Veröffentlicht am 16. Dezember 2018 In Leben im Bündnis, Synode 18

Wir sind nur ein kleiner Teil eines wunderbaren Organismus namens Kirche

Jugendsynode, Interview mit Lucas Galhardo •

Einen Monat nach der Jugendsynode sprachen wir mit  Lucas Galhardo aus der Schönstatt-Jugend von Brasilien, der an der Synode wie auch an mehreren Vorbereitungstreffen teilgenommen hat. Wir haben ihn gefragt, was für ihn die wichtigsten Momente waren und was jetzt zu tun ist, damit die Synode nicht auf dem Papier bleibt.—

In deiner Videobotschaft an die Schönstattfamilie am Schluss der Synode hast du davon gesprochen, dass dich das „Dilexit Ecclesiam“ sehr tief berührt hat bei der sehr verantwortlichen Teilnahme an einem kirchlichen Ereignis. Wie ist es dazu gekommen?

 A.: Zuerst weil die offizielle Bekanntgabe der Liste der Synodenteilnehmer am 15. September stattfand, dem Tag, als wir 50 Jahre Heimgang von Pater Kentenich gefeiert haben. Aber in der Regel gehe ich aus allem, an dem ich teilnehme, vor allem als Jugendvertreter der Brasilianischen Bischofskonferenz, immer weg mit einem Gefühl der Dankbarkeit gegenüber Gott dafür, dass er mir Schönstatt auf meinen Weg gelegt hat, weil unsere Spiritualität viele Elemente enthält, die Antworten geben auf die Fragen der Welt. Und was mich immer beeindruckt hat war, dass, obwohl P. Kentenich um die Größe seines Werkes, zu dem Gott ihn geführt hatte, wusste, er das klare Bewusstsein hatte, dass wir nur ein kleiner Teil eines wunderbaren Organismus namens Kirche sind. Dazu kommt alles, dass er nach allem, was er besonders im von der Kirche selbst verhängten Exil gelitten hat, darum bat, dass auf seinem Grabstein das Wort „Dilexit Ecclesiam“ eingraviert würde, und ich persönlich denke, das ist eine wichtige Botschaft, damit wir die Mission, für die er gelebt hat, ernst nehmen wie er selbst.

 

Wie kannst du das „Dilexit Ecclesiam“ leben und die Schönstatt-Jugend dafür begeistern?

A .: Schönstatt hat viel zu tun und zu bieten. Manchmal müssen wir die Sprache ein wenig an einen bestimmten Kontext anpassen, aber die Schönstatt-Spiritualität hat viel zu bieten und anzubieten. Gelegentlich müssen wir nur noch die Sprache für einen bestimmten Kontext leicht anpassen. Doch die Spiritualität, die Pädagogik und all die Lehren aus diesen Jahren der Geschichte, insbesondere die Lehren des Gründers, sind voller Reichtum, Tiefe und Anwendbarkeit. Ich glaube, dass der Geist von „Schönstatt auf dem Weg nach draußen“ uns bewegt, diese Liebe zur Kirche konkret zu leben. Die Erfahrung der Synode hat in mir die Überzeugung verstärkt, dass wir alle Kirche sind, und wenn wir eine offenere, einladendere, demütigere, authentischere, kreativere … Kirche wollen, müssen wir uns genau dafür mitverantwortlich fühlen. Darum lade ich alle ein, sich den Kirchen vor Ort zur Zusammenarbeit zur Verfügung zu stellen. Das erfordert zunächst einen Weg der persönlichen Umkehr, offen zu sein für Hören, Dialog, Unterschiede und ein offenes Herz, um mit großer Freude so gut wie möglich zu dienen.

Was war für dich der bewegendste Moment der Synode?


A.: Eigentlich gab es für mich nicht den einen bewegendsten Moment. Es waren mehrere, von den kleinen Details bis zu den großen Ereignissen. Die Synode als solche hat mich sehr beeindruckt als Beispiel eines Prozesses von Begegnung, Zuhören, Unterscheidung und wirklich gemeinsamem Gehen. Ich denke, es wäre sehr positiv, es in den örtlichen Gegebenheiten eines jeden umzusetzen.

 

 

Was war für dich das wichtigste Thema, das auf der Synode ins Gespräch kam?

A.:  Für mich war das wichtigste Thema das Synodenthema an sich: „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ und die Begleitung, da dies für eine gute pastorale Arbeit mit Jugendlichen, für die Weitergabe des Glaubens und für die  Berufungsunterscheidung von grundlegender Bedeutung ist. Das war das zentrale Thema meines vierminütigen Beitrags in der Synodenaula. Ich habe gebeten, dass es in den lokalen Wirklichkeiten Menschen gibt, die sich frei von Verwaltungsaufgaben ausschließlich dieser Arbeit widmen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auf diese Weise in der Lage sein werden, diese Synodalität weiter zu leben, wirklich miteinander zu gehen und auf diese Weise immer effektivere Wege zu finden, um die Herausforderungen jeder Realität zu meistern.

Es gab eine sehr intensive Vorbereitung auf die Synodenaula, sowohl in der Weltkirche wie auch in manchen Bereichen Schönstatts. Jetzt, wo sie vorbei ist, wie geht es weiter? Was tun wir, damit der Impuls nicht verloren geht?

A.: Das Schlussdokument gibt es bisher nur auf Italienisch (und seit dem 14.12. in Spanisch). Sobald die Übersetzungen da sind, lade ich Sie ein, damit in Ihren Wirklichkeiten vor Ort zu arbeiten. Es ist ein sehr reichhaltiges Dokument. Aber ich denke, dass neben dem Dokument einer der größten Reichtümer dieser Synode der Geist der Synodalität, des Miteinandergehens, war, der den ganzen Prozess geprägt hat, so wie auch im Schlussdokument im dritten Teil die Synodalität so stark betont wird. Auch wenn das für mich etwas ist, das alle Synoden auszeichnen sollte, hatte es in dieser Synode einen besonderen Glanz durch die Art, wie Synode gelebt wurde, auch schon im Vorbereitungsprozess.

„Synodalität“ ist dieser Geist des Miteinandergehens, und ich denke, das ist es was, was wir jetzt in unseren eigenen Wirklichkeiten leben müssen. Miteinandergehen – mit Bischöfen, Priestern, Laien, Ordensleuten, Jugendlichen, Erwachsenen… Suchen wir gemeinsam mit anderen Konfessionen und Religionen, Kulturen, Realitäten, sozialen Schichten…

Und fördern wir eine Erfahrung der Einheit, die nichts zu tun hat mit der Einförmigkeit, wie Papst Franziskus sagt. Ich denke, wir sollten einfach versuchen, es zu leben. Die konkreten Formen hängen von jeder Realität ab, es gibt jedoch einige Vorschläge: lokale Versammlungen / Synoden halten; alle, insbesondere junge Menschen, in pastorale, administrative und beratende Tätigkeiten einbeziehen; den Dialog mit den verschiedenen Gruppen und Charismen in unserer jeweiligen Realität fördern; zuhören, mehr hören als reden; Unterscheidung als Abenteuer des ganzen Lebens: das Lebensprojekt oder das persönliche Ideal (in der Sprache Schönstatt) suchen und anderen dabei helfen.

 

Wir haben die Jugendsynode begangen – und nun?

A.: Jetzt gilt es, die Synode vor Ort zu leben durch die Arbeit mit dem Schlussdokument und dann hauptsächlich, diesen Geist des Miteinandergehens zu fördern. In der Predigt in der Abschlussmesse hat Papst Franziskus drei Dinge für das Miteinandergehen, für die Synodalität, erbeten: 1) erst hören, dann reden; 2) sich nähern, an der Seite der anderen stehen; und 3) Zeugnis geben, zu den Leuten gehen und dabei nicht uns selbst, sondern Christus zu bringen.

Interview: Maria Fischer, schoenstatt.org

 

 

Original: portugués; traducción: Carmen M. Rogers, Santiago de Chile/Miguel Angel Rubio

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