Santa Cruz do Sul

Veröffentlicht am 2021-09-14 In Leben im Bündnis

Ein Heiligtum ist nicht verhandelbar

BRASILIEN, Romeu Neumann, Journalist. Veröffentlicht am 13. September 2021 in der Tageszeitung GAZ (www.gaz.com.br )

Diejenigen, die aus ihren eigenen Gründen anders denken, mögen mir verzeihen. Aber ich glaube nicht, dass der Streit um die Übergabe des Schönstatt-Heiligtums in Santa Cruz do Sul mit der Verabschiedung eines Projekts durch den Stadtrat gelöst ist, das die Exekutive ermächtigt, die Sociedade Mãe e Rainha (= Institut der Schönstätter Marienschwestern) für die auf dem Gelände durchgeführten Bauarbeiten zu entschädigen (?), und das bestimmt, dass das Heiligtum intakt und erhalten bleibt, bis ein neues gebaut wird. Es war ein mögliches Ergebnis, das mit den Bemühungen der Stadt, der Exekutive und Legislative, der Leiter und Anhänger der Schönstatt-Bewegung und der Schwestern der Kongregation erarbeitet wurde.

Aber Fragen dieser Art sind meiner Meinung nach nicht auf eine rechtliche und formale Seite beschränkt. Dabei geht es um weit mehr als nur um öffentliches Eigentum. Es ist der Traum, das Engagement, die Hingabe einer ganzen Gemeinschaft, die auf die Probe gestellt wird.

Unsere Gesellschaft lebt von dem, was aus Überzeugung und ohne Schielen auf persönliche Vorteile getan wird

Überlegen wir einmal: Was wäre unser Santa Cruz do Sul, wenn im Zuge der aufeinanderfolgenden Gemeindeverwaltungen nicht auch die gemeinschaftlichen Werte hinzugekommen wären, das Gefühl der Gemeinschaft, das die Menschen bewegt, einfache, aber engagierte Menschen, die das Leben in den Gemeinden pulsieren lassen? Wie viele Menschen tun anonym ihr Bestes, um die Forderungen ihrer Nachbarschaft, ihrer Gruppe oder einer ganzen Bevölkerung durchzusetzen? Und sie tun dies aus Überzeugung, bewegt von einer kraftvollen Energie, die nicht den persönlichen Vorteil, sondern das Gemeinwohl im Auge hat.

Prächtige Kirchen, Gemeinschaftszentren für Bildung, Obdach und Freizeit, ein Unterstützungsnetz für Bedürftige, die pädiatrische Intensivstation – das sind nur einige Beispiele für die immense Mobilisierungskraft unserer Bevölkerung. Menschen, die glauben, die kämpfen, die ihren Beitrag leisten und sich engagieren, weil sie vertrauen. Das Ergebnis rechtfertigt jedes Opfer. Dies ist die Motivation, die das anonyme Heer der Wohltäter dieser Gemeinschaft bewegt.

Wallfahrt 2018

Wallfahrt zum Schönstatt-Heiligtum in Santa Cruz do Sul, 2018

Geblieben ist nur die äußere Hülle eines Traums

Bis eine einseitige, unzeitgemäße und uneinsichtig-sture Entscheidung von Personen, die weder Protagonisten dieses Einsatzes sind noch es waren, die Säulen zerbrach, die diesen Traum stützten.

Das Schönstatt-Heiligtum ist im Wesentlichen dies. Das von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellte Gelände am Rande der BR-471 war die Wiege des Traums, einen Ort des Friedens und der Verbundenheit mit der Dreimal Wunderbaren Mutter zu schaffen. Wie viele Tränen der Trauer, der Dankbarkeit oder einfach des Lobes haben diesen heiligen Raum im Laufe der Jahrzehnte getränkt!

Bis eine einseitige, unzeitgemäße und uneinsichtig-sture Entscheidung von Personen, die weder Protagonisten dieses Einsatzes sind noch es waren, die Säulen zerbrach, die diesen Traum stützten.

Die ebenso vage wie widersprüchliche Begründung nährt angesichts der Höhe der Entschädigung (1,8 Mio. R$), die aus öffentlichen Mitteln in die Kasse der Marienschwestern fließen soll, den Verdacht, dass es von Anfang an nur ums Geld ging.

Die ebenso vage wie widersprüchliche Begründung nährt angesichts der Höhe der Entschädigung (1,8 Mio. R$), die aus öffentlichen Mitteln in die Kasse der Marienschwestern fließen soll, den Verdacht, dass es von Anfang an nur ums Geld ging.

Vereinfacht gesagt: Die Kongregation (gemeint: Marienschwestern) will nicht in diesem Raum bleiben, sie will das Heiligtum, das die Gemeinschaft gebaut hat, nicht, eignet sich aber die wertvollsten Dinge an, die es enthält: den Altar, das MTA-Bild, die Einrichtungsgegenstände, die Statue des Gründers, Pater Josef Kentenich.  Zurückgelassen haben sie nur die äußere Hülle eines Traums.

Ich denke, wir sollten das Ergebnis in Bezug auf die formalen/rechtlichen Aspekte in Bezug auf das (öffentliche) Gelände und die Immobilie loben. Aber die Wunden, die das Vertrauensverhältnis zwischen der Gemeinde (zumindest einem großen Teil von ihr) und den Marienschwestern aufgerissen haben, werden wenn überhaupt nur sehr langsam heilen.

Die Wünsche aller beteiligten Parteien respektieren

Aber es gibt noch eine Chance: dass der Wille der beteiligten Parteien respektiert wird.

  • Die Gemeinschaft der Marienschwestern hat beschlossen, zu gehen. Sie will ein neues Heiligtum im Stadtzentrum bauen. Sollen sie es machen.

  • Die Stadtverwaltung ist bereit, das Gebiet am Rande der Stadt , bei der BR-471, zurückzunehmen und beabsichtigt, die dort errichteten Räumlichkeiten gegen Entschädigung zu nutzen und dort eine Ausbildungsstätte einzurichten. Lassen wir sie das tun.

  • Weder die eine noch die andere Voraussetzung hindert das Heiligtum daran, dort zu bleiben, wo es ist, in den Händen derer, die es erbaut haben: unversehrt, mit dem Altar und all den anderen Dingen, die ihm Leben und Identität verleihen, und zwar definitiv und für immer.

Eine Vereinigung von Anhängern der Bewegung, die sich dem Schönstatt-Ideal verschrieben haben, wird in der Lage sein, mit der geistlichen Unterstützung der katholischen Kirche Aktivitäten zu organisieren, den Zugang für die Gläubigen zu ermöglichen und sich um das Gebiet zu kümmern. Möge diese belastende Episode nicht einen der heiligsten Werte der Menschen in diesem Land zerstören. Menschen, die sich einer guten Sache verschreiben und mit aller Kraft dafür kämpfen. Denn sie vertrauen. Doch sie akzeptieren nicht, dass man über sie hinwegtrampelt.

Romeu Neumann GAZ


Quelle: https://www.gaz.com.br/um-santuario-nao-se-negocia/

Auf die Bitte um Wiedergabe seines Artikels antwortete Romeu Neumann: „Ich autorisiere die Übersetzung und Veröffentlichung des Artikels „Ein Heiligtum ist nicht verhandelbar“ auf Schonstatt.org in vollem Umfang.

Original: Portugiesisch, 14.09.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

 

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