Tiago

Veröffentlicht am 2021-01-20 In Leben im Bündnis

Eine kleine Heilige Woche in Lissabon und auf der ganzen Welt

PORTUGAL/INTERNATIONAL, María Fischer •

„Wir haben eine kleine Heilige Woche gefeiert“, sagte Pater Juan Barbudo in der Predigt beim Requiem von P. Tiago Frescata, am Samstag, 9. Januar 2021, in Bezug auf diese drei Tage zwischen dem Tod dieses portugiesischen Schönstattpaters, der so ungemein beliebt war – nicht nur in seinem Heimatland, sondern auch in Chile, wo er die letzten Jahre gewirkt hat; in Paraguay, wo er im Noviziat war; in Argentinien, wo er als Novize seinen Urlaub verbrachte; in Costa Rica und Panama, wo er genau zwei Jahre vor seinem Tod beim Weltjugendtag gewesen war. Im Alter von gerade einmal 48 Jahren verstorben, sammelte er in diesen Tagen nicht nur die Patres seiner Gemeinschaft aus Spanien und Portugal, Verwandten und Freunde, die in diesen Tagen in Lissabon sein konnten, sondern praktisch Tausende von Menschen aus der internationalen Schönstattfamilie, vereint im Schmerz, in der Erinnerung, im Gebet und in der Dankbarkeit für Pater Tiago, und es war eigentlich egal, ob sie ihn persönlich oder durch die Zeugnisse seiner Freunde kannten. Diese „kleine Heilige Woche“ war erfüllt von österlichem Licht, das weiter auf unser Schönstatt strahlt. —

 

Die Zahlen sagen etwas: 36 Kommentare in der spanischen Version der beiden in dieser „Heiligen Woche“ veröffentlichten Artikel, 6 in der portugiesischen Version. Das Fehlen von Kommentaren in der deutschen und englischen Version ist wohl eine Frage der Mentalität. 1936 Besuche der beiden Artikel auf Spanisch, 1572 auf Portugiesisch, 421 auf Deutsch, 34 auf Englisch; mehr als 6000 Aufrufe der beiden Videos von den live übertragenen Messen. Aber das ist nur die Quantität.

Die Qualität der Auswirkung des Lebens und des Todes von Pater Tiago Frescata wird nicht in Zahlen gemessen, sondern in dem Leben, das in den Herzen derer geweckt wurde, die weinten, sich erinnerten, beteten und ja, inmitten des Schmerzes lächelten, angesteckt durch sein typisches Lächeln, das die Hauptzelebranten der beiden live übertragenen Messen, P. Diogo Barata und P. Juan Barbudo, mit realen Geschichten aus dem Leben von „Tiago“ weckten.

Tiago

Mit Kindergesicht und klugen Fragen

Noch einmal danken wir P. Alberto Eronti für seine Erinnerungen an die Priesterweihe von P. Tiago Frescata, die wir gern erneut bzw. in englisch und deutsch erstmals veröffentlicht haben, und für seinen persönlichen Gruß an die Schönstattfamilie von Lissabon, dessen Veröffentlichung er uns gestattet hat. Man lernt einen Menschen kennen im Zeugnis von jemandem, der ihn ganz aus der Nähe begleitet hat.

„Ich habe Tiago in Paraguay kennengelernt, während des Noviziats, vor etwa 25 Jahren“, erzählt Ignacio Serrano, Kolumnist für schoenstatt.org und Mitglied des Männerbundes in Chile. „Ich erinnere mich an ihn als den jungen Mann mit dem Gesicht eines Kindes und intelligenten Fragen. Ich erinnere mich daran, dass er allem, was wir taten, einen nachdenklichen Dreh gab, mit einem Ton von Humor, den ich sehr genoss. Wenn wir zum Beispiel Zitronen oder Bananen ernten wollten, fragte er, ob es nicht besser wäre, die zu Boden gefallenen aufzusammeln, damit jede Frucht den Zweck erfüllen kann, für den Gott sie geschaffen hat, und nicht auf dem Weg verloren geht. Wenn wir die Töpfe und Pfannen spülten oder die Küche reinigten, überlegte er, wie ordentlich dies geschehen musste, denn während Gott wollte, dass wir durch Arbeit dienen, wollte er auch, dass wir Momente der Freude und Entspannung mit der Gemeinschaft teilen.
Das war Tiago. Das ist der Tiago, der nicht mehr hier ist, weil er zum Haus seines Vaters gegangen ist. Es gibt keine Fragen oder Überlegungen mehr. Aber sie sind auch nicht mehr notwendig, denn für ihn sind sie jetzt alle beantwortet worden. Es gibt auch keine Arbeit mehr, jetzt kann er in Frieden ruhen. Alle Anstrengungen sind nicht mehr nötig. Tiago kann Gott und seine Brüder im Himmel genießen. Und jeder dort wird sich an seiner Gegenwart erfreuen.“

Vigil der Mannesjugend

Ein ganz besonderer Moment war die Vigil der Mannesjugend im Heiligtum von Lissabon, das in diesen Tagen das lebendige Zentrum der Schönstätter war, die physisch und virtuell um P. Tiago versammelt waren. Statt vieler Worte teileen wir das Video von diesem Moment des Abschieds, der Dankbarkeit und der Hoffnung.

 

Gemeinsam träumen, gemeinsam bauen

Die weihnachtliche Dekoration, die Krippe, die Kränze mit weißen Blumen, die den Sarg umgeben, die Schönstattpatres aus Portugal und Spanien mit dem Provinzoberen, Pater Fernando Baez aus Chile, die trotz Pandemie und Schneefall, der gerade zu diesem Zeitpunkt die Iberische Halbinsel mit der größten Schneemenge der letzten 30 Jahre bedeckte, anwesend waren, der Chor und die Fotos und Symbole, die an Pater Tiago erinnerten und die immer mehr wurden: all das schuf eine weihnachtlich-österliche Atmosphäre für uns alle, die physisch oder virtuell anwesend waren.

Zwei der Messen wurden live übertragen. In der Abendmesse am 8. Januar betonte Pater Diogo Barata, der Delegationsobere der Schönstattpatres in Spanien und Portugal, der Pater Tiago seit seiner Kindheit kennt, dessen Haltung des „gemeinsam träumen“ und „gemeinsam bauen“ – die Mannesjugend Portugals, die Gemeinschaft der Schönstattpatres in Spanien und Portugal, die Rolle Schönstatts in der Kirche und in der Welt heute.

 

Guter Hirte

Ein Kind vor Gott, das nie aufhörte, sich überraschen zu lassen, ein Priester mit dem Herzen eines Hirten, der sich mit unermesslicher Großzügigkeit und Freude um die kümmerte, die ihm anvertraut waren: die jungen Menschen. So zeichnete Pater Juan Barbudo Pater Tiago bei der Beerdigungsmesse am 9. Januar, wobei er seine Verbundenheit mit der Gottesmutter, seine erste Liebe, hervorhob – und was seine Familie ihm bedeutete.

Dank der hervorragenden Übertragung konnten wir sogar die Prozession zum Heiligtum begleiten, konnten sehen, wie Pater Tiago noch einmal dieses Haus Mariens besuchte, wo er, wie wir glauben, jetzt für immer ist, um sich weiter um alle zu kümmern, die ihm anvertraut wurden und viele mehr.

Wie Edda Fournau, eine Missionarin der Kampagne der Pilgernden Gottesmutter aus Daireaux, Argentinien, die ihn nur durch Zeugnisse kannte, sagt: „Eine feste Umarmung für deine Familie, Pater Tiago.
Lege von dort, wo du jetzt bist, Fürsprache ein für unsere Kinder und Jugendlichen, damit sie treue Diener des Reiches Gottes sind…“

 

 

Spuren eines frohen, zurückhaltenden, stillen Menschen

„Mein herzliches Beileid der Familie unseres lieben P. Tiago. Er hat das Kreuz seiner Krankheit mit großem Glauben getragen. Sein Sterben bewegt mich, und ich begleite unsere Mitbrüder im Gebet und bei der Heiligen Messe. Ruhe in Frieden, Pater Tiago. Du hast deine letzte Messe in diesem Leben gefeiert, das ist dein Ostern zum ewigen Leben“, schreibt Bischof Francisco Javier Pistilli Scorzara von Encarnación, Paraguay.

Ein froher und stiller Mensch, zurückhaltend, der Spuren hinterließ. „Ich hatte die Gnade, Tiago im Noviziat kennenzulernen, und später habe ich ihn immer wieder einmal getroffen, immer so froh und begeisternd, mit einer beneidenswerten Hingabe an die Gottesmutter. Danke, Tiago, wir werden dich vermissen, wie Pater Alberto sagt“, schreibt Monina Crivelli, aus Buenos Aires, Argentinien.

Manuel Huapaya, aus Peru, hat die Erinnerung an eine Begegnung von wenigen Stunden: „Als ich die Nachricht erhielt, war ich überrascht. Ich kannte P. Tiago nur sehr wenig; ich hatte die Gelegenheit, ihn auf seinem Weg zum Weltjugendtag eine Nacht zu Hause zu haben, weil er auf dem Flug einen Zwischenstopp in Lima hatte. Er war ein junger Priester mit viel Leben und innerer Freude. Sicherlich öffnet der Herr die Türen des Himmels, um ihn heute zu empfangen“. – „Danke, Pater Tiago, dass du uns in Panama beim WJT 2019 begleitet hast. Er war in der Schule, in der alle Schönstätter beim Weltjugendtag untergebracht waren. Vom Himmel aus wirst du die Jugend zum Weltjugendtag in Portugal begleiten“, sagt Carmen Franco aus Panama. „Ich hatte die Gelegenheit, ihn beim Weltjugendtag in Panama kennenzulernen, und ich war sehr glücklich, dass der nächste in seinem Heimatland stattfinden würde und dass ich mit ihm bei der Organisation der Veranstaltung zusammenarbeiten würde“, fügt Ligia Plata hinzu.

Dies sind nur einige der vielen Kommentare, Grüße, Beileidsbekundungen und Erinnerungen, die in diesen Tagen zusammenkamen. Wir laden Sie ein, sie alle zu lesen. Ich möchte mit der Aussage von Cristián León, aus Chile, schließen:

„Ich hatte die Gnade, im Laufe deines priesterlichen Wegen immer wieder bei dir zu sein, von der Überreichung des Sionsgewandes in Tuparenda bis zu deiner Zeit der Rekonvaleszenz nach der Operation in Chile. Jung, froh und extrem freundlich und transparent bist du ein großer Verlust für diese Welt, die Priester wie dich braucht. Aber Gott wollte dich früher an seiner Seite haben. Dein Leben ehrt das Priestertum und ist eine große Ehre für Schönstatt.“

 

P. Tiago

Original: Spanisch, 18.01.2021. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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