Ernest M Kanzler

Veröffentlicht am 2020-12-27 In Leben im Bündnis, Schönstätter

Zum Tod von Ernest M. Kanzler, Generaloberer des Instituts der Schönstätter Marienbrüder

Von Roberto M. González/mf •

Der Tod ist für uns alle kein seltsamer „Zufall“, aber die Geschwindigkeit, mit der er manchmal eintritt, lässt uns fassungslos zurück, und auch in Zeiten der Pandemie, in denen dieser Virus so viele Menschen sehr schnell ins Reich des Himmel bringt, ist der Tod immer noch etwas, das uns überraschend trifft und erschüttert. Am 23. Dezember,  kurz vor Heiligabend und in den ersten Tagen des Jahres des heiligen Josef, ist Ernest M. Kanzler, Generaloberer des Instituts der Schönstätter Marienbrüder, verstorben.  —

Kanzler

Ernest M. Kanzler | Foto: Dietger M. Kuller

Vor genau zwei Wochen bekam Herr Kanzler die Diagnose vom Arzt: Krebs, Plasmozytom, mit Ausstrahlung auf Wirbelknochen und Becken war bereits fortgeschritten“, so schreibt Thomas M. Butz an Weihnachten an die Freunde und Wohltäter der Marienbrüder, die diesen Gruß eigentlich von Ernest M.Kanzler erwarten.

Einerseits hatte er endlich Klarheit über die Ursachen seiner Schmerzen, andererseits auch die Ahnung, dass ihm nur noch eine kurze Zeitspanne bleiben wird, wie lange diese auch vom Himmel bemessen sein würde.

Das Tempo, in dem sich sein Zustand verschlechterte, hat uns alle überrascht. Vergangenen Freitag war der Weg ins Krankenhaus unumgänglich. Zu dem onkologischen Krankheitsbild kam am Sonntagabend ein Schlaganfall hinzu. Die Untersuchungen ergaben eine sehr schlechte Prognose, so dass am Mittwochnachmittag klar wurde, dass das Leben zu Ende geht. Wir hatten die Gelegenheit Herrn Kanzler die ganze Zeit zu begleiten und sind dafür in Coronazeiten dem Krankenhaus sehr dankbar.

Gestern Abend um 23:40 Uhr verstarb Herr Kanzler. Der Verlust wiegt schwer, für die Gemeinschaft, die Männer, die Sendung als Laien in der Welt. Diese Anliegen trug er tief in seinem Herzen, aber wir Marienbrüder leben auch geschichtsbedingt in der Gewissheit, dass Gott auf krummen Linien gerade schreiben kann.

Die „göttliche Störung“

Seit einigen Wochen ist in verschiedenen Gemeinschaftsgesprächen die „göttliche Störung“ (Wer an den Heilige Geist als die schöpferische Aktivität Gottes glaubt und in diesem Glauben um das Kommen dieses Geistes bittet, der muss wissen, dass er damit die göttliche Störung herbeiruft und sich dafür offen halten, dass Gott ihn stört in seinem „Besitz“, in seinen Gewohnheiten, auch in seinen Denkgewohnheiten, wenn sie nicht mehr dafür taugen, ein Gefäß der heilsamen Unruhe und der aufregenden Wahrheit zu sein.Wer also bittet: ‚Komm Heiliger Geist’, muss auch bereit sein zu bitten: Komm und STÖRE MICH, wo ich gestört werden muss.“) ein Gesprächsthema in Blick auf das Virus und die Krankheit von Ernest M. Kanzler.

Die göttliche Störung erscheint in verschiedenen Formen und wir verstehen nicht immer den Grund ihrer Existenz, aber als Christen und vor allem als Schönstätter sind wir immer auf der Suche nach diesem „Offenen Fenster“ im Geist der Blankovollmacht. Deshalb wollen wir uns nach dem plötzlichen Heimgang von Ernest M. Kanzler ins ewige Schönstatt im Gebet für seine ewige Ruhe und die Suche nach diesem Offenen Fenster verbinden.

Immer bereit, zuzuhören

Als einer der jüngsten Marienbrüder in der Gemeinschaft hatte ich erst vor kurzem die Ehre, Ernest zu treffen und mich mit ihm auszutauschen. Schon seit meiner ersten Ankunft in Schönstatt konnte ich in ihm nicht nur meinen Vorgesetzten in der Familie entdecken, sondern einen Mitbruder, der immer bereit war, zuzuhören und Ideen auszutauschen. Unabhängig von der Zeit wusste ich, dass ich immer auf ein offenes Ohr für meine Ideen und Probleme zählen konnte, ebenso wie auf Antworten auf meine Vorschläge mit einem anderen Fokus, aus der Sicht einer Person, deren tiefe Religiosität und Verbundenheit mit Gott man immer spürte.

In seiner Persönlichkeit und seinen Ideen waren immer die anderen, vor allem die Männer, präsent, die Überlegung, wie man ihnen freier zur Verfügung stehen und sie begleiten könnte. Er kümmerte sich um jedes einzelne Mitglied der Gemeinschaft und begleitete es wie ein echter Familienvater.

Ernest M. Kanzler Cambrai

Immer mit offener Tür und offenen Ohren

Die Arbeit für die Seligsprechungsprozesse von Mario Hiriart und Josef Engling lag ihm sehr am Herzen, so sehr, dass sein persönliches Engagement so weit ging, dass er persönlich nach Cambrai fuhr, um die Dachschindeln des Heiligtums auszutauschen bzw. zu streichen. Er selbst kletterte aufs Dach oder führte andere notwendige Instandhaltungsarbeiten durchführen. Diese und andere Arbeiten erledigte er mit einer solchen Selbstverständlichkeit und Hingabe, dass er, wenn es notwendig war, alle Zeit dafür einsetzte.

Er bereitete seine Treffen oder Veröffentlichungen für die Männerliga, die Exerzitien oder Wallfahrten mit sehr viel Sorgfalt und Zuneigung vor und gab sich ganz hinein, einschließlich durchgearbeiteter Nächte, damit alles immer fertig und gut vorbereitet war.

Er tat dies alles in aller Stille, ohne Müdigkeit oder Frustration zu zeigen, mit einer zurückhaltenden Persönlichkeit, immer mit offener Tür und offenen Ohren, immer tadellos gekleidet und mit einem Lächeln, das eine spürbare Gelassenheit vermittelte.

Eine Vertragsweihe eines jungen Mitglieds, in Anwesenheit einiger seiner Freunde und aller Jugendlichen der Führerschule? Anders, einmalig, so noch nie dagewesen. Aber ja. Machen wir.

Heute hat nicht nur die Familie der Marienbrüder ihren Oberen verloren, sondern mehrere Institutionen, innerhalb und außerhalb Schönstatts, haben einen irdischen Mitarbeiter verloren, aber einen Fürsprecher im Himmel gewonnen.

Ernest M. Kanzler Dachau 75° jubileo

75jähriges Gründungsjubiläum in Dachau – Foto: Roberto M. González

„Ein ganz spezielles Weihnachtsfest steht vor der Tür“

“Ein ganz spezielles Weihnachtsfest steht vor der Tür“: So beginnt der Weihnachtsbrief der Schönstätter Marienbrüder, unterschrieben von Ernest M. Kanzler. Niemand von uns konnte sich vorstellen, dass dieser Satz durch den unerwarteten Tod von Herrn Kanzler eine solche Bedeutung erhält

Mit Datum von 13. Dezember 2020 schreibt Ernest M. Kanzler:

Gott verordnet uns einen ganz neuen Blickwinkel auf das Fest der Geburt seines Sohnes. Mehr denn je sehnen wir uns nach Licht in der Dunkelheit, nach Verlässlichkeit für die Zukunft, nach Gemeinschaft mit den Liebsten. Zentrale Werte von Weihnachten treten klarer hervor. Das Beiwerk von Weihnachten wird in seiner Wertigkeit zurechtgerückt.

Freuen wir uns auf das Christkind. Es ist das Licht in der Dunkelheit. Gott schenkt uns mit ihm einen absolut verlässlichen Partner für jede Zukunft, die vor uns liegt. Die Freundschaft zu ihm schenkt Gemeinschaft mit Tiefgang.“

Danke, Herr Kanzler, für Ihren Dienst an ganz Schönstatt.

 

Kondolenzbuch

Nutzen Sie gern die Kommentarfunktion zu diesem Artikel oder zum Artikel über das Requiem, um dem Institut der Schönstätter Marienbrüder Ihr Beileid und Mitgehen auszudrücken und um Zeugnis von Herrn Kanzler zu geben – Begegnungen, Erfahrungen, die bleiben.

Dachau

75° jubileo de la fundación en Dachau – Foto: Roberto M. Gonzáles

 

Vita

 

Vita – Ernest M. Kanzler

 

Am Dienstag, den 29.12.2020 wird um 15:00 Uhr das Requiem für Herrn Kanzler in der Pilgerkirche sein. Die aktuellen Vorgaben in dieser Corona-Zeit schränken die Teilnehmerzahl auf 100 Personen ein. Um möglichst vielen eine Teilnahme zu ermöglichen, wird Schönstatt-TV die Feier im Livestream übertragen: schoenstatt-tv.de
Für alle, die vor Ort dabei sein möchten, ist es wichtig, dass Sie sich für die Teilnahme in der Pilgerkirche anmelden! Dies ist unter hier möglich.

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2 Responses

  1. Liebe Marienbrüder,
    herzliches Beileid zum Heimgang von Herrn Kanzler. Ich danke mit Ihnen für eine authenische, väterliche Persönlichkeit, die das Führen als Dienen verstanden und gelebt hat.
    Ich bete, dass der himmlische Vater und die Gottesmutter Ihnen gerade jetzt merklich schützend und helfend die Hände reichen.

  2. Ein herzliches Beileid an unseren Marienbrüdern…. In Gebet und Dankbarkeit verbunden
    Von Heiligtum im Madrid .

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