Veröffentlicht am 3. November 2019 In Leben im Bündnis

Machen wir gerne – aber es hängt vom Ergebnis einer Untersuchung ab

PARAGUAY, Aurora Zapattini de Velásquez •

Im Sommer gehe ich jeden Tag mit einigen anderen Frauen zur Wassergymnastik in einem Club unserer Stadt. Wir nennen es nicht nur eine ausgezeichnete körperliche Betätigung, sondern auch „Lachtherapie“, denn die Atmosphäre dort ist wirklich die echten Freundschaft. Die Leiterin der Schönstatt-Familienbewegung in Ciudad del Este, die mit mir zur Wassergymnastik geht, kam eines Tages auf mich zu und bat mich auf liebevolle Weise, mit meinem Mann zu sprechen, denn die Gottesmutter braucht uns für eine besondere Führungsaufgabe innerhalb der Schönstatt-Familie (unsere Aktivitäten warenbis dahin stärker auf den Bund ausgerichtet). Ich antwortete, dass ich nicht mit ihm sprechen müsse, weil ich ihn kenne und vorher wisse, dass, wenn es um die Gottesmutter geht, seine und meine Antwort immer „ja“ ist und sein wird. Es gebe nur ein Detail, das darüber entscheiden würde, ob wir uns der gestellten Aufgabe stellen könnten oder nicht: In diesem Moment hing unser zukünftiger Kurs buchstäblich vom Ergebnis einiger medizinischer Untersuchungen ab. —

In den ersten Tagen des Januar 2019 begann mein Mann, an starken Schmerzen in seinem linken Knie zu leiden. Gewöhnt daran, mit Wirbelsäulenschmerzen aufgrund von 3 Bandscheibenvorfällen zu leben, sagte er mir: „Dieser Schmerz ist anders, er ist tiefer, als ob esaus dem Knochenmark käme“. In der Arztpraxis wurde nach mehreren Untersuchungen festgestellt, dass das Problem tatsächlich im Beinknochen lag und dass dieser zu einem großen Teil betroffen war. Alle Merkmale deuteten mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf Knochenkrebs hin. Das würde eine Amputation notwendig machen. Und vielleicht noch viel mehr. Bei Bestätigung kann das Verfahren im letzten und schlimmsten Fall je nach Besonderheit eine Amputation sein.

Dann war klar: Sofort an die Arbeit, um die wir gebeten worden waren

Mit demütiger Kindlichkeit und dem Vertrauen, dass alles, was uns passiert, im Plan Gottes ist, gaben wir uns ganz in seine Hände und die unserer geliebten Dreimal Wunderbaren Mutter. Wir haben erlebt, dass uns unsere Gottesmutter trotz unserer Schwäche mit Gelassenheit erfüllt hat angesichts der düsteren Aussichten. Unsere Brüder und Schwestern des „Heimatlandes“ begleiteten uns mit Gebeten und Anbetung des Allerheiligsten.

Während dieser Zeit nahm eine unserer „Schönstatt-Töchter“, eine Frau aus einer der Gruppen, die wir in der Familienbewegung geführt hatten und von Beruf Mikrobiologin, aus eigener Initiative eine Blutprobe von meinem Mann, um das Analysenspektrum im Labor zu erweitern und nicht nur die üblichen Untersuchungen zu machen. So entdeckte sie, ohne dass diese Analyse von einem Arzt angefordert worden war, einen ungewöhnlichen Anstieg des Serums eines Enzyms, der alkalischen Phosphatase.

Konfrontiert mit dem Verdacht auf Krebs und dem Warten auf die Ergebnisse der Biopsie, sagte unsere kleine Tochter ernsthaft und zuversichtlich zu mir: „Mama, das ist kein Krebs! Papa ist so verrückt nach der Gottesmutter, die muss ein Wunder wirken!“ Und tatsächlich ist am 13. Februar früher als erwartet das Ergebnis der Untersuchung eingetroffen. Diagnose: Paget-Krankheit, arthritischer Typ, und obwohl asymptomatisch, besttätigt durch den Anstieg der alkalischen Phosphatase! Es war eine riesige Erleichterung, denn nach einer gezielten Behandlung kann man ohne großes Drama mit dieser Krankheit leben. Wieder einmal hatte die Gottesmutter sich wunderbar erwiesen.

Natürlich haben wir noch am selben Tag unsere Zusage für die Aufgabe gegeben, um die wir gebeten worden waren – ein kleines Sandkorn als Gnadenkapital, angesichts so viel Segens!

 

Das Zepter der Königin

Am 20. August 1949 krönte Pater Kentenich die Gottesmutter im Tabor-Heiligtum in Santa Maria, Brasilien, und schenkte ihr ein Zepter, mit dem er ihrem mütterlichen Herzen all die schwierigen Situationen anvertraute, die das Werk durchlebte. Es befand sich damals in einer Apostolischen Visitation, und Pater Kentenich wusste, dass schwierige Prüfungen kommen kñnnten – und so war es auch. Darum bat er die Gottesmutter, die Königin der heroischen Kindlichkeit zu sein. Die Geschichte zeigt, dass Pater Kentenich, nachdem er 14 Jahre lang von der Kirche ins Exil geschickt worden war, schließlich von Papst Paul VI. rehabilitiert wurde.

Das Zepter, das Pater Kentenich der Gottesmutter im Taborheiligtum der Marienschwestern gegeben hat, wurde von ihnen zusammen mit der Krone gehütet. Da es in Brasilien kein nationales Heiligtum gab, als die Marienschwestern ihre Provinz Brasilien aufteilten – Santa Maria/RS und Atibaia/SP – , teilten sie auch die Güter und Erbschaften unseres Vaters, darunter die Krone und das Zepter. In einem feierlichen Moment übergaben die Schwestern von Santa Maria am 15. September 1979 das Zepter an die neue Provinz, Atibaia. Das natürlich in einem repräsentativen Charakter, denn wie sie selbst sagen, sind sie Hüter und nicht Besitzer dieser kostbaren Reliquien, die in Wirklichkeit allen Schönstättern Brasiliens gehören. Um dieses Zepter „für alle“ geistlich zu erobren, beschloss der Nationale Beraterkreis einstimmig, dass das Zepter zu allen Schönstatt-Heiligtümern in Brasilien pilgern sollte, damit die Familie dadurch die Gegenwart des Vaters und Gründers spüren konnte. Die Pilgerreise begann im Jahr Pater Kentenichs (2017/2018) und dauerte bis zu seiner neuen Anbringung in Atibaia, seinem endgültigen Ort, am vergangenen 15. September.

Missionarische Familie, baue das neue marianische Brasilien

Für alles, was wir Anfang des Jahres erlebt haben, versprachen wir ihr, da wir sie bereits vor Jahren gekrönt hatten, als Zeichen der Dankbarkeit ein Zepter in unserem Hausheiligtum zu geben. Wir haben so ein Zepter in Paraguay nicht bekommen, also haben wir eine Reise nach Brasilien genutzt, die seit letztem Jahr geplant wart, um eines mitzubringen.

Es war unglaublich: Erst wurde die Reise gestrichen, dann der Termin auf März verschoben, kostenlos für uns , wodurch wir dabei waren, als das oben erwähnte Zepter im Heiligtum von Rio de Janeiro empfangen wurde. Dort haben wir nicht nur das Original-Zepter gesehen, sondern auch gleich unseres gekauft. Darüber hinaus waren wir bei der für Pilger veranstalteten Tagung dabei, die unter dem Titel stand: Missionarische Familie, baue das neue marianische Brasilien. Dabei ging es um die Erarbeitung des Zepters mit den vier Stichpunkten: Hüten, Beitragen, Krönen und das Zepter in die Hand der Mutter des Herrn legen, um Zeugnis zu geben von ihrer Macht und Stärke.

 

Im Urheiligtum, August 2019

Unser Traum: das Urheiligtum besuchen

Im August 2019 haben wir uns dann nach 25 Jahren Zugehörigkeit zur Schönstatt-Bewegung einen unserer lang ersehnten Träume erfüllt: endlich das Urheiligtum kennenzulernen und das Grab von Pater Kentenich zu besuchen! Auf die Pilgerfahrt, die der Familienbund Paraguays zum 100. Jahrestag der Tagung von Hörde organisiert hat, nahmen wir auch unser kleines Zepter mit nach Dachau, Metternich, Gymnich und zum Grab unseres Gründers, um endlich die unglaubliche Gnade zu haben, es von Pater Alfredo Pereira am Altar des Urheiligtums gesegnet zu bekommen – am 20. August 2019, 100 Jahre von Höerde und 70 Jahre nach dem Tag, an dem unser Vater es im Taborheiligtum in Brasilien geschenkt hat. Signifikanterweise war es auch das Datum unseres 31. Hochzeitstages.

In der Karmelkapelle in Dachau

Halt das Zepter in der Hand!

Am 29. September schließlich bachten wir in einer einfachen Feier, begleitet von unseren Familien, der natürlichen und der Schönstattfamilie, mit Pater Alfredo das kleine Zepter in unserem Hausheiligtum an und sagten: „Liebe Mutter, schon seit einiger Zeit geben wir dir das Recht, unser Leben zu bestimmen. Heute wollen wir es symbolisch tun, indem wir dir dieses Zepter als Zeichen der Dankbarkeit geben verbunden mit dem Wunsch, nach heroischer Kindschaft zu streben, immer auf deine Kraft als Mutter zu vertrauen, besonders in Momenten des Schmerzes und der Finsternis, und wie damals wiederholen immer neu zu sagen: Das Ergebnis liegt in deinen Händen, liebe Mutter, halt das Zepter in der Hand, herrsche und triumphiere!“

 

Original: Spanisch. Übersetzung: Maria Fischer @schoenstatt.org

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