Veröffentlicht am 2018-05-28 In Leben im Bündnis

Anhalten oder plattgefahren werden

Maria Fischer •

Es war auf einer Fahrt im letzten Jahr von Tuparenda nach Asunción; ich bewundere still meinen Chauffeur für sein Fahren in diesem Wahnsinn von Verkehr und das während eines dieser typischen sintflutartigen Regengüsse, die die Straßen in Sekunden in Bäche verwandeln. Er hält an einer großen Kreuzung an, und da sehe ich dieses riesige Banner mit seiner ebenso klaren wie deutlichen Botschaft: Anhalten oder plattgefahren werden. —

Das kommt mir in den Sinn, als wir vor ein paar Tagen in einer Gruppe von Führungskräften aus der Wirtschaft über Leichtigkeit reden und Feuer im Herzen, und wie wir wieder dahin kommen können für eine neue Freude im Berufsalltag und nicht nur da.

Wir haben dabei den Text der Aschermittwochspredigt von Papst Franziskus gelesen, in der er um drei Worte kreist, „die uns „das gläubige Herz erwärmen“ wollen: halte inne, schaue und kehre zurück.“ Halb im Scherz und um zu betonen, dass dabei alles vom Innehalten, vom Anhalten abhängt, und sei es nur für einen Augenblick, vom Anhalten in unserem manchmal völlig gund- und sinnlosen Gerenne, das uns atemlos werden lässt im Denken, im Arbeiten, im Leben und im Lieben, erzähle ich von diesem Banner an der Kreuzung in Paraguay. Anhalten oder plattgefahren werden.

Und während alle herzlich lachen, begreifen wir einer nach dem anderen, auch ich, dass wir manchmal so ein Banner in unseren Büros, auf unseren Smartphones, in unseren Arbeitsplatz- und Hausheiligtümern brauchten. All unser Tun, all die wichtigen Dinge und Nachrichten, unsere persönlichen Beziehungen gehen den Bach runter, einfach weil wir nie anhalten, um hinzuschauen, zu lesen, zuzuhören….

Zwei Tage danach schickt einer der Führungskräfte aus dieser Runde mir eine Whatsapp mit der Bitte: schick mir ein Foto von diesem Banner für mein Büro!

Dank Seba Valdez, unserem tollen Mitarbeiter aus Paraguay, bekomme ich ein paar Tage später das Foto dieses Banners. In hoher Auflösung, schreibt er mir dazu, falls jemand daraus ein großes Foto machen will.

Denn manchmal, ja, manchmal brauchen wir ein richtig großes Banner um anzuhalten und nicht plattgefahren zu werden.

 

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