Veröffentlicht am 2015-11-29 In Schönstätter

El Camino – Der Jakobsweg

Von Rafael Gualberto Ortiz Moreno, Paraguay •

Als mir einer der behandelnden Ärzte im Krankenhaus, in das ich schwer krank eingeliefert worden war, mir schließlich sagte: „Nehmen Sie es als eine neue Geburt. 90 % aller Menschen, die das hatten, überleben nicht; Sie haben einen weiteren Geburtstag zu feiern; tun Sie, wenn möglich, alles, was Sie immer schon zu tun geplant haben“, da kam mir sogleich der Camino de Santiago, der Jakobsweg, in den Sinn, benannt nach dem Apostel, der auch Jakobus der Ältere oder Jakobus, Sohn des Zebedäus, genannt wird, und der in Compostela endet, der Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft von Galizien, Spanien.

Vor vielen Jahren hatte ich mir überlegt, eines Tages einen Teil des Camino zu gehen. Ich habe einen Freund, der zusammen mit seiner Frau den französischen Teil des Camino gegangen ist, von St. Jean Pied de Port aus, eine Strecke von 780 km. Er hat mir seine Erfahrungen und Gedanken mitgeteilt, und ich dachte: „Eines Tages werde auch ich diesen Pilgerweg machen.“

Zurück ins Leben

Im vorigen Jahr war ich lebensbedrohlich erkrankt. Ich war vierunddreißig Tage im Krankenhaus, davon einundzwanzig auf der Intensivstation, intubiert und sediert. An einem Punkt hatten die Ärzte die Hoffnung aufgegeben, und sie dachten, ich würde nicht wieder gesund.

Viele Gebete wurden in der Schönstattbewegung gebetet, besonders in Ciudad de Este, und auch von vielen Menschen, die nicht zur Bewegung gehören, von einigen, die mich nicht einmal kannten. Es gab viele Gebete zu Gott und der Gottesmutter. Und sie wirkten! Gegen alle Prognosen begann eine ganz langsame Besserung. Nach und nach fing ich an ins Leben zurückzukommen, und ich erinnere mich, dass mir eine Bekannte aus der Gemeinschaft der Berufstätigen Frauen eines Abends die Pilgernde Gottesmutter brachte, die fünf Tage bei mir blieb. Sie wurde an einen strategischen Platz gestellt, so dass ich sie sehen konnte, wenn ich einschlief, und wenn ich erwachte, war das Erste, was ich sah, ihr Blick. Und die Gottesmutter hat sich um mich gekümmert. Bis sie an einem Abend abgeholt wurde. Der Missionarin war erzählt worden, dass ich auf dem Weg der Besserung sei, und es gab eine andere Person, die sie mehr brauchte als ich. Natürlich überzeugte mich die Erklärung nicht, und ich wünschte die Gottesmutter zu behalten. Aber ich dachte, dass sie schließlich fünf Tage bei mir gewesen war und ich nicht egoistisch sein dürfte, und so ließ ich sie traurig gehen. Zwei Tage später, am 14. Mai, hat der Arzt mich entlassen.

Ich erholte mich zu Hause und in einer Klinik für Physiotherapie, und während ich mich erholte, reifte das Projekt, eine Wallfahrt auf dem Camino zu machen. Eines Tages schlug ich es Lena, meiner Frau, vor, die das ohne Zögern akzeptierte.

Nach Madrid – das Abenteuer beginnt

Von da an begannen wir über den Camino zu recherchieren: die verschiedenen Routen, die Pilgerherbergen, Schuhwerk, Rucksäcke, was in den Rucksack zu packen ist etc., etc. Wir nahmen Kontakt mit Leuten auf, die den Wallfahrtsweg gemacht haben. P. José María García brachte uns in Kontakt mit P. Carlos Padilla aus Madrid, der enorme Erfahrungen über den Camino hat und mit P. Bernardo Parra, Novizenmeister in Tupãrenda, dessen Anregungen und Ratschläge sehr nützlich waren.

Im April buchten wir Reservierungen in Pilgerherbergen, wo wir jeden Tag am Ende unseres Weges bleiben konnten; und mehr noch, wir kauften Tickets für Madrid.

Uns war geraten worden, mit beladenen Rucksäcken zu trainieren, und das taten wir. Einige Wochenenden wählten wir eine bestimmte Strecke, und wir notierten die Entfernung und Zeit, und wie es schien, taten wir gut daran.

In Madrid wollte ich bei einer Familie wohnen, die zum spanischen Familienbund gehört, weil wir zum Familienbund in Paraguay gehören. So nahmen wir noch einmal Kontakt auf mit P. José Maria, und natürlich brachte er uns schnell in Kontakt mit einer Bundesfamilie aus dem ersten Kurs in Madrid.

Am 5. Juli 2015 kamen wir in Madrid an, bei einer Temperatur von 38°C, und Barbara und Eduardo warteten freundlicherweise auf uns. Am Nachmittag sahen wir das Heiligtum von Pozuelo de Alarcón, und dann gingen wir zur Messe ins Heiligtum von Serrano. Zu unserer Überraschung war der Zelebrant P. José Maria. Nach der Messe unterhielten wir uns eine Weile mit ihm und mit anderen Ehepaaren aus dem Bund, die uns vorgestellt wurden. So endete unser erster Tag in Madrid.

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Lena und Beto Ortiz in Madrid, vor dem Heiligtum von Serrano mit  P. José María

Aufbruch

Am Morgen des 7. Juli nahmen wir den Zug, der uns nach Sarria in der Provinz von Lugo brachte, an den Ort, wo wir unsere Wallfahrt beginnen wollten. Nach einer sechsstündigen Fahrt kamen wir an unserem Zielort an, und dann fanden wir unsere Herberge. Wir machten eine Besichtigung in der Stadt: die Hauptstraße, eine kleine Strandpromenade und die Kirche. Wir fanden heraus, dass die Stadt voller Pilger war, einige begannen den Camino von hier aus wie wir, und andere setzten ihre Wallfahrt fort.

Am folgenden Tag, dem 8. Juli, nach einer erfrischenden Rast, begannen wir unsere Pilgerreise etwa um 7.30 Uhr, und als wir zuerst die Stadt durchquerten, sie dann verließen, trafen wir viele Pilger aller Altersstufen und verschiedener Nationalitäten. Einige gingen allein, andere zu Paaren und andere in großen Gruppen; wir sahen zum Beispiel eine Katechese-Gruppe oder eine andere Gruppe, die Pfadfinder waren.

Sechs Tage, 115 km

Nach dem Erreichen einer Etappe gingen wir in die Herberge, ruhten ein wenig aus, aßen zu Mittag, und dann gingen wir zur Stadtbesichtigung; wir überprüften den Zeitplan für die Pilgermesse, die gewöhnlich um 7.30 Uhr war.

So gingen wir unsere sechs Wanderstrecken von 115 km, durchquerten Wälder, bebaute Felder, kleine Städte, Milchviehbetriebe, wo Kühe gemolken wurden, probierten Speisen aus der Region, und am Ende jeder Strecke nahmen wir an der Pilgermesse teil.

Am Nachmittag des 13. Juli kamen wir in Santiago de Compostela an; wir waren glücklich und zufrieden, vor allem aber waren wir dankbar für das Geschenk, den Camino in einer ruhigen Art und Weise, ohne Probleme und mit wunderbarem Wetter zu gehen; wir konnten meditieren, beten und unseren Dank ausdrücken. An dem Nachmittag/Abend nahmen wir an der Pilgermesse in der Kathedrale von Santiago teil, die von 1075 – 1211 erbaut wurde. So endete unser Tag, aber das Beste war für den nächsten Tag vorbehalten.

 

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In Santiago de Compostela

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Am 14. machten wir eine Besichtigung rund um die Kathedrale und gingen dann hinein, weil wir sie in mehr Details sehen wollten, und zu unserer Überraschung war sie voll, alle Bänke waren besetzt. Einige Pilger trugen noch ihre Rucksäcke, und auf Anfragen fanden wir heraus, dass nach der Abendmesse eine Zeremonie mit dem „botafumeiro“ [großes Räuchergefäß] stattfinden würde. Das ist ein riesiges Weihrauchfass, das in der Kathedrale von Compostela von der Decke herunterhängt, und das von acht Männern in einem hohen Bogen zur Decke hinaufgeschwungen wird, dabei das gesamte Heiligtum mit Weihrauch füllt, begleitet von Akkorden, die auf zwei riesigen Orgeln gespielt werden. Es war ein Genuss!

Früh am nächsten Tag gingen wir zum Bahnhof, um mit dem Zug nach Madrid zurückzufahren. Unnötig zu sagen, dass 90 % der Reisenden Pilger waren, und während der Fahrt machten wir Pläne, noch einmal zum Camino zurückzukehren, vielleicht eine etwas längere Strecke zu machen, oder von einer anderen der vielen Routen aus, die nach Santiago führen, denn der Camino nimmt gefangen, St. Jakobus lädt ein.

Uns bleibt nur, in jubelndem Staunen auszurufen:

“Danke, Herr, danke, Gottesmutter, für deine Güte!“

Original: Spanisch. Übersetzung: Ursula Sundarp, Dinslaken, Deutschland

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