Mons. Francisco Pistilli

Veröffentlicht am 2022-05-16 In Leben im Bündnis, Schönstätter

Silbernes Priesterjubiläum – eine Botschaft von Bischof Francisco Pistilli

PARAGUAY, Francisco Pistilli • 

Liebe Brüder und Freunde: Fünfundzwanzig Jahre meiner Priesterweihe veranlassen mich, vor allem Christus meinen Dank zu erneuern, denn es ist sein Priestertum, das mir zum Dienst in seiner Kirche anvertraut wurde. Ich danke auch der Kirche, die mich angenommen und mir das Amt anvertraut hat, insbesondere der Diözese Encarnación, der Gemeinschaft der Schönstatt-Patres, in der meine Berufung gereift ist, sowie der Apostolischen Schönstatt-Bewegung, meiner Familie und meinen Freunden und all den Personen und Gemeinschaften, mit denen ich in Ausübung meiner priesterlichen Sendung verbunden bin. — 

Ordenacion sacerdotal, Tuparenda, 1997

Ich danke Ihnen allen für Ihre Unterstützung, Ihre Gebete und liebevollen Grüße. Für Sie alle mein Gebet und meinen Segen.

Anlässlich meines silbernen Priesterjubiläums möchte ich einige Früchte und Überzeugungen hervorheben und mit Ihnen teilen, die in diesen fünfundzwanzig Jahren in meinem Leben – auch durch Gottes Gnade und Barmherzigkeit – gereift sind.

  1. Ich bin immer noch ein Jünger, der hinter dem Meister, Christus, geht. Das ist mein Platz.
  2. Ich bin ehrlicher zu Gott und zu mir selbst. In meinen jüngeren Jahren hatte ich vielleicht ein eher theoretisches und idealisiertes Selbstverständnis. Jeden Tag wird mir bewusster, dass alles, was ich zu verbessern glaubte, jetzt eine tägliche Aufgabe ist und auch weiterhin sein wird. Ich vertraue und bekenne, dass in meiner Menschlichkeit eine Gnade steckt, die mir nicht aus eigenem Verdienst zusteht, und das bringt mir Frieden, Sicherheit und eine realistischere und ehrlichere Verantwortung.
  3. Die Salbung meiner Hände ist die gleiche wie die meiner Brüder im Priesteramt, und diese Salbung verbindet uns. Meine Hände sind weder stärker noch kraftvoller. Gemeinsam tun wir das Gute, das Christus will.
  4. Die Art und Weise, wie ich die Kirche heute sehe, unterscheidet sich von der, wie ich sie in meiner Jugend gesehen habe. Ich habe Licht und Schatten gekannt, ich lebe in ihrem Geheimnis von Liebe und Barmherzigkeit, von Gnade und Sünde. Die Scham über die Verluste bewegt mich dazu, den Herrn verantwortungsbewusster zu suchen; die Dankbarkeit für die Früchte inspiriert mich zum Engagement für das Königreich. Ich gehe meinen Weg in der Kirche in der Zuversicht, dass das Evangelium möglich ist, dass wir immer noch eine junge Kirche sind, in der der Geist Gottes neues Leben bringt und in der das Gute, das Gott in ihr tut, weit größer ist als alle Fehler unserer begrenzten Menschheit.
  5. Ich betrachte die Welt und die Menschen, die sie antreiben, ratlos und erstaunt über das Böse, das sie tut, aber auch über das Gute, das sie tut. Wenn manche meinen, es sei das Ende der Welt, so glaube ich, dass wir uns gerade im Vorspiel zur Schöpfung befinden. Es gibt das Böse, ja, aber es gibt auch das Gute im menschlichen Herzen, wie ich wieder einmal sehen kann. Ich lasse mich von dem konkreten Guten im Alltag inspirieren, das diskret und versteckt ist, das nicht in den Nachrichten erscheint, das jeden Tag in der Intimität der Menschen und in der Diskretion geschieht, die nicht nach Anerkennung oder Popularität strebt, sondern nur nach dem Guten. Es überrascht mich nicht, dass die Welt unvollkommen ist, ich kann Schönheit in unvollkommeneren Realitäten sehen.
  6. Ich fürchte die Dummheit mehr als das Böse selbst. Ich kann über globale oder spezielle Rettungstheorien lachen und mich über das konkret Gute freuen. Ich bin misstrauischer gegenüber meiner eigenen Macht und realistischer gegenüber der Macht der anderen. Ich bin empört über die Arroganz der Ungerechten und misstrauisch gegenüber dem Wahnsinn einer Gesellschaft, die sich in Kampagnen und selbstgerechten Hassvisionen von der Realität entfremdet.
  7. Ich wachse weiter im Glauben und im Dienst. Ich glaube an die Kraft des Heiligen Geistes und sein Wirken in der Kirche, die sich Bahn bricht, um den Gott der Liebe und der Wahrheit zu offenbaren. Ich entdecke immer wieder, dass meine Augen offen sind für die Wahrheit, die sich finden lässt, wenn ich sie in Einfachheit und Ehrlichkeit suche. Die Wahrheit überwindet mich in der Manifestation von Christus, dem Antlitz des Vaters. Die Liebe umgibt mich und hält mich aufrecht.
  8. Ich bin immer mehr erstaunt über das Ja von Maria und Joseph.
  9. Ich knie immer noch vor dem Kreuz.
  10. Ich freue mich an der sanften Menschlichkeit des Auferstandenen, von dem ich erwarte, die Stimme zu hören, die mich kennt und sagt: Freu euch!

Encarnaci¡on, 10. und 11. Mai 2022

Francisco Pistilli

Francisco Pistilli

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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