sol

Veröffentlicht am 2021-06-11 In Leben im Bündnis

Der Sonne entgegen gehen

3MG (Drei-Minuten-Geschichten), Paz Leiva •

Es scheint, dass zwischen Pandemie und „Causa Kentenich“ viele Schönstätter nicht mehr wissen, wie sie in die Zukunft schauen sollen. Die pandemische Erschöpfung hat uns desorientiert. Wenn ich über dieses Thema nachdenke, kommt mir eine Geschichte in den Sinn, die ich schon länger kenne: —

Eine Familie mit mehreren Kindern war im Urlaub am Strand. Die Kinder spielten und die Eltern lasen im Schatten eines Sonnensegels, bis jemand bemerkte, dass Lucas, das jüngste Kind, fehlte. Er war noch keine drei Jahre alt. Er musste zum Ufer gelaufen sein, um Wasser zu holen. Aber nein. Da sahen sie ihn nicht. Er muss etwas in den benachbarten Strandkörben gesehen haben. Aber nein. Da war er auch nicht. In weniger Zeit, als es dauert, diese Geschichte zu erzählen, rannte die ganze Familie plan- und ziellos herum und rief: „Lucas, Lucas!

Panische Angst ergriff die Eltern, die versuchten herauszufinden, wer Lucas als Letzter gesehen hatte. Und währenddessen riefen sie  immer weiter: „Lucas, Lucas!“ Irgendwann kam jemandem in den Sinn, in der Rot-Kreuz-Station Hilfe zu suchen. Zwei Freiwillige waren sofort zur Stelle, als Lucas‘ Familie bereits begonnen hatte, die 5 km Strand in verschiedene Richtungen abzulaufen. Einer der Helfer erzählte ihnen: „Wenn ein kleines Kind sich verirrt, läuft es normalerweise immer in Richtung der Sonne.“
An den spanischen Stränden des Mittelmeers muss man in der Regel nach Süden gehen, um der Sonne entgegenzugehen. Also rannte die ganze Familie schreiend in südliche Richtung davon. Etwa fünfhundert Meter von ihrem Sonnensegel entfernt sahen sie Lucas, der langsam ging und seine Füße in den sanft kommenden und gehen Wellen des Meeres nass machte. Und dabei ging er tatsächlich auf die Sonne zu.

Einige von uns sind desorientiert, erschöpft von so viel Pandemie. In welche Richtung müssen wir in diesem Sommer 2021 schauen, um der Sonne entgegen zu gehen?

sol



Hinweis: Die Geschichte ist real, Lucas‘ Name ist geändert.

 

Original: Spanisch, 10.06.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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