apostolatsfeld.

Koordinator der Gefängnispastoral und Mitgründer des Vereins zur Resozialisierung der Strafentlassenen

Er widmete sich unermüdlich den Gefangenen und ihren Familien, wobei seine Arbeit weit über die Schönstatt-Bewegung hinaus anerkannt wurde. Er war der Koordinator der Gefängnispastoral und einer der Gründer des FAESP, eines Vereins zur Resozialisierung von Strafentlassenen.

Mit seiner Pilgernden Gottesmutter ging er in die gefährlichen Sektoren der am meisten gefürchteten Gefängnisse von Rio Grande do Sul, wie das Hochsicherheitsgefängnis von Cahrqueda oder das Zentralgefängnis von Porto Alegre. Unzählige Male habe er Männer, die durch ihre Vergangenheit und die furchtbare Situation in den überfüllten Gefängnissen völlig entstellt waren, hinter Gittern vor der Pilgernden Gottesmutter auf die Knie fallen gesehen. Durch seine missionarische Arbeit hat er vielen geholfen, den Weg zur Umkehr zu finden.

Seinen großen apostolischen Eifer stützte er durch Gebet und die Bindung ans Heiligtum. Im Jahr 2015 gab ein Priester aus der Diözese Porto Alegre ein Zeugnis über ihn: „Als Seminarist begleitete ich Herrn Marramarco oft bei seinem Apostolat. Ich war sehr beeindruckt von seiner apostolischen Arbeit, aber am meisten hat mich beeindruckt, ihn still betend im Heiligtum zu sehen.“

Die Krönungserneuerung „seiner“ Pilgernden Gottesmutter war so ein herausragender Augenblick im Leben der Schönstattfamilie; es war eine der Hauptzeremonien während der 100Jahr-Feier des Liebesbündnisses im Oktober 2014 im Heiligtum  ‚Maria, Cor Ecclesiae‘ in Porto Alegre.

„Die Gottesmutter macht weiter“ und Giuseppe Marramarco auch

Letztes Jahr übergab er seine Auxiliar im Bewusstsein seiner nachlassenden Kraft und weil „die Pilgernde Gottesmutter weitermachen muss“, der Obhut der Marienschwestern in Porto Alegre. Die Göttliche Vorsehung wob die Fäden in solcher Weise, dass eine Woche vor seinem Tod beim Abschluss des Regionaltreffens der Verantwortlichen der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter die Vertreter von Porto Alegre in einer feierlichen Neu-Aussendung im Tabor-Heiligtum in Santa Maria die Verantwortung für diese Auxiliar übernahmen, die so viele Jahre lang Giuseppe Marramarcos treue Begleiterin gewesen ist.

Die Gottesmutter setzte ihren Weg fort, und so wird es auch  Giuseppe  Marramarco tun. Jetzt in der Ewigkeit wird er ein treuer Fürbitter vor Gott sein für diejenigen, die ihr Ja zur Fortsetzung des Apostolates gegeben haben, das er so liebevoll ausgeführt hat.

Zusammen mit João Pozzobon und vielen anderen, die ihr Leben der Mutter und Königin von Schönstatt  gewidmet haben, hat die Schönstattfamilie in ihm ein weiteres Beispiel, in dem sie sich spiegeln kann.

Quelle: www.tabormta.org

“Ein Italiener bringt Licht ins Gefängnis”

Als Giuseppe Marramarco im Jahr 2002 zum „Ehren-Gaucho“ ernannt wurde, veröffentlichten wir auf schoenstatt.org einen Artikel dazu, den wir zu Ehren dieses großen Missionars auszugsweise in einer leicht verbesserten Übersetzung wiedergeben.

Anlässlich seines 45jährigen Jubiläums hat RBS, das größte Multimediaunternehmen Südbrasiliens, am 2. September in Porto Alegre zehn Personen, die vom Ausland nach Porto Alegre kamen, um dort zu leben und zu arbeiten, mit der Trophäe des „Ehren-Gaúcho“ ausgezeichnet; Gaúcho ist der Ehrentitel der Einwohner Südbrasiliens, eine Ehrenbürgerwürde also mit dem besonderen Akzent des „Dazugehörens“. Der Festakt fand im Sesi­-Theater statt, das Medieninteresse war groß. Unter den Geehrten ist auch ein einfacher Mann italienischer Abstammung, der wenige Tage vor dessen Tod 1985 mit João Pozzobon zusammentraf und seither die Pilgernde Mutter zu Gefangenen trägt.

Seitdem die Trophäe 1973 gestiftet wurde, hat RBS 123 Personen ausgezeichnet, die nicht im Staat Rio Grande do Sul geboren sind und sich um die wirtschaftliche, soziale, kulturelle oder gemeinschaftliche Entwicklung des Staates verdient gemacht haben. Am 25. August berichtete die Zeitung Zero Hora über einen der Preisträger, Giuseppe Antonio Marramarco, den alle „Pater Josef“ nennen…

Hier die deutsche Übersetzung des Artikels aus Zero Hora unter dem Titel: „Ein Italiener bringt Licht ins Gefängnis“:

Weder Pater noch Josef …

Unter den 1.100 spanischen, italienischen und portugiesischen Einwanderern, die am 24. März 1951 an Land gingen, war auch ein junger Mann mit geringer Schulbildung und noch geringeren Finanzen, der in Brasilien seinen Lebensunterhalt verdienen, seinen vier Kindern eine gute Schulbildung vermitteln und schließlich seine Zeit und Kraft den Benachteiligten geben würde. Die Häftlinge aus Südbrasilien, die er mit dem Bild der Gottesmutter besucht, nennen diesen Mann „Pater Josef“. Er ist weder Pater noch heißt er Josef. Sein Name ist Giuseppe Antonio Marramarco.

„Pater Josef“ trifft João Luiz Pozzobon: „Die Kraft Gottes war stärker. Ich gab die Arbeit auf, um Missionar zu sein.“

Die Geschichte von „Pater Josef“ beginnt mit einer Begegnung; mit der Begegnung mit dem Diakon João Luiz Pozzobon, Gaucho aus Santa Maria und Kandidat für die Ehre der Altäre, der 140.000 Kilometer mit dem Bild der Pilgernden Gottesmutter von Schönstatt zurückgelegt hat ­ zu Fuß. Marramarco traf ihn nur ein einziges Mal, 1985, wenige Tage vor seinem Tod. Es war genug.

– Er hat mein Leben verändert. Ich dachte, wenn diese alte Mann, fast blind, so viel getan hat, wie kann ich da bloß ans Geldverdienen und Vergnügen denken? Es war drei Jahre lang ein starker innerer Kampf: fürs Geld zu leben oder für Gott zu arbeiten. Die Kraft Gottes war stärker. Ich habe aufgehört zu arbeiten, um Missionar zu sein, fasst Marramarco, heute 74 Jahre alt, zusammen.

Er schloss sich der Schönstattbewegung an und folgte Pozzobon darin, das Bild der Gottesmutter zu tragen, und das im Dienst derer, die er als am meisten vergessen und verlassenen ansah: der Gefangenen. Heute Koordinator der Gefängnispastoral in der Erzdiözese Porto Alegre, blickt er auf 14 Jahre Besuche bei Gefangenen zurück; dabei geht es ihm darum, ihnen und ihren Angehörigen spirituell und materiell zu helfen.

 – Ich gehe von Gefängnis zu Gefängnis, sagt er, bete, gebe Rat und Trost. Die Häftlinge sind oft verzweifelt, haben sich aufgegeben. Ich will ihnen einfach etwas Licht bringen. In all der Zeit hat mir noch nie ein Häftling ein aggressives Wort gesagt.

„Keine einzige freie Stunde mehr …“

Vor fünf Jahren hat Marramarco seine Aktion für die Gefangenen noch erweitert, indem er mitwirkte bei der Gründung eines Vereins zur Unterstützung von Strafentlassenen, deren stellvertretender Vorsitzender er ist. Diese Stiftung unterstützt Ex­Häftlinge bei der Re­-Integration in die Gesellschaft.

– Oft genug hat ein entlassener Häftling niemanden, an den er sich wenden kann, und aus reinem Hunger wird er wieder straffällig. Von den 200, die wir bisher betreut haben, indem sie eine Grundausstattung bekommen haben, ist nur einer, soweit wir wissen, wieder kriminell geworden, erklärt Marramarco.

Von morgens bis abends mit Häftlingen und Strafentlassenen beschäftigt, hat der Missionar auch noch Zeit, dem Institut zur sozialen Unterstützung von Italienern vorzustehen, das er gegründet hat und mit dem er 120 italienische Einwanderer unterstützt, die unter der Armutsgrenze leben und keine staatliche Hilfe erhalten. Einmal im Jahr besucht er jeden von ihnen.

– Keine einzige freie Stunde habe ich heute mehr! Mein Tag beginnt um 6.00 Uhr morgens und endet um Mitternacht. So viel habe ich früher nie gearbeitet!

 

Jetzt hat er unendlich viel Zeit … und wird sie brauchen

Gerade jetzt wird im benachbarten Paraguay das Haus „Mutter von Tupãrenda‘ gebaut. Ein Haus für Jugendliche, die aus der Haft entlassen worden sind. Hier sollen sie eine Berufsausbildung und ganzheitliche persönliche Begleitung in der neuen Phase ihres Lebens erhalten. Wie könnte Giuseppe Marramarco sich da nicht beteiligen?

01. Aquí construimos la Casa Madre de TR

Fotos: tabormta.org, tvcamara-poars.blogspot.com

Original: Portugiesisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken und Maria Fischer/schoenstatt.org

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