Santa Cruz do Sul

Veröffentlicht am 2021-08-31 In Leben im Bündnis

Königin der Situation in Santa Cruz do Sul, bitte für uns!

BRASILIEN, Ruy Kaercher & Maria Fischer •

Am Sonntag, dem 22. August, dem Fest Maria Königin, füllte sich das Heiligtum von Santa Cruz do Sul, jenes seines MTA-Bildes, seines Altars und aller Symbole beraubten Heiligtums, wieder mit Pilgern. An diesem Tag erneuerten wir das Bündnis, sowie die Krönung, da das Heiligtum nur am Dienstag, Donnerstag und Sonntagnachmittag für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Dies wurde vom lokalen Staatsministerium festgelegt. Ohne diese Anordnung wäre es immer noch durchgehend geschlossen. —

Letzten Sonntag, den 22. August, hatten wir eine Messe rund um das Heiligtum, das die Schwestern abreißen wollen, so erzählt Ruy Kaercher. Bei dieser Gelegenheit krönten wir auch Unsere Liebe Frau zur Königin der Heroischen Kindlichkeit. Wir haben sie dabei auch zur Königin der Situation in Santa Cruz do Sul gekrönt.


Ein Jubiläum inmitten von Kontroversen

Das Thema des Schönstatt-Heiligtums in Santa Cruz do Sul, sein Schicksal und das des Grundstücks (von Jahrzehnten von der Kommune geschenkt, um einen Ort der Seelsorge und pädagogischen Betreuung zu errichten), der darauf errichteten Gebäude und die finanzielle Entschädigung der Marienschwestern dafür, der Schmerz der Gläubigen und die „Neutralität der staatlichen Organe in Angelegenheiten der Kirche“ bewegen Santa Cruz do Sul weiterhin, mit fast täglichen Artikeln in der Presse. Inmitten dieses Klimas der Frustration und Enttäuschung, der Trauer und der Zahlung von enormen Geldsummen an die „Kongregation“, wie sie hier genannt werden, wurde das 75-jährige Jubiläum der Präsenz der Marienschwestern in der Stadt gefeiert.

„Am Montag, den 23. August, wurde eine Messe zum 75-jährigen Jubiläum der Anwesenheit der Marienschwestern in unserer Stadt gefeiert. Die Messe wurde von Diözesanbischof Aloisio Alberto Dilli geleitet. Am Ende hielt die Provinzoberin, Schwester Lilian Gorck, eine kurze Ansprache. Darin war kein einziges Wort der Reue, keine Bitte um Vergebung an die Pilger und die Gemeinde, im Gegenteil – sie denken weiterhin, dass sie die Opfer sind, geben sich beleidigt und missverstanden. Gottesmutter, lass sie Buße tun und sich zum gekreuzigten Christus bekehren! „, so Ruy Kaercher, Rechtsanwalt und Mitglied des Instituts der Schönstattfamilien, seit Monaten „das Gesicht“ der Bewegung für den Erhalt des Heiligtum an dem Ort, an dem es gebaut, eingeweiht und mit dem Gnadenkapital von Tausenden und Abertausenden von Gläubigen gefüllt wurde, an dem Ort, der nach dem Narrativ auch und vor allem der Marienschwestern – vor ihrer Entscheidung, das Grundstück zu verkaufen – für immer von der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstatt auserwählt wurde, um dort ihre Wohnstätte zu errichten und Gaben und Gnaden zu schenken.

Die Zukunft des Heiligtums

Aufgrund der Intervention verschiedener öffentlicher Stellen wurde die ursprüngliche Idee der Schwestern, das Grundstück mit allen Gebäuden zu verkaufen, zusammen mit dem Abriss des Heiligtums – eine Idee, deren Verwirklichung sie in einer Nacht- und Nebelaktion vorwegnahmen, in der sie den Altar, die Kirchenbänke, das Vatersymbol, das Heilig-Geist-Symbol und anderes aus dem Heiligtum entfernten – gestoppt, weil sie ein Grundstück, das ihnen für einen konkreten Zweck geschenkt wurde, nicht verkaufen durften und weil dieses Grundstück, wenn es nicht mehr dem ursprünglichen pastoralen Ziel dient, an die Stadt zurückfallen würde.

Damit war das Heiligtum zunächst als Gebäude gerettet, dank der städtischen Organe. Und es wurde als Heiligtum gerettet dank des Widerstandes und des Einsatzes der Laien der Schönstatt-Bewegung und vieler Pilger. Doch in dem juristischen Hin und Her änderte sich der Wind … und jetzt heißt es, dass das Land immer Eigentum Schönstatts war und dass Schönstatt (lies: die Marienschwestern) eine Entschädigung für die Gebäude erhalten wird … von 1,8 Millionen Reais (350.000 US$), weil sie sich von dem Gelände zurückziehen und es damit nicht mehr seiner Bestimmung dient.

Aber – was nun?

Kurz zusammengefasst die Inhalte der letzten Presseartikel: Auf dem Grundstück soll eine öffentliche Schule für die Kinder des Stadtteils eingerichtet und dafür die bestehenden Gebäude genutzt werden. Es wird auch gesagt, dass „ein Ort des Glaubens, der für alle offen ist“, auf dem Gelände erhalten bleibt. Das Heiligtum? Die Schönstätter, die für das Heiligtum kämpfen, sagen, dass sie nicht gegen die neue Nutzung des Geländes sind, aber sie bitten darum, dass die ursprünglichen Elemente des Heiligtums, die im Laufe der Jahre von allen Schönstättern erobert wurden, dem Heiligtum zurückgegeben werden.

Glacy Faleiro, die letztes Jahr eine Petition für den Erhalt des Heiligtums startete, die mehr als 3000 Unterschriften gesammelt hat, stellt die Absicht der Schwestern, das Heiligtum abzureißen, in Frage. „Die Schwestern entfernten den Altar, sowie andere Gegenstände, alle original aus Deutschland, so wie sie in anderen Heiligtümern auf der ganzen Welt sind. Die Erarbeitung der Kapelle war eine freiwillige Arbeit von vier Jahrzehnten, von Menschen, die ihr Geld und ihre Zeit dafür gegeben haben, damit das Schönstatt-Heiligtum an diesem Ort errichtet würde.“ Denise Kaercher Werner (Familienliga) sagte, dass die Entfernung der Gegenstände und ihre Verbringung in das Wohnhaus der Schwestern in einem anderen Stadtteil Ende Oktober 2020 bei Nacht und Nebel stattgefunden hat. „Alles wurde weggenommen, auch wenn das, was da war, mit viel Mühe von den Schönstättern erarbeitet worden war. Wir waren überrascht und traurig, dass wir nicht die Möglichkeit zum Dialog hatten. Alles, was sie predigen, ist anders als ihr tatsächliches Handeln.“

Um rechtliche Rückendeckung zu bekommen, arbeitet die Gruppe daran, einen Trägerverein zu gründen. Auf diese Weise wollen die Mitglieder der Bewegung das Heiligtum und die Wallfahrt unabhängig von den Marienschwestern aufrechterhalten – etwas Unerhörtes in Brasilien, aber absolut üblich in anderen Ländern wie Argentinien, Deutschland, Paraguay …

Im Namen des Mütterbundes weist Noeli Maria Brixner Falleiro darauf hin, dass der Tabernakel, in dem die Hostien aufbewahrt werden, gar nicht ohne bischöfliche Genehmigung entfernt werden durfte. „Auch das geht gegen die heiligen Angelegenheiten der Kirche“, betonte sie. „Wir müssen auch die älteren Generationen respektieren, die das verdient haben. Moralisch gehört das Heiligtum uns. Es ist inakzeptabel, dass der Ort aufhört, ein heiliger Ort zu sein“, fügt sie hinzu. Glacy ist unerbittlich, was das Ziel der Gruppe angeht. „Wir wollen, dass das Heiligtum genau so ist, wie es ursprünglich war. Wir denken sogar über eine Petition an Papst Franziskus nach, damit er sich für uns einsetzt.“

Wir reden hier nicht von ein paar Pilgern… Die 43. Wallfahrt zum Schönstatt-Heiligtum lockte 2019 rund 30.000 Menschen auf einen 3,8 Kilometer langen Weg. Das Heiligtum wurde am 11. Dezember 1977 eingeweiht. Jetzt ist das Gelände dreimal in der Woche geöffnet und am Sonntag nach dem 18. eines jeden Monats wird um 15 Uhr eine Messe gefeiert.

GAZ

„Legal vielleicht, aber unmoralisch“

Stadtrat Francisco Carlos Smidt (PSDB) hat laut einem Artikel in der Tageszeitung GAZ vom 21. August zugesagt, den Dialog zwischen den beteiligten Parteien zu suchen, um das Problem zu lösen. Er kommentierte das Fernbleiben der Marienschwestern, als eine Sondersitzung im Stadtrat angesetzt wurde, um die Angelegenheit zu besprechen, als unerhört. Er führte auch die Widersprüchlichkeiten über den ursprünglich genannten Grund für den Wegzug der Schwestern und ihre Umsiedlung an. „Sie beschwerten sich über die Sicherheit, aber Bürgermeisterin Helena Hermany sagte, sie würde für eine 24-Stunden-Sicherheit sorgen. Mit anderen Worten, der Grund für den Wegzug war vorgetäuscht und in Wirklichkeit ein anderer“, sagte er.

Für Smidt ist in den fast fünf Jahrzehnten des Bestehens des Heiligtums dort ein Erbe des Glaubens entstanden, das von der Gemeinschaft durch Wallfahrten und Besuche aufgebaut wurde. „Diese Gemeinschaft muss respektiert werden. Das Thema muss ernsthaft und verantwortungsvoll behandelt werden. Wenn die Fläche nicht für den vorgeschlagenen Zweck genutzt wird, sollte sie an die Gemeinde zurückfallen“, sagte er. „Und die Wände der Häuser dort muss wohl aus Gold und Diamanten sein, wenn die zu zahlende Entschädigung R1,8 Millionen für die Enteignung beträgt“, fügte er hinzu.

Der Stadtrat ist der Meinung, dass die Petition mit 3.000 Unterschriften bei den rechtlichen Entscheidungen Gewicht haben sollte. Die Art und Weise, wie das Heiligtum leergeräumt wurde, ist nach Smidts Meinung respektlos gegenüber dem Glauben der Menschen. „Es mag ein legales Verfahren sein, aber es ist unmoralisch. Es gibt keinen Grund für die Gemeinde, die Schwestern für eine Fläche zu entschädigen, die ihr gehört. Die Unnachgiebigkeit und Inflexibilität der Ordensschwestern ist bemerkenswert. Sie haben aufgehört, auf die Gefühle der Bevölkerung zu schauen und behandeln die Angelegenheit offensichtlich nur aus ihrer eigenen Nutzenperspektive“, betont er.

Und das alles und mehr steht in der Presse. So viel Publicity wie in Santa Cruz do Sul haben die Marienschwestern derzeit wohl nirgends.

Es mag sein, dass alle Bemühungen der Schönstätter das Heiligtum am Ende nicht retten können. Aber zumindest haben sie sich engagiert und getan, was sie konnten. Dies wird auf jeden Fall für die Geschichte bleiben.

Das schlechte Image und das Anti-Zeugnis der Marienschwestern wird an ihnen hängen bleiben. Schlechte Presse ist ein Faktor, der nicht unterschätzt werden sollte.


Ein Briefumschlag auf dem Weg nach Santa Cruz do Sul

Aber wir wollen diesen Artikel nicht so enden lassen. An diesem Sonntag, dem 29. August, verließ ein nicht einmal 500 g schwerer brauner Briefumschlag Deutschland in Richtung Brasilien. Was drinnen ist? Ein Stück Schiefer, etwas ausgezackt an den Rändern und im Used Look. Und es ist tatsächlich mehr als 100 Jahre alt. Es war ein Teil des Daches des Urheiligtums.

Es ist ein Gruß der Ermutigung, im solidarischen Bündnis. Und wer hindert mich daran zu glauben, dass es eine Liebkosung der Gottesmutter Urheiligtum für die verwundete Gottesmutter ist, die aus Santa Cruz do Sul vertrieben und verbannt wurde.

Königin der Situation in Santa Cruz do Sul, bitte für uns!

Santa Cruz do Sul

Original: Spanisch, 29.08.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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2 Responses

  1. Ich bin mal wieder total geschockt beim Lesen dieses Beitrags. Mir fehlen die Worte.

    Eines moechte ich berichtigen, es heisst in dem Artikel: „… wollen die Mitglieder der Bewegung das Heiligtum und die Wallfahrt unabhängig von den Marienschwestern aufrechterhalten – etwas Unerhörtes in Brasilien, aber absolut üblich in anderen Ländern wie Argentinien, Deutschland, Paraguay …“
    Das stimmt so nicht. Denn in BRASILIEN ,im Norosten, in OLINDA/RECIFE
    gehoert das Heiligtum unseren Patres! Der Grund: Den Schwestern wurde es mehrfach angeboten. Sie wollten es nicht. Zum ‚guten Schluss‘ hat P. Miguel Lencastre gesagt: Es reicht. Es bleibt bei den Patres! Melle

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