Menschen

Veröffentlicht am 2022-07-13 In Leben im Bündnis

Es gibt sie noch. Drei Namen und Gesichter im Dankestagebuch

3MG, Maria Fischer •

Es gibt sie noch. Diese Nachbarn, diese Menschen, diese Leute, die man einmal im Leben an der Kasse im Supermarkt trifft oder in der Parklücke… und die im Dankestagebuch und im Herzen landen und bleiben und „schuld“ sind an der Kraft, mit der man dem Leben und den Herausforderungen begegnet (und ja, den Nervensägen). —

Mittwoch: Einkauf nach der Arbeit, noch schnell etwas fürs Büro und Getränke, Salat und Obst und Schokolade für den Besuch im Pflegeheim und… Die Schlange vor den beiden einzigen geöffneten Kassen ist lang, es ist heiß und es ist drängelig. Griff in die Handtasche, Schrecken, Wühlen – Die EC-Karte und die Kreditkarte liegen (hoffentlich) zuhause, aber jetzt… Wieviel Bargeld hab ich dabei? Dreißig Euro, und das Flaschenpfand… Zu spät zum Ausscheren aus der Schlange, ich fange an zu sortieren, zu rechnen, die Kassiererin rechnet mit. Und dann sagt dieser junge Mann hinter mir, Anfang zwanzig, zu der Kassiererin und zu mir: „Alles gut, legen Sie den Rest bei mir drauf, ich bezahle das für Sie.“ Da steht die Welt für eine kleine Ewigkeit still. „Gibt es so was wie Sie wirklich?“, frage ich ihn, als ich die fehlenden fünf Euro aus der Hosentasche ziehe. Ich weiß nicht mal, wie er heißt. Oder doch. Doch. Jesus trägt heute ein HardRock-Café-Shirt.

Sonntag: Autoschlüssel, Tüte, noch eine Tüte, Handtasche und in Gedanken noch beim schweren Krankenbesuch. Irgendwie ist alles verheddert und ich auch. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragt jemand hinter mir, der gerade sein Auto in die Parklücke geschoben hat. Und zusammen entheddern wir … und lachen. Wir haben eine Strecke den gleichen Weg. Als ich an der Haustür angekommen bin, geht er weiter, verabschiedet sich und sagt: Wir müssen doch füreinander da sein, das tut doch nicht weh. Wenn Sie mal was brauchen, sagen Sie es mir. Schönen Sonntag!

Dienstag: Auf einmal denke ich an diesen jungen Mann, nachdem ich seit einer Stunde versuche, einen kaputten Bürostuhl die drei Etagen herunter zu befördern. Morgen früh ist Sperrmüll. Das Teil lässt sich nicht auseinanderbauen (jedenfalls nicht durch einen technisch Unbegabten wie mich), und es ist zu breit und zu schwer und einen Aufzug gibt es nicht. Klingeln an den Türen der Nachbarn im Haus hat nichts gebracht. Und dann stelle ich mich vor der Tür auf die Straße, erinnere mich an diese Begegnung am Sonntag, warte … und spreche einfach den Mann an, der aus dem Haus schräg gegenüber mit Tochter und Hund herauskommt. Aber sicher, gerne, wenn Sie Zeit haben bis nach dem Gassigehen? Vierzig Minuten später klingelt er an der Tür, ist ganz verlegen, als ich ihm mit einer Flasche Wein danke, trägt das schwere Teil fröhlich und locker die Treppe runter und ruft mir zu: „Wenn Sie mal was brauchen, S. von gegenüber, klingeln Sie einfach, wir sind doch Nachbarn!“

Mensch… ja. Es gibt sie noch, die guten Menschen.

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