Veröffentlicht am 2014-07-19 In Schönstätter

Nachruf auf Pater Günther Boll (1931 – 2014)

org. „P. Boll gehörte in der Gemeinschaft der Schönstattpatres zu den prägenden Gestalten ihrer Gründungsphase. Die internationale Schönstatt-Bewegung zählte ihn zu den herausragenden Interpreten Pater Kentenichs und seines vom Geist Gottes geschenkten Charismas“, heißt es im Nachruf von P. Theo Breitinger, Provinzial der Sions-Provinz, der bereits gestern auf der Webseite der Schönstatt-Bewegung in Deutschland veröffentlicht wurde.  Gern geben wir ihn hier  – auch übersetzt in verschiedene Sprachen – an die internationale Bewegung weiter. Am heutigen 19. Juli 2014 findet in Schönstatt die Beisetzung des am 16. Juli verstorbenen P. Günther Boll statt.

Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist. (Joh 14,11)

„…vor allem aber mein Herz“

 

Pater Günther Maria Boll (Foto: Schönstatt-Patres)

Zum Gedenken an unseren verstorbenen Mitbruder

Pater Günther M. Boll

Schönstatt-Pater

Geboren am 17. Januar 1931

Zum Priester geweiht am 20. Oktober 1963

Verstorben am 16. Juli 2014

 

Nachdem P. Günther M. Boll noch einigermaßen bei Kräften im September 2013 sein 50. Priesterweihe-Jubiläum auf Berg Sion im Kreis vieler Mitbrüder aus der internationalen Patresgemeinschaft feiern konnte, machte sich bald darauf ein zunehmender Kräfteverfall bemerkbar. – Anfang dieses Jahres fand er Aufnahme im Pflegeheim der Barmherzigen Brüder in Horbach bei Montabaur, wo er nun am 16. Juli 2014, am Gedenktag der Gottesmutter vom Berg Karmel, begleitet von mehreren Mitbrüdern den Weg ins ewige Vaterhaus angetreten hat.

P. Boll gehörte in der Gemeinschaft der Schönstattpatres zu den prägenden Gestalten ihrer Gründungsphase. Die internationale Schönstatt-Bewegung zählte ihn zu den herausragenden Interpreten Pater Kentenichs und seines vom Geist Gottes geschenkten Charismas.

P. Günther Boll kam in Frankfurt am Main zur Welt und entstammte einer weltoffenen, gläubigen Familie. Seinen Eltern, Theodor und Maria Boll sowie seinen Geschwistern Siglinde und Manfred blieb er zeit seines Lebens eng verbunden, dankbar für das unschätzbare Startkapital einer menschlich und christlich intakten Familie.

Die Schulzeit verbrachte Günther Boll zum großen Teil in Frankfurt am Main, infolge von Kriegswirren zeitweise unterbrochen durch einen Aufenthalt in Aschaffenburg. Bereits für den reichbegabten Schüler und Abiturienten (Reifeprüfung 1951) wurde es zum Markenzeichen, nicht nur Bücher, sondern gewissermaßen „Bibliotheken“ zu verschlingen. Sein waches Interesse galt insbesondere der Literatur – in einem breiten Spektrum! –, ebenso den Bereichen Geschichte, Kunst und Religion. Kann man dem Lebensgefühl nach zugleich modern und wirklich gläubig sein? Eine existenzielle Kernfrage seiner Jugend. Ausdruck seiner Suche nach einer zeitgerechten Synthese war eine zeitweilig angenommene Stelle am Frankfurter Flughafen (zur statistischen Erhebung gängiger Flugrouten) mit Aussicht auf eine vielversprechende Karriere, ebenso wie sein Eintritt ins Noviziat der Gesellschaft der Pallottiner, seine Entscheidung für den geistlichen Beruf im Dienst der Kirche.

In seiner Jugendzeit hatte Günther Boll Kontakt zur Schönstatt-Mannesjugend bekommen. Die dahinter stehende religiöse Welt einer neuen kirchlichen Bewegung fesselte ihn mehr als der Werdegang in einem Zivilberuf. Die Jahre 1952 bis 1954 verbrachte er im Noviziat der Pallottiner in Olpe/Westfalen. In dieser Zeit wuchs er immer mehr hinein in die schönstättische und pallottinische Geistigkeit. Auch knüpfte er freundschaftliche Beziehungen zu Mitbrüdern, die von Chile nach Deutschland gekommen waren, um hier ihre geistliche Formung zu erhalten – Freundschaften, die ein Leben lang hielten und sich segensreich ausgewirkt haben für den internationalen Lebensaustausch im Raum der Schönstatt-Bewegung.

1955 wechselte Günther Boll, zusammen mit seinem Noviziatskurs, an die Hochschule

der Gemeinschaft der Pallottiner in Vallendar-Schönstatt, um seine Ausbildung in Philosophie und Theologie fortsetzen. Diese fiel in einen Zeitabschnitt nach der vorausgegangenen Bischöflichen und Päpstlichen Visitation des Schönstattwerkes, derzufolge es zur Abberufung Pater Kentenichs von seinen geistlichen Aufgaben im Raume Schönstatts kam und zu seiner langjährigen Verbannung in die Vereinigten Staaten führte. Als Günther Boll und einige seiner Mitstudenten sich in dem damals vielfältigen Pro oder Contra zu einem möglichen Charisma Pater Kentenichs sehr deutlich zu einem solchen bekannten, auch im Blick auf die Gesellschaft der Pallottiner und ihren priesterlichen Weg im Raum dieser Gemeinschaft, sahen sich die Oberen der Gemeinschaft der Pallottiner veranlasst, Günther Boll und seinen Kreis aus der Hochschulgemeinschaft auszuschließen – mit der Aussicht, dass diese Entlassung ihren Weg zum Priestertum verunmögliche.

Es taten sich in der Folgezeit indes zunächst Wege auf, das Studium der Theologie in Fribourg in der Schweiz fortzusetzen und mit dem Lizenziat abzuschließen.

Um Günther Boll scharte sich in Fribourg ein kleiner Kreis von Freunden, die dasselbe Schicksal getroffen hatte. Sie bereiteten sich darauf vor und hielten sich bereit, wenn die göttliche Führung es so füge, sich als Mitgründer für eine neue Patresgemeinschaft im Dienste Schönstatts zur Verfügung zu stellen. Pater Kentenich, in jenen Jahren in der Verbannung, deutete Weg und Schicksal des zunächst kleinen Kreises später als Ausdruck einer neuen göttlichen Initiative, auf die er selbst nicht den geringsten Einfluss hatte nehmen können.

Im Jahre 1963 wurden Schritte unternommen, Günther Boll ungeachtet aller Prognosen die Priesterweihe zu ermöglichen. Der damalige Erzbischof von La Plata, Argentinien, Monsignore Plaza, erklärte sich bereit, ihn zum Priester zu weihen und für künftige Aufgaben im Raume Schönstatts freizustellen. Als Günther Boll am 20.10.1963 dann schließlich im Heiligtum von Florencio Varela bei Buenos Aires tatsächlich die Priesterweihe erhielt, fiel das bedeutsame Wort von Seiten P. Kentenichs: „Von jetzt an wird uns alles glücken“, das heißt, die Gottesmutter wird ein Ende der Verbannungszeit des Gründers herbeiführen und die Abrundung der Werdegeschichte des Werkes durch den Gründer selbst ermöglichen.

Nach seiner Priesterweihe durfte Pater Boll, unbestritten zum innersten Kern der neuen Patresgemeinschaft gehörend, über Jahrzehnte hinweg segensreich vor allen Dingen innerhalb dieser Gemeinschaft wirken. Er gehörte sofort nach der kirchenrechtlichen Errichtung und Anerkennung der Neuen Gemeinschaft am 18. Juli 1965 zu deren Leitung und blieb in ihr bis 1998 tätig. Für zwei Bereiche hatte er vor allem Verantwortung übernommen: Im Bereich der Formation und Ausbildung führte er als Novizenmeister mehrere junge Kurse in die Gemeinschaft ein und konnte sie später auch als Terziatsmeister weiter begleiten. Auch war er maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der „Ratio educandi“ insgesamt und versuchte, Raum zu schaffen für die theologische Ausbildung im Rahmen der Gemeinschaft.

Von 1998 an übernahm Pater Boll erstmals eine kontinuierliche priesterliche Tätigkeit außerhalb der eigenen Patresgemeinschaft. Er wurde mit dem Amt des geistlichen Assistenten im Schönstatt-Familienverband betraut. Als solcher reiste er vielmals um die Welt, so wie er es zuvor schon in seiner Eigenschaft als Erzieher der jungen Patres getan hatte. Oftmals betrat er in diesen Jahren den Flughafen in Frankfurt, jetzt aber nicht als dessen technischer Mitarbeiter, sondern als Botschafter Schönstatts, der von dort aus in alle Kontinente reiste und wie nicht wenige die internationale Verpflichtung der inzwischen weltweit gewordenen Schönstatt-Bewegung kannte und schätzte. Zweifellos gehörte Pater Boll zu den herausragenden geistlichen Söhnen und Mitarbeitern Pater Kentenichs. Was der Gründer in jahrelangen persönlichen Begegnungen mit Günther Boll investiert hatte, wurde zum Segen für die Gründung Pater Kentenichs in aller Welt.

P. Theo Breitinger

Provinzial

 

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