Rafael Mota

Veröffentlicht am 2021-01-16 In Leben im Bündnis, Schönstätter

„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“

BRASILIEN, Interview mit Diakon Rafael Mota •

Es sind nur noch wenige Tage bis zur Priesterweihe von Rafael Mota, die am 24. Januar 2021 (Fest des heiligen Franz von Sales, Schutzpatron der Journalisten) um 11 Uhr in der Basilika Unserer Lieben Frau vom Heil der Kranken in Poços de Caldas, im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, stattfinden wird. Aufgrund der Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie wird der Zugang zur Feier eingeschränkt sein, aber wir alle werden Rafael bei der Übertragung der Feier auf dem YouTube-Kanal des Heiligtums Sion de Jaraguá begleiten können.

Um ihn persönlicher begleiten zu können, hat die Redaktion von schoenstatt.org Rafael um ein Interview gebeten, damit wir mehr darüber erfahren, wer er ist und und über seine Geschichte in Schönstatt, seinen Weg zum Priestertum und seinen Traum  für Schönstatt, die Kirche und die Welt.

Rafael gehört derzeit zum Team von schoenstatt.org und hat 2015 eine Vereinbarung unterschrieben, dass die Artikel der Website der Mannesjugend von Brasilien auf schoenstatt.org veröffentlicht werden können und umgekehrt, der  Beginn einer Zusammenarbeit auf der Basis solidarischer Partnerschaft, die bis heute anhält.

Schoenstatt.org dankt Rafael für seine Bereitschaft,  seine Geschichte mit der Schönstattfamilie in aller Welt zu teilen.

“Que Ele cresça e que eu diminua”

„Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“

? Kannst du dich kurz vorstellen, bevor das Interview beginnt?

Mein Name ist Rafael Tavares da Mota, ich bin 30 Jahre alt und komme ursprünglich aus der schönen Stadt Poços de Caldas, in Minas Gerais. Meine Eltern sind getrennt, ich habe nur einen älteren Bruder, der bereits verheiratet ist, und ich bin der Onkel eines wunderschönen kleinen 2-jährigen Mädchens.

Seit 2010 gehöre ich zur Gemeinschaft der Schönstatt-Patres und wurde letztes Jahr zum Diakon geweiht – am 15. August 2020. Zurzeit lebe ich in Jaraguá, wo ich meinen Dienst in der dortigen Pfarrei ausübe.

Ich bin ein Liebhaber von Kultur, Kunst und Technik. Ich bin oft in irgendeinem Kommunikationsprojekt involviert und in den letzten Jahren habe ich mich in sozialen Netzwerken mit PRAYBACK beteiligt – ein persönlicher Versuch, Glauben und Kultur zu vereinen.

 

? Wie und wann war deine erste Begegnung mit Schönstatt?

Ich habe das Gefühl, dass ich nie ein Leben abseits von Schönstatt hatte. Von meiner Geburt an und während meiner gesamten Kindheit und Jugend waren meine Eltern im Institut der Schönstattfamilien. So wuchs ich im Schatten des Heiligtums auf, spielte mit den anderen „Kindern des Instituts“ bei den Treffen, betete die Weihe an die Gottesmutter in unserem Hausheiligtum und war umgeben von Büchern Pater Kentenichs. Aus meiner Sicht war das ein Privileg, ein besonderes Geschenk von Gott an mich.

1997 begann ich meinen Weg in der Mannesjugend (JUMAS) als Pionier, begleitet von Umberto und später von Cássio, einem der „frühesten“ Mitarbeiter von schoenstatt.org ist. Ich engagierte mich mehr und mehr, wurde Leiter und half eine Zeit lang, die Mannesjugend in Poços de Caldas zu leiten. Meine Wochenenden waren immer voll mit sozialen Aktivitäten, Camps, Treffen und vielen anderen Abenteuern.

Unser Berater war kaum einmal vor Ort und lebte weit weg, so dass wir uns anpassen mussten, um die Flamme nicht erlöschen zu lassen. Es waren schwierige Jahre, in denen wir sehr wenige waren und ohne viel Vorbereitung. Der Weg, den wir fanden, um diese Situation zu überwinden, war, die Gottesmutter zur Königin der Heroischen Erneuerung zu krönen, und wir baten sie, ihren Teil zu tun, indem sie junge und willige Herzen anzieht. Ich glaube, dass es funktioniert hat, denn die Mannesjugend besteht bis heute und erfindet sich immer wieder neu.

? Über die Entscheidung zum Priestertum: An welchem Punkt hast du sie getroffen? Was war der „Trigger“ für diese Entscheidung?

Als ich bereits an der Fakultät war und Informatik studierte, wurde ich eingeladen, an meinen ersten Misiones teilzunehmen, in den Jahren 2008 und 2009. Jetzt muss ich erklären, warum das Erlebnisse waren, die einen unglaublichen Eindruck bei mir hinterlassen haben:

Damals habe ich unter der Woche viel Zeit vor dem Computer verbracht, um Computerprobleme zu lösen. Im Gegensatz dazu traf ich in den Misiones Familien mit schweren Nöten – Armut, Gewalt, Drogen, Mangel an Liebe. Auf der anderen Seite war ich fasziniert von diesem Gemeinschaftserlebnis. Ich ging von einer sehr einsamen Routine dazu über, eine Woche lang meine Freuden und Schwierigkeiten mit 30 anderen jungen Leuten zu teilen. Darin lag etwas, das mich auf die Erfahrung von Jesus mit seinen Jüngern verwies.

Dies war der „Anstoß“, der mich über das Priestertum nachdenken ließ. Ich wurde davon überzeugt, dass es möglich ist und dass ich mein Leben gerne dem Dienst an anderen widmen würde, mit dem Bewusstsein, dass das Beste, was ich anderen anbieten kann, Jesus selbst ist. Er veränderte mein Leben und kann die Realität verändern. Und ohne Frage hatte die Gottesmutter bei all dem ihre Hand im Spiel.

? Was läuft bei dir wenige Tage vor deiner Priesterweihe?

Jetzt, wo ich kurz vor der Priesterweihe stehe, spüre ich wieder diese innere Berührung wie in der Zeit meiner Berufung. Zehn Jahre der Ausbildung sind vergangen, aber ich spüre, dass ich wieder einmal alles in Gottes Hände übergeben muss, um ihm in Freiheit und Vertrauen zu folgen. Meine Träume, meine Projekte, meine Sicherheiten, das Leben, wie ich es kannte und bis jetzt genossen habe… Es ist aber kein Sprung ins Ungewisse. Ich weiß, dass Er mich liebt, dass die Muttergottes für mich sorgt und dass sie mich brauchen!

In diesen Tagen habe ich auch die Zuneigung von einer Vielzahl von Freunden erfahren. Menschen, die Teil meiner Geschichte sind und die Werkzeuge für meine innere Transformation waren. Sie sagen, dass sie für mich beten – und das brauche ich, denn ich bin sehr nervös – und dadurch fühle ich mich begleitet, geliebt und ein bisschen ruhiger.

Der 24. Januar 2021 wird eine sehr kleine, einfache Feier sein, je nachdem, was die Umstände erlauben. Wirklich, es macht mich nicht traurig, noch entmutigt es mich, noch macht es mich neidisch auf andere. So ist das mit Gott – er überrascht uns immer, er ändert unsere Pläne. Ich mache die Worte des heiligen Johannes des Täufers zu meinem Weihespruch: „Er muss zunehmen, ich aber muss abnehmen“ (Johannes 3,29-30).

? Erzähl uns was von deinen kühnsten Träumen für die nächsten zehn Jahre –

Für die Schönstatt-Patres

Ich träume von einem Prozess der Umkehr innerhalb meiner Gemeinschaft. Dass wir lernen zuzuhören, im Team zu arbeiten, die Meinung anderer mehr zu respektieren – vor allem die der Fachleute. Dass wir demütig sind und uns umsorgen lassen, wenn es nötig ist, denn unser Vatersein soll sich nicht zu einem falschen Superheldentum degradieren. Meine Gemeinschaft ist sehr schön und fähig, unglaubliche Dinge zu tun – und ich bin glücklich, mir vorstellen zu können, dass sie immer noch auf dem Weg ist.

Für Schönstatt

Ich möchte verstehen, wie eine Weihe an die Gottesmutter in einer kleinen Kapelle in Deutschland die Herzen so vieler Menschen über ein Jahrhundert hinweg erobern konnte – um dieses „Geheimnis“ einfach anderen zugänglicher zu machen, beginnend mit einem Rückblick auf die Geschichte, der jeden Okkultismus, Triumphalismus und jede Ideologie überwindet, um die Gemeinschaft zwischen uns Schönstättern und der Kirche zu fördern.

Für die Kirche

Dass die sogenannte „Synodalität“ zu einem echten Modus Operandi wird – eine benutzerfreundliche Schnittstelle! – die die Distanz zwischen den leitenden Instanzen und dem einen Volk Gottes, das danach dürstet, teilzunehmen, verringert. Auch, dass das Webportal vatican.va ein neues Gesicht bekommen wird.

Für die Welt

Dass Fachleute in den Bereichen Bildung, Kultur und Kunst mehr anerkannt werden, besser vorbereitet sind und günstigere Bedingungen haben, um ihre Berufung auszuüben, um den weniger Glücklichen zu helfen, Bedingungen zu haben, ihre eigene Zukunft aufzubauen. „Bildung ist ein Akt der Hoffnung“, sagt Papst Franziskus.

 

Die sieben Stichworte

Ein Buch – Estragos, Fernanda Young
Ein Film – Das wandelnde Schloss (Studio Ghibli)
Ein Song – O Rio, Marisa Monte
Ein Ort – Tokio, Lisieux
Ein Schönstätter – P. Rudolf Mosbach, Schw. Stella Maris Grando
Eine Frage an P. Kentenich– Wohin gehen wir jetzt?
Eine Frage an Gott – Wie lange noch, Herr? (Ps 13)

Begleiten wir Rafael Mota mit unserem Gebet in den letzten Tagen seiner Vorbereitung auf diesen wichtigen Schritt in seinem Leben. Wir, das Team von schoenstatt.org, danken ihm für seinen Einsatz und seine Verfügbarkeit und beten für seine priesterliche Sendung.

Rafael MotaLink zur Liveübertragung

Original: Portugiesisch, 14.1.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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