Veröffentlicht am 2. August 2019 In Leben im Bündnis

Fünfundzwanzig Jahre Schönstatt in Kenia. Und ein Lebenswerk

KENIA, Pfr. Reinhard Förster •

Als ich zum Schönstatt-„Zentrum“ komme, ist alles ist schon ganz festlich geschmückt: Fähnchen und Girlanden, ein Zelt ist aufgestellt, und viele Menschen in festlichen Kleidern sind unterwegs. Es sind fast 200 Gäste gekommen. Der Gottesdienst ist ganz festlich mit Tanzgruppe und einem Chor gestaltet. Alle singen begeistert mit. Hier wird 25 Jahre Schönstatt in Kenia gefeiert, und an diesem Tag vor 40 Jahren wurde der erste Schönstätter des Landes zum Priester geweiht, Father Dr. Joseph Kariuki Kamau. Nach dem festlichen Gottesdienst gibt wie hier üblich viele Grußworte und selbstverständlich einen Kuchen für den Jubilar und Essen für alle. Dann löst sich alles wieder auf, es wird gleich dunkel und der Weg nach Hause ist weit. —

Aber alles nochmal langsam. Am Samstagabend bin ich in Nairobi, Kenia, von Nürnberg über Zürich angekommen. Zwei Priester, Joseph Kariuki und Simon Kaire, haben mich am Flughafen abgeholt. Es geht gleich etwa 80 Kilometer in den Norden. Ich komme im Beatitude Christian Formation Center unter, weil es im Pfarrhaus kein Wasser gibt. Es hat zu wenig geregnet, nun ist der Tank leer.

Mango Shrine

So kann ich am Sonntag, den 28. Juli 2019, zu Fuß mit zwei Schönstätter Marienschwestern zum Schönstatt-“Zentrum“ der Diözese Murang‘a laufen. Der Bischof hat der Schönstatt-Bewegung hier ein Stück Land zur Verfügung gestellt. Es ist etwa vier Kilometer von der Hauptstraße entfernt, nicht weit von Maragua. Am Abzweig steht seit ein paar Jahren ein neues Schild. Von hier aus folgt man der ungeteerten und oft staubigen Straße. Jeden ersten Samstag im Monat trifft sich hier die Schönstatt-Familie der Diözese Murang‘a. Bis vor wenigen Jahren stand hier in der Nähe großer Mangobäume ein MTA-Bildstock: Eine Betonsäule mit einer Bronzeplatte. Man nannte ihn oft einfach „Mango Shrine“. Daneben hat man ein Dach für den Altar und ein Dach für die Gottesdienstbesucher gebaut. Oft haben Autos das Gelände als Abkürzung benutzt.

Erst als der Nachbar sein Grundstück richtig nutzt und eine Mauer baut, merkt man, dass das Stück Land viel kleiner ist. Die Toiletten müssen an einer anderen Stelle neu gebaut werden. Die Mauer darf bemalt werden. So wurde ein Maler beauftragt, ein großes Bild der MTA, Josef Kentenichs, des Heiligtums und weiteres an die Wand zu malen. Das war Anlass für den neuen Bewegungsleiter, Fr. William Kamau, einen festen Altar und ein festes Dach zu errichten.

Der Bildstock wurde in die Altarwand integriert.

Für die Besucher gibt es feste Bänke aus Beton. Das Ganze schützt ein Blechdach.

Jeden ersten Samstag im Monat sammeln sich die Schönstätter an der Hauptstraße und ziehen mit Rosenkanzgebet zum Bildstock. Ein Mann kümmert sich schon seit Jahren, dass der Messkoffer und alles andere da ist. Vor der Messe ist Beichtgelegenheit. Das Zentrum wurde mit einem Zaun umgeben und ein richtiges Tor errichtet. Weil es ist nicht abgesperrt ist, kommen auch andere Gruppen zum Beten.

Festlich und herzlich

Kaum bin ich da, werde ich von einigen Schönstättern ganz herzlich begrüßt: „Schön, dass Du da bist!“, „Welcome home!“ Ich selbst habe hier schon oft mit anderen Priestern oder auch allein Messe gefeiert.

Eingeladen ist für 14 Uhr. Es geht für lokale Verhältnisse pünktlich los – nur wenige Minuten später. Heute sind sieben Priester gekommen, darunter auch der Generalvikar Fr. Charles Kibe der Diözese Murang‘a, der auch der Messe vorsteht. Eine Tanzgruppe der PMC (Pontifical Mission Children – Kindermissionswerk) mit Ihrer Uniform gelb-rot-weiß war da und tanzte die Prozessionen im Gottesdienst. [In Deutschland ist PMC die Sternsinger. Hier in Kenia sind die Kinder in Gruppen organisiert, die sich das ganze Jahr über treffen.] Damit ist der Einzug des liturgischen Dienstes ganz feierlich, ebenso die Evangelien- und Gabenprozession. Weil hier so gut wie alle dem Stamm der Kikuyu angehören und manche sich mit anderen Sprachen schwertun, wird bei der Feier auch ihre Muttersprache verwendet, so dass ich nicht alles verstehe. Es sind aus sehr vielen Pfarreien der Diözese Vertreter da, sogar einige aus Nairobi. Heute sind viel mehr gekommen als sonst. Deshalb wurde ein Zelt aufgebaut mit vielen Plastikstühlen.

Ich bin überrascht und freue mich besonders, dabei sein zu können. Die letzten Jahre habe ich erst in der zweiten Hälfte der Ferien Urlaub gemacht. Dass mein Mitbruder sein Weihjubiläum feiert habe ich vor der Fahrt mitbekommen, dass es auch 25 Jahre her ist, dass es Schönstatt in Kenia gibt, war ich mir nicht bewusst.

Langsames Wachsen

Schönstatt hat in der Pfarrei Mugoiri begonnen. Joseph Kariuki war zum zweiten Mal Pfarrer. Zwei weitere Priester waren auf Einladung von ihm auf dem Rückweg von der USA in Schönstatt. Beide haben den Start der Bewegung unterstützt. Auch Bischof Peter Kairo gab seine Zustimmung. Joseph Kariuki kannte die Schönstattbewegung schon lange.

Als Professor an der Kenyatta-Universität hat er in seiner Heimatdiözese regelmäßig bei Sonntagsgottesdiensten ausgeholfen. Das hat er genutzt, die Schönstätter zu schulen. So ist hier Schönstatt langsam auf landestypische Weise gewachsen. Es wurde bei bekannten Traditionen angesetzt und durch die Sendung Schönstatts ergänzt.

Viele Mitglieder sind Landwirte, also Menschen mit einfachster Schulbildung.

Es gab auch eine Gruppe von Diözesanpriestern, die das Liebesbündnis geschlossen haben und sich immer wieder trafen. Aus dieser Gruppe sind schon einige verstorben.

Jährlich hat sich ein Diözesanpriester aus dem Schönstatt-Institut-Diözesanpriester Zeit genommen, um nach Kenia zu kommen. Zuerst war dies Balthasar Blumers, damals Berufschullehrer, nach Weihnachten und Anfang Januar. Auch zwei englischsprachige Mitbrüder, der kürzlichverstorbene Fr. Denis Foley aus Australien und Fr. Michael Savage aus Schottland waren hier. Dann habe ich auf Einladung von Joseph Kariuki und Balthasar Blumers meinen Urlaub hier verbracht, um mein Englisch etwas aufzubessern. Daraus sind jährliche Urlaube geworden. Einige Jahre nach der Gründung ist eine Schwester aus der Provinz Südafrika gekommen. Sie hat hier und in Nigeria jährliche Besuche gemacht. Mit der Zeit haben die Marienschwestern Kandidatinnen für ihre Gemeinschaft der Schwestern gefunden. Inzwischen gibt es drei Schwestern aus Kenia. Zwei davon konnten bei der Feier dabei sein. Die Gemeinschaft der Schwestern hat sich vor gut drei Jahren hier ein Stück Land gekauft.

Schönstatt, etwas Gutes für Priester – und alle anderen auch

Es gab sehr schnell einzelne Schönstatt-Mitglieder in Nairobi. Das waren vor allem Personen aus der Diözese Murnag‘a, die in der Stadt Arbeit und Wohnung gefunden hatten. Es gab immer wieder Gruppen von Studenten. Hier gab es viel Kleinarbeit durch einzelne sehr treue Mitglieder. Vieles hat sich um Mrs. Monica Kimani gesammelt.

Ich selbst bin mit Priestern aus Meru, knapp 300 km nördlich von Nairobi, direkt am Äquator, zusammengekommen. Diese habe ich immer wieder besucht. Langsam sind sie in das Liebesbündnis mit der Gottesmutter gewachsen. Am Anfang hat es in Meru geheißen „Schönstatt ist etwas Gutes für Priester“. Inzwischen gibt es in einigen Pfarreien kleine Schönstattgruppen. Dass einige Priester die MTA in ihr Herz geschlossen haben, wurde mir deutlich, als ich auf einer Wand in einer Pfarrei und dann auch in einer Pfarrkirche das Bilder der Dreimal Wunderbaren Mutter gefunden habe. Die Priester treffen sich sehr regelmäßig.

An der Grenze zu Uganda

Dann gibt es seit wenigen Jahren Schönstatt in der Diözese Bungoma, das ist ca. 500 km von Nairobi an der Grenze zu Uganda. Schönstätter aus Nairobi und der Diözese Munrag‘a fahren für ein Wochenendseminar immer wieder dorthin (meist mit dem Nachtbus). Ich war selbst einmal dabei. Hier spricht man in der Kirche Kisuaheli, denn es gibt dort zwei Stämme mit verschiedenen Sprachen. Also einigt man sich auf eine gemeinsame dritte, die alle verstehen. Joseph Kariuki wurde an das Priesterseminar ganz in der Nähe der Stadt als Philosophielehrer berufen. Er war erst kurz dort, als der  Generalvikar ihn und andere eingeladen hat,  in seiner Pfarrei Schönstatt vorzustellen. Er selbst ist Schönstatt schon einmal außerhalb des Landes begegnet.

Ein Leben und ein Lebenswerk

Genau vor 40 Jahren wurde Dr. Josef Kariuki Kamau in seiner Geburtsstadt Murang‘a  zum Priester geweiht, genau am 28. Juli 1979. Er wurde mit anderen Seminaristen zum Studium nach Rom geschickt. Sein Klassenkamerad war John Kardinal Njue. Nach den philosophischen und theologischen Studien hat er in Fribourg in der Schweiz 1977 den Doktortitel erworben. Hier hat er Schönstatt kennengelernt. Als Priester ist er 1990 Mitglied des Schönstatt-Institut-Diözesanpriester geworden. Von seinem Mitbruder Werner Krimm hat er vieles über Vaterschaft und Vertrauen gelernt.

Nach der Priesterweihe war Josef Kariuki Bischofssekretär in Nyeri. Dann erster einheimischer Priester in Mugoiri. Von dort ging er nach Nairobi und hat mit anderen die Katholische Universität aufgebaut. Er war Vizerektor. Nach einem Sabbatjahr wurde er wieder Pfarrer in Mugoiri. In dieser Zeit hat er mit anderen Schönstatt in Kenia gegründet. Dann wurde er Professor für Philosophie an der Kenyatta University. Alle Studenten mussten bei ihm den Kurs „Kritisches Denken“ besuchen. An den Wochenenden hat er in seiner Heimatdiözese regelmäßig ausgeholfen mit Gottesdiensten. Bei dieser Gelegenheit hat er die Schönstätter geschult.

2009 war er für ein gutes Jahr in den USA. Hier schreib er sein Buch „Human Development as Integral Development. The Social Teaching of the Church in the Light of the Social Education and Ethics of Joseph Kentenich in an African Context“ (Menschliche Entwicklung als Ganzheitliche Entwicklung. Die Katholische Soziallehre im Licht von menschlicher Erziehung und Ethik von Josef Kentenich im afrikanischen Kontext). Nach seiner Rückkehr nach Kenia wurde er Philosophielehrer im Priesterseminar in Bungoma. Ein Jahr später zweiter Priester in Kenyanyni. Die letzten beiden Jahre war er zweiter Priester in Sabasaba. Bei vielen Schönstätter gilt er als Gründer und Leiter (Founder und Director).

Das Fest klingt aus… und Schönstatt wächst weiter

Zum Fest gab es selbstverständlich einen Kuchen. Für einen solchen Priester musste es etwas Besonderes sein: Ein Kuchen mit Bibel, Kelch und Hostienschale mit einer Wunderkerze. Selbstverständlich musste der Jubilar den Kuchen anschneiden. Das Messer musste auch der Generalvikar halten. Dazu gab es dieses Mal sogar eine Schutztruppe: Zwei Jungen mit Pfeil und Bogen.

Dann wurde der Kuchen in ganz viele kleine Stücke geschnitten. Für alle sichtbar ist das „feeding“ ganz wichtig: Der Jubilar muss an besondere Personen ein Stück Kuchen in den Mund füttern: Zuerst der Generalvikar, dann von ihm der Jubilar, dann wichtige Personen. Dazu habe auch ich gehört. Dann wird vom Kuchen an alle ausgeteilt. Und landesüblich: Essen für alle.

Gegen 18 Uhr brachen die Ersten auf. Viele haben kein Auto und sind auf Matatus (Kleinbusse, bis 14 offizielle Plätze) angewiesen. Hier ist es um 19 Uhr stockdunkel.

Die afrikanische Nacht bricht an. Das Fest klingt aus. Schönstatt in Kenia wächst weiter.

Fotos : Reinhard Förster

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