Ordenación Pedro Bras

Veröffentlicht am 2021-10-09 In Leben im Bündnis

Ich bin’s, hab keine Angst! – Priesterweihe von Pater Pedro Bras in Lissabon

PORTUGAL, P. Enrique Grez López •

Als sich die Türen der Sakristei von Los Jerónimos zum Kreuzgang hin öffnen, um Platz für die Prozession zu machen, schaut eine Gruppe von Touristen überrascht auf und macht Fotos. Einige meinen, es handele sich um die Dreharbeiten zu einem Film, andere meinen, es handele sich nicht um einen Film, sondern vielleicht um eine große Zeremonie. Von drinnen erklärt ein Messdiener, dass gleich eine Priesterweihe stattfinden wird. Die Gesichter der Besucher vermitteln Erstaunen und Faszination. Sie machen weiterhin Fotos von der Priesterschar, die sich auf den Einzug vorbereitet. —

Rito de ordenación. Pedro postrado mientras se cantan las letanías (© Schoenstatt Lisboa).

Weiheritus. Pedro auf dem Boden, während die Litaneien gesungen werden (© Schoenstatt Lissabon).

Nachdem die Prozession in die Kirche St. Maria von Bethlehem eingezogen ist, nimmt jeder seinen Platz ein. Im Mittelschiff die Gäste, im südlichen Querschiff der Chor, im nördlichen Querschiff die Familie des zukünftigen Priesters, in der Apsis, hinter dem Altar, die 30 Konzelebranten und der Kardinalpatriarch von Lissabon, Don Manuel III. Im Querschiff, das ohne Bänke und Verzierungen ist, gibt es nur einen kleinen Hocker, vor dem unser Bruder Pedro stehen bleibt. Nur er. Als ob er in diesem riesigen zentralen Raum ganz alleine wäre. Plötzlich lassen die Wolken einen Hauch von Licht durch die Rosette des Mittelschiffs herein, und der künftige Priester wird in den Abendschein getaucht. Ergriffen von der Szene stimmen wir in den Gesang ein und nehmen an der Liturgie teil.

Und dann kommen so viele himmlische Freunde dazu

Zu Beginn des Weiherituals bricht das Licht erneut auf Pedro ein, der auf Steinboden liegt. Die Litaneien sind eine Einladung an die berühmtesten Heiligen der Geschichte. Einige von ihnen sind Anspielungen auf die Biografie unseres Pedro: sein Schutzpatron, die Heiligen von Lissabon, diejenigen, die ihn auf seinem Ausbildungsweg durch Paraguay, Chile und Spanien begleitet haben. Die Kirche füllte sich mit diesen himmlischen Freunden, und die Atmosphäre war von Gnaden erfüllt. Während ich für meinen Bruder betete, erinnerte ich mich an gemeinsame Momente während seiner Ausbildung. Ich erinnere mich an seinen Weg und an seinen Bruder Christian Abud, der seinem Kurs auf dem Weg zum Himmel vorausgegangen ist. Ich stelle mir vor, dass uns von dort aus unser lieber Pater Tiago Frescata, der hier vor 17 Jahren geweiht wurde, zuzwinkert.

Schweigen. Der Kandidat steht auf und geht auf den Bischof zu, der ihm die Hände auflegt. Dann sind alle Priester aufgerufen, das Gleiche zu tun. Die Geste ist sehr einfach, aber sie drückt das Unaussprechliche aus: die Kommunikation des Geistes, die unseren Dienst antreibt. In diesen Zeiten der Pandemie, in denen wir uns vorsichtshalber nicht gegenseitig berühren, ist das Zeichen des Handauflegens auf sein Haupt umso eindrucksvoller. Von der Bedeutung des Sakraments überwältigt, nähern wir uns dem Altar. Jetzt, wo alles leuchtet, wird unsere Kleinheit noch deutlicher. Einer nach dem anderen, wie eine arme Litanei, verneigen wir uns vor Pedro, dem Auserwählten. Und wir berühren ihn kaum. Jeder von ihnen spricht ein einfaches Gebet. In diesem Moment des Bündnisses bitten wir Jesus, dass er nie aufhört, Pedro die Worte zu sagen, die er als Wahlspruch für seine Weihe gewählt hat: „Ich bin es, fürchte dich nicht“. Das war’s. Einige Minuten später wird die Stille gebrochen und der Bischof weiht ihn: „Wir bitten dich, allmächtiger Vater, diesem Diener die Würde des Priestertums zu verleihen. Erneuere in seinem Herzen den Heiligen Geist; er möge von dir den Weihegrad des priesterlichen Dienstes empfangen und durch sein Verhalten ein Beispiel für das Leben sein“.

Trost und Hoffnung

Ordenación Pedro BrasAlles ist vollbracht, unser Bruder ist jetzt Pater Pedro Pinheiro Bras. Die Feierlichkeit, die jeden überwältigt, beinhaltet den Wunsch, zu applaudieren und zu jubeln. Es fließen Tränen. Es gibt so viele Erinnerungen und Gefühle, die Dankbarkeit und den Ruhm, die Sehnsucht nach Erneuerung und den Stachel der Mission. Aber es gibt auch die Erinnerung an die andere furchtbare Plage, nämlich an den Missbrauch, die die Kirche und auch unsere Gemeinschaft heimgesucht haben. So sehe ich diesen Tag als Balsam des Trostes und der Hoffnung.

Dann wird eine Kaskade von wohltätigen Zeichen ausgelöst: das Auflegen der Stola, die seine Mutter gestickt hat, die Salbung seiner Hände mit Chrisam, der Empfang eines Kelches aus Holz und Metall, wie sein Herz. Und dann werden all die warmen Lieder mit Respekt und Staunen gesungen. Die erste Teilnahme von Pedro als Zelebrant an einer Messe. Seine Hand zittert nicht im Moment der Epiklese, er zählt auf Gottes Hilfe, auf unsere Gemeinschaft und auf seine eigene Kraft.

Auf dem Weg dorthin hat er gelernt, sich mit Maria und Jesus anzufreunden

In den nächsten Tagen wird ein heiliges Fest mit Mahlzeiten, Segnungen, Empfängen und ersten Gottesdiensten stattfinden. Wir teilen den Tisch als Gemeinschaft, auch mit der lieben Familie von Pater Pedro und mit allen, die sich uns anschließen möchten. In der Zwischenzeit begleiteten wir den Neupriester zur Feier im Schönstatt-Heiligtum, wo seine Berufung geboren wurde, zur Pfarrei von Santos, wo er jetzt wirkt, und zum Fatima-Heiligtum. In dieser dritten „Primiz“ gibt er uns einen Hinweis darauf, was ihn zum Altar geführt hat: Auf dem Weg dorthin hat er gelernt, sich mit Maria und Jesus anzufreunden. Nicht mehr und nicht weniger. Später, bei der Kommunion im Schatten der Kleinen Kapelle der Erscheinungen, setzen wir die frühen Lehren unseres Bruders in die Tat um und danken dem Gott des Lebens für diese heiligen Tage.


Titelbild: Pater Pedro mit seinem Kursbruder Jesús Ruiz vor der „Primizmesse“ in der Gemeinde Santos, Lissabon (© Pater Juan Barbudo).

Original: Spanisch, 06.10.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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