Santa Cruz do Sul

Veröffentlicht am 2022-07-18 In Leben im Bündnis, Santa Cruz do Sul

Marias Tränen in Santa Cruz do Sul

BRASILIEN, Maria Fischer und Ruy Kaercher •

Als sich einige Frauen am Freitag, den 15. Juli, dem Heiligtum von Santa Cruz do Sul näherten – diesem Heiligtum, seines Altars und seiner Inneneinrichtung beraubt, aber nicht der Liebe seiner Pilger, die bereits nach einem neuen Altar suchen und nicht aufhören, diesen Ort zu besuchen, an dem vor mehr als 40 Jahren die Dreimal Wunderbare Mutter von Schönstatt gebeten wurde, für immer dort zu wohnen – fanden sie dieses kleine Heiligtum brutal verwüstet vor. Die Fenster und die Tür waren herausgebrochen, der strömende Regen drang ins Innere. Aber es war nicht das Werk von Drogendealern oder Einbrechern, nein. Es war offensichtlich das Werk der Marienschwestern und der von ihnen beauftragten Leute, die zuvor, wie bekannt, schon Altar, MTA-Bild, Bänke, Stauden und Sträucher weggeholt hatten.  —

Nach der Verbreitung eines Videos in den sozialen Netzwerken, das eine der Leiterinnen der Apostolischen Schönstatt-Bewegung, Glaci Faleiro, aufgenommen hat und das die Schönstatt-Kapelle an der BR-471 ohne die Glasfenster und ohne die Tür zeigt, so die Lokalzeitung GAZ, bittet das Ministerium für öffentliche Angelegenheiten (MP) von Santa Cruz do Sul die Stadtverwaltung und die Sociedad Madre y Reina (= Institut der Schönstätter Marienschwestern, Provinz Santa Maria, Brasilien), die bis vor ein paar Monaten für das Grundstück und das Heiligtum zuständig war, bis sie es verlassen, an die Stadt zurückgegeben und eine finanzielle Entschädigung für die Gebäude erhalten hat, um eine Erklärung, was passiert ist. In einer Verfügung der Sonderstaatsanwaltschaft von Santa Cruz do Sul, die von Staatsanwalt Érico Barin unterzeichnet wurde, weist dieser darauf hin, dass Artikel 3 des Gemeindegesetzes 8.701/2021 festlegt, dass Elemente nur dann aus dem Heiligtum entfernt werden dürfen, wenn ein neues Gebäude errichtet wird.

In dem Dokument wird betont, dass es bisher weder Neuigkeiten über den Bau eines neuen Heiligtums gibt, noch ist eine Genehmigung der Gemeinde als Eigentümer für die Entfernung von Türen, Fenstern und Glockenturm bekannt. Es wird auch betont, dass die Elemente während der Regenzeit entfernt wurden, was zu einer Verschlechterung der Gebäudequalität führen kann.

Die Anordnung weist die Stadtverwaltung an, über eine eventuelle Genehmigung zur Entfernung der Elemente zu informieren und die sofortige Reparatur des alten Heiligtums anzuordnen, um das Gebäude vor dem Regen zu schützen. Die Staatsanwaltschaft forderte die Sociedad Madre y Reina außerdem auf, mitzuteilen, ob die Entfernung der Tür, der Fenster und des Glockenturms, die gegen das Kommunalrecht verstößt, genehmigt wurde oder nicht. Die Parteien hatten 48 Stunden Zeit, um zu antworten.

Die Generalstaatsanwaltschaft der Gemeinde Santa Cruz do Sul teilte mit, dass sie nach dem Antwortprotokoll der Staatsanwaltschaft, dessen Frist am kommenden Montag, den 18. Mai, abläuft, eine Erklärung abgeben wird, so das GAZ-Portal von Santa Cruz do Sul.

Santa Cruz do Sul

Warum so viel Feindseligkeit gegenüber einem kleinen Heiligtum und seinen Pilgern?

Es ist der jüngste Schritt in einer langen Geschichte. Während für den Bau und die Einweihung eines Heiligtums in jedem Land sehr hohe Anforderungen an die Genehmigung gestellt werden, sowohl seitens des Landes- wie des Generalpräsidiums, scheint es, dass für die Schließung eines Heiligtums, die Entfernung des Altars, des Gnadenbildes, der Ewiglicht-Ampel … nur die einsame Entscheidung einer Gruppe von Marienschwestern nötig ist, die nicht an diesem Ort bleiben wollen. Obwohl sie sagen, dass die Entscheidung mit der Bewegung besprochen wurde, mobilisierte dieselbe Bewegung, Laien, Pilger aus Santa Cruz do Sul, alles, um das Heiligtum zu erhalten, es mit dem auszustatten, was sie konnten, aber vor allem, um es zu besuchen, zu beten und ihre Beiträge zum Gnadenkapital anzubieten.

Sie haben, unterstützt durch die Veröffentlichungen der lokalen Presse und auch von schoenstatt.org, verhindert, dass der Plan der Rechtsträger des Ortes unbemerkt umgesetzt werden konnte.

„Was für eine Notwendigkeit, die Glasfenster und die Tür zu versetzen! Was für eine Schande, dass man nicht zulässt, dass sich nicht die Leute selbst oder die Diözese um den Ort kümmern!“ – so nur einer der Kommentare.

Marienschwestern, baut doch ein neues Heiligtum, im Hof eures Hauses, geschützt durch hohe Mauern und umgeben von einem Garten, den niemand betreten darf… Aber warum wollt ihr um jeden Preis die Mutter des Herrn und ihre Kinder aus dem Haus jagen, in dem sie vor mehr als 40 Jahren ihren Wohnsitz genommen hat? Welche Angst habt ihr vor diesem Heiligtum und seinen Pilgern?

Santa Cruz do Sul

„Das ist nicht christlich“

„Die Schwestern beschlossen, es zu schließen. Aber die Pilger haben es nicht aufgegeben. Das müssen wir betonen. Das Heiligtum wird mit seinen Gnaden fortbestehen, solange die Menschen/Pilger es als solches wahrnehmen. Wir dürfen uns nicht von äußeren Faktoren abhängig machen“, sagt José Argüello, Anwalt aus Paraguay, als wir mitten in der Freude über die Überreichung des Sionsgewandes in Paraguay von den Ereignissen in Santa Cruz do Sul hören.

„Marias Tränen“ sagen sie zu dem Regen, der durch dieses ausgeschlachtete Heiligtum eindringt… aber wenn die SIEGERIN will, wird dieser heilige Ort weiterhin Gnaden spenden“, so Tita Andras aus Österreich.

„Es macht traurig, wütend und ist sogar beschämend, dass so etwas passiert“, antwortet ihm Alexandra Kempff aus Santa Cruz de la Sierra, Bolivien.

Die meisten wollten sich nicht einmischen. „Sie haben die Laien von Santa Cruz in diesem Kampf allein gelassen und wollten nicht Partei ergreifen, um sich nicht gegen die mächtigen Schwestern zu stellen“, sagt Cassio Leal aus Brasilien.

Misa de Alianza, Santa Cruz do Sul

Bündnismesse, Santa Cruz do Sul, Herbst 2021

Einigkeit kann nicht durch Schweigen und Wegschauen erreicht werden

Santa Cruz do Sul ist ein Anti-Zeugnis, das Pater Kentenichs Werk belastet… und es ist ein Zeugnis für den Mut von Laien. Und das geht über diesen Ort hinaus.

Juan Zaforas, von der Redaktionsleitung von schoenstatt.org, macht deutlich:

„Es ist eine sehr traurige und unverständliche Geschichte, von Anfang an. Es war ein Unsinn, was da passiert ist, und es zeigt einige der Probleme auf, die Schönstatt heute hat. Wir sollten für all das beten und angesichts dieser Situationen auf keinen Fall schweigen. Schoenstatt.org hat darüber berichtet und es angeprangert. Von hier aus sollte jeder, der hören will, zuhören und entsprechend handeln. Einigkeit erreicht man nicht, indem man schweigt und wegschaut.“

Heute sind wir alle Santa Cruz do Sul. Wir weinen mit Maria. Aber wir sind nicht still.

 

Mitarbeit: Pfr. Esteban Casquero (Übersetzung der Meldung in der GAZ) und Team „Wagen wir zu träumen“.


Hinweis: Seit dem Beginn dieses Themas im Jahr 2020 haben wir die Marienschwestern mehrmals gebeten, ihre Version darzulegen, aber sie haben immer abgelehnt. In einigen unserer Artikel haben wir jedoch aus den lokalen Medien die Version zitiert, die die Marienschwestern bei den Anhörungen und der Gerichtsverhandlung präsentiert haben. Die Version, die auf ihrer Website veröffentlicht wurde, kann hier nachgelesen werden (portugiesisch).

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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